2.200 BMW-Mitarbeiter am Kap streiken

Exklusiv: Münchener Automobilbauer bezweifelt erstmals Marktattraktivität Südafrikas

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Mercedes Benz, BMW und Volkswagen sind namhafte deutsche Automobilbauer, die in Südafrika zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen. Tausende Südafrikaner sind in den Produktionsstätten dieser Industriebetriebe tätig. Die Wirtschaftszeitung Handelsblatt berichtete vor wenigen Tagen von Produktionsausfällen und Störungen im Betriebsauslauf. Die Gewerkschaft NUMSA hat die Autoindustrie am Kap komplett lahmgelegt. Es wird gestreikt. BMW kündigt nun, wie exklusiv erfahren, weitreichende Konsequenzen an.

© Der Münchener Automobilbauer BMW kann infolge eines Streiks seit dem 8. August 2013 keine Fahrzeuge mehr am Kap produzieren. Auf Anfrage von "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" bezweifelt das Unternehmen erstmals die Marktattraktivität Südafrikas. Außerdem wird eine Produktionsverlagerung auf weltweite Standorte angestrebt. (Quelle: BMW South Africa)

© Der Münchener Automobilbauer BMW kann infolge eines Streiks seit dem 8. August 2013 keine Fahrzeuge mehr am Kap produzieren. Auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ bezweifelt das Unternehmen erstmals die Marktattraktivität Südafrikas. Außerdem wird eine Produktionsverlagerung auf weltweite Standorte angestrebt. (Quelle: BMW South Africa)

Seit dem 8. August 2013 bereits läuft im BMW-Werk in Rosslyn nichts mehr, obwohl der Branchenstreik erst am 19. August 2013 ausgerufen wurde, bemängelt die südafrikanische Repräsentanz des Münchener BMW-Konzerns in einer vorliegenden Stellungnahme. Das Unternehmen teilt auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ mit, dass rund 2.200 Arbeiter die Arbeit niedergelegt haben, um höhere Schichtzulagen einzufordern. Zu mindestens 50 Prozent soll die Schichtzulage erhöht werden, so die Gewerkschaftsforderung gegenüber dem Automobilbauer.

BMW informiert weiter, dass die Belegschaft in Südafrika nach einem 5-Tages-Wochenplan und im 3-Schichtsystem arbeitet. Der gegenwärtige Verlust infolge des Streiks wird mit 3.000 Produktionseinheiten beziffert, heißt es aus dem BMW-Sitz im Oracle House in Midrand. Dies bedeutet im Klartext, dass 345 Fahrzeugeinheiten pro Tag nicht produziert werden können. Dieser Rückstand sei nicht mehr aufzuholen, da das Werk in Rosslyn bereits auf einen 24-stündigen Produktionsbetrieb angelegt ist und sein Maximum erreicht habe.

Die Exportorientierung der südafrikanischen BMW-Fahrzeugproduktion bringe das Unternehmen in eine schwere Belastungsphase. Rund 80 Prozent der im Rosslyn-Werk hergestellten Kraftfahrzeuge sind für den internationalen Export bestimmt. „Solche Streikmaßnahmen schädigen in dramatischer Weise den Ruf Südafrikas als zuverlässigen Produktionsstandort“, so die Stellungnahme abschließend. Als erste Konsequenz wird die Produktion am Kap auf die weltweiten Standorte umverlagert.

Ebenfalls bestätigte der Stuttgarter Konzern Mercedes Benz den Produktionsstillstand im Werk in East London, wollte sich jedoch zu den Geschehnissen nicht näher äußern. Hintergrund sind gescheiterte Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband AMEO und der Gewerkschaft NUMSA, die im Rahmen des „National Bargaining Forum (NBF)“ erfolgten. Arbeitsniederlegungen sind in Pretoria, Durban, Port Elizabeth und East London zu beobachten.

© Das BMW-Werk in Rosslyn produziert verschiedene Fahrzeugmodelle, die zu 80 Prozent in ausländische Märkte exportiert werden. Rund 2.200 Südafrikaner sind im Werk beschäftigt. (Quelle: BMW South Africa)

© Das BMW-Werk in Rosslyn produziert verschiedene Fahrzeugmodelle, die zu 80 Prozent in ausländische Märkte exportiert werden. Rund 2.200 Südafrikaner sind im Werk beschäftigt. (Quelle: BMW South Africa)

NUMSA teilt auf Anfrage mit, an neuen Verhandlungen mit AMEO interessiert zu sein. Jedoch müsse die Arbeiterschaft am erwirtschafteten Wohlstand der Automobilbauer stärker als bisher beteiligt werden. Es könne nicht sein, dass lediglich die Wirtschaftsbosse und Aktionäre am Wachstum der Autoindustrie profitieren. Fakt sei, so NUMSA,  dass der einzelne Arbeiter im Durchschnitt 20 Prozent seines Einkommens für den Transport aufwenden und ferner meist in ärmlichen Verhältnissen leben müsse. Daher seien die Forderungen nach einer Lohnerhöhung von 14 Prozent, nach einem Wohnzuschuss von 750 Rand und nach einem wöchentlichen Transportzuschuss von 125 Rand gerechtfertigt.

8 Antworten zu “2.200 BMW-Mitarbeiter am Kap streiken

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  5. die schwarzen regierenden werden es in ihrer Dummheit schon schaffen, daß das schöne Südafrika immer weiter den Bach runtergeht. überall nur korupption und mißwirtschaft. sobald ich meinen besitz hiehr verramscht habe, verschwinde ich schläunigst. traurig, aber leider nur zu wahr.

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  7. BMW droht mit dem großen Knüppel der Produktionsverlagerung. Ein „zuverlässiger Produktionsstandort“ ist für Konzerne wie BMW ein Standort, wo Arbeiter brav und stillschweigend den Profit der Aktionäre mehren. Oder wo die bewaffneten Organe des Staates dafür sorgen, dass Arbeiter brav und stillschweigend ihr Los ertragen – wie beispielsweise in Marikana geschehen. Wie lange, glaubt man in Deutschland, werden die Menschen in Südafrika (und anderswo) Zustände hinnehmen, wo Arbeitslöhne gerade mal ein Leben in Armut garantieren? Stetig steigende Benzin- und Dieselpreise, steigende Lebensmittelpreise, gierige Geldverleiher, zum Himmel schreiende Wohnverhältnisse erschweren das Los der Arbeiter zusätzlich.
    Arbeiter koennen nicht, wie Konzerne, mit „Produktionsverlagerung“ drohen, ihnen steht nur ein Mittel zur Verfügung, um sich Gehör zu verschaffen: der Streik.

    • lieber sizwe, nicht BMW beutet die leute aus, es sind leider die eigenen schwarzen brüder die sich an ihren Landsleuten brutal bereichern. wahrscheinlich gebt ihr aber keine ruhe, bis auch der letzte weiße dieses schwarze Paradies verlassen hat und ihr dann langsam aber sicher wieder dahin geht wo ihr hergekommen seid, träumt weiter

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