Kaufen, aber nicht nutzen

Absurde Kampfjet-Anschaffung durch das Verteidigungsministerium Südafrikas. Ein ignorierter Skandal

(Autor: Ghassan Abid)

Man stelle sich vor, man kaufe sich ein Auto, benutze es aber nicht, weil die Nutzung des Fahrzeugs zu kostspielig wäre. In diesem Fall würde man, nach logisch-rationalen Maßstäben, auf eine Anschaffung verzichten. Nicht so in Südafrika. Das Verteidigungsministerium in Pretoria hat, wie aus Fachkreisen erfahren, mehrere Kampfjets gekauft und diese nun einfach einlagern lassen. Ein Skandal, der von der südafrikanischen Presse ignoriert wird.

© Das Verteidigungsministerium Südafrikas beschaffte für die ihr unterstehende Luftwaffe 26 schwedische Kampfjets des Typs Gripen. Rund die Hälfte der Maschinen kann die Air Force nicht nutzen, da das Geld für die Inbetriebnahme fehlt. Eine Steuerverschwendung ohnegleichen. Die Presse am Kap hinterfragt diese Anschaffung nicht. (Quelle: flickr/ Wesley Nitsckie)

© Das Verteidigungsministerium Südafrikas beschaffte für die ihr unterstehende Luftwaffe 26 schwedische Kampfjets des Typs Gripen. Rund die Hälfte der Maschinen kann die Air Force nicht nutzen, da das Geld für die Inbetriebnahme fehlt. Eine Steuerverschwendung ohnegleichen. Die Presse am Kap hinterfragt diese Anschaffung nicht. (Quelle: flickr/ Wesley Nitsckie)

Anfang 2013 beschaffte das Verteidigungsressort beim schwedischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzern SAAB insgesamt 26 moderne Kampfjets des Typs Gripen. Davon mussten 12 Jets aufgrund finanzieller Engpässe im Verteidigungshaushalt eingelagert werden und dies über einen längerfristigen Zeitraum hinweg. Der Betrieb und die Wartung aller Gripen-Kampfjets sei nicht finanzierbar, heißt es von einem Militärjournalisten mit Verweis auf Informationen aus dem Ministerium.

Bereits im Jahr 2008 soll die südafrikanische Luftwaffe die Jets bestellt haben. Es wird geschätzt, dass die Maschinen rund eine Milliarde US-Dollar gekostet haben. Geld, das für gegenwärtige Vorhaben im Bildungs- oder Gesundheitswesen schlichtweg fehlt. Bereits damals lehnten einzelne Abgeordnete diese teuren Anschaffungen im Verteidigungsressort ab, unter anderem wegen der zu erwartenden hohen Kosten für Betrieb und Wartung der Gripen-Jets. Entsprechende Warnungen sollen von den zuständigen Stellen nicht ernst genommen worden sein.

Der Militärsektor am Kap zählt – so die Meinung einiger Analysten – zu den korruptesten Ressorts innerhalb der Regierung, an welchem namhafte ANC-Politiker ihre Finger im Spiel haben. Zuletzt stand der südafrikanische Rüstungskonzern Denel wegen der Verschleierung des Verkaufes von Drohnen an umstrittene Regime in der Kritik. Die aktuelle Debatte zur Untersuchung einstiger dubioser Waffendeals unter dem jetzigen Staatspräsidenten Jacob Zuma, wie von Christian Putsch dem Südafrika-Korrespondenten der Zeitung DIE WELT aufgegriffen, untermauert diese These.

Offizielles Promo-Video zum Gripen-Kampfjet des SAAB-Konzerns

Weder das südafrikanische Verteidigungsministerium in Pretoria noch der schwedische Rüstungskonzern SAAB in Stockholm wollten sich zur Angelegenheit auf eine Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ äußern. Eine anfängliche Zusage der Schweden, der Redaktion nähere Informationen zum Deal zu übermitteln, ist ohne Angaben von Gründen widerrufen worden.

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