Südafrikas Wirtschaft erliegt Streikchaos

Hunderttausende Arbeitnehmer fordern gerechtere Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen

(Autor: Ghassan Abid)

Wer zurzeit in Südafrika gefragt wird, in welchen Branchen am Kap gestreikt wird, der muss erstmal lange nachdenken. Denn noch nie in der Geschichte der jungen Republik im südlichen Afrika ist in so vielen Wirtschaftsbereichen gleichzeitig gestreikt worden wie es gegenwärtig der Fall ist. Nach eigenen Schätzungen dürften zwischen 250.000 bis 300.000 Menschen ihre Arbeit niedergelegt haben. Genau weiß das keiner. Die Politik hat in Anbetracht der Situation längst jeglichen Einfluss auf die Ökonomie verloren.

    © Die südafrikanische Wirtschaft erlebt die größte Streikwelle seit Bestehen der jungen Republik im Jahr 1994. Mehrere Branchen sind lahmgelegt worden bzw. werden noch bestreikt. Der Machtkonflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat sich verschärft. Die Politik hat längst keinen Einfluss mehr auf die Ökonomie. (Quelle: flickr/ Cherisse Fredricks)

© Die südafrikanische Wirtschaft erlebt die größte Streikwelle seit Bestehen der jungen Republik im Jahr 1994. Mehrere Branchen sind lahmgelegt worden bzw. werden noch bestreikt. Der Machtkonflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat sich verschärft. Die Politik hat längst keinen Einfluss mehr auf die Ökonomie. (Quelle: flickr/ Cherisse Fredricks)

Die Arbeitgeber am Kap kritisieren die „unrealistischen Forderungen der Gewerkschaften“, die Arbeitnehmervertretungen hingegen die „ausbeutenden Methoden der Bosse“. „Es könne nicht sein, dass Aktionäre und Wirtschaftschefs sich auf Kosten der armen Arbeiter bereichern“, so ein Gewerkschaftsfunktionär gegenüber der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Die Wirtschaft am Kap wird infolge der Streikwelle weiter schrumpfen. Doch die Arbeitnehmerschaft werde nicht mehr „den Mund halten“, so der Gewerkschafter weiter.

Seit dem 19. August wird die Automobilbranche durch die Gewerkschaft NUMSA, seit dem 26. August die staatliche Fluglinie South African Airways (SAA) durch SATAWU und zeitgleich die Baubranche durch BCAWU bestreikt. Zusätzlich werden ab dem 2. September auch Tankstellen und Autohäuser lahmgelegt. Schon einen Tag später, am 3. September, folgen die Goldminenarbeiter dem Aufruf ihrer Gewerkschaft NUM.

Gefordert werden mehr Geld und besserer Arbeitsschutz. Die spürbare Inflation bringe die Menschen dazu, streiken zu müssen, heißt es auf diversen arbeitnehmerorientieren Foren. Unterdessen droht der Randwährung der weitere Absturz. Der Rand hat seit Anfang des Jahres rund ein Fünftel an Wert verloren. Bedeutet für den südafrikanischen Konsumenten, dass man mit dem gleichen Geld immer weniger einkaufen kann. Die Lebenssituation der Ärmsten verschärft sich mit jedem einzelnen Streiktag weiter.

Mehrere Wirtschaftsanalysten in Südafrika warnen vor dem „gewaltbereiten Klima“, dass ausländische Investoren abschrecken würde. Der portugiesische Professor und auf Südafrika spezialisierte Unternehmensberater Jaime Pinto sieht die Politik in der Verpflichtung, den drohenden Imageverlust der Kaprepublik als sicheren Investitionsstandort abzuwenden. Die Abwertung der südafrikanischen Wirtschaft durch Ratingagenturen wie Moody’s, Standards & Poor’s und Fitch müsse ernst genommen werden.

Zwischenzeitlich haben einige Unternehmen der Arbeitnehmerschaft und speziell den Gewerkschaften ernste Konsequenzen angedroht. Der Münchener Automobilkonzern BMW beispielsweise erklärte auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erstmals seine „Zweifel an der Marktattraktivität Südafrikas“. Sollten die nächsten Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den verschiedenen Branchen weiterhin scheitern, so stehen dem Land äußerst unruhige Zeiten bevor, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Gewalt münden werden. Präsident Jacob Zuma ignoriert die Geschehnisse und zeigt sich passiv – vielleicht aus Ohnmacht.

2 Antworten zu “Südafrikas Wirtschaft erliegt Streikchaos

  1. Pingback: Rand-Kurs im freien Fall – Schlecht für Südafrika, gut für Touristen

  2. Was die Wirtschaft angeht sehe ich bei nicht änderndem Wahlverhalten der Menschen im wahrsten Sinne des Wortes schwarz. Schade, dass Frau Zille es nie ganz nach vorne bringen wird……..

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