„Ich gebe keine Interviews“

J. M. Coetzee, Südafrikas führender Dichter, las auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin vor

(Autoren: Johanna Hecht, Ghassan Abid)

© J.M. Coetzee trat als Südafrikas führender Schriftsteller am 10. September 2013 auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin auf. "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" war vor Ort und beobachtete das literarische Spektakel im Herzen der Bundeshauptstadt. (Quelle: Jerry Bauer)

© J. M. Coetzee trat als Südafrikas führender Schriftsteller am 10. September 2013 auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin auf. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ war vor Ort und beobachtete das literarische Spektakel im Herzen der Bundeshauptstadt. (Quelle: Jerry Bauer)

John Maxwell Coetzee ist mit Abstand der populärste Schriftsteller Südafrikas, der dem Medienrummel alles andere als aufgeschlossen ist. Interviews gibt er selten. Auch eine diesbezügliche Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ wurde negativ erwidert. Der Kapstädter, der sich von der Öffentlichkeit abschirmt, ist ein gefragter poetischer Zeitgenosse in der internationalen Literaturszene. Zweimal erhielt er den Booker Price und einmal den Literaturnobelpreis in 2003. Am 10. September 2013 trat Coetzee auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb) auf.

Coetzee las aus seinem Briefwechsel mit Paul Auster vor, dem US-amerikanischen Schriftsteller und Verfasser der weltbekannten „New-York-Trilogie“. Über mehrere tausend Kilometer und über drei Kontinente hinweg kommunizierten beide Schriftsteller via E-Mail über Themen wie die Literatur und Kunst, Filme, die Politik und den Alltag, die Banken und Wirtschaft und über die Liebe. Dieser Briefwechsel eröffnet der Öffentlichkeit einen einmaligen Einblick in die Privatperson Coetzee. So wird beispielsweise erstmals bekannt, dass der Südafrikaner ein großer Tennisfan ist, gerne Schach spielt und auf Literaturkritiker ziemlich allergisch reagiert. Eigene Erlebnisse werden im Detail erläutert.

© Der öffentliche Andrang im Haus der Berliner Festspiele war gewaltig. Viele Berliner kamen, um den tiefgründigen Worten von J.M. Coetzee zu lauschen.

© Der öffentliche Andrang im Haus der Berliner Festspiele war gewaltig. Viele Berliner kamen, um den tiefgründigen Worten von J. M. Coetzee zu lauschen.

Auf dem Festival lernte man Coetzee als „einfachen Menschen“ kennen, der auch Ängste und Sorgen in sich trägt. Er wirkte sehr verletzlich und beeindruckte zugleich. Diese private Sichtweise, für Coetzee-Verhältnisse durchaus mit Intimität gleichzusetzen, bleibt in seinen Werken dem Leser grundsätzlich verwehrt. Coetzee verbietet sich selbst einer autobiografischen Interpretation. Stattdessen verwirrt er gerne seine Leserschaft. Er liebt den Anti-Illusionismus und die Auslebung von Ideen, die philosophische Gedankenspiele zulassen.

© Das Buch „Here and Now“ ist in diesem Jahr beim in London ansässigen Verlag Faber & Faber erschienen. Im deutschen Handel ist der Briefwechsel zwischen dem Südafrikaner John Maxwell Coetzee und dem US-Amerikaner Paul Auster bislang ausschließlich in englischer Sprache und für einen Preis von 11,95 Euro erhältlich.

© Das Buch „Here and Now“ ist in diesem Jahr beim in London ansässigen Verlag Faber & Faber erschienen. Im deutschen Handel ist der Briefwechsel zwischen dem Südafrikaner John Maxwell Coetzee und dem US-Amerikaner Paul Auster bislang ausschließlich in englischer Sprache und für einen Preis von 11,95 Euro erhältlich.

Sein 2000 erschienenes und zugleich erfolgreichstes Buch „Schande“, das im Übrigen verfilmt wurde, greift den äußerst schwierigen Versöhnungsprozess in seiner Heimat auf. Die Rassenkonflikte seien im neuen Südafrika noch nicht vorüber. Diese Komplexität fand auch im Briefwechsel mit Auster ihren Einklang, indem er Fragen nach der eigenen Identität aufwirft. Wie unterscheidet sich das südafrikanische Englisch von dem in Großbritannien, in den USA oder in Australien. Auch könne England für sich nicht mehr das alleinige Recht beanspruchen, die englische Sprache gehöre ihr. Diese interessante Herangehensweise findet eine analoge Anwendung auf Südafrika. Das dazugehörige Buch „Here and Now“ ist auch im deutschen Handel erhältlich.

J. M. Coetzee und Paul Auster lasen am New York State Writers Institute vor

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