Hells Angels Südafrikas im Visier des FBI

Exklusiv: Johannesburger Rocker am US-Drogenhandel beteiligt. Ein geschasster Höllenengel packte aus

(2010sdafrika-Redaktion)

Um die Jahrhundertwende herum ereignete sich ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Hells Angels. Johannesburger Rocker waren am internationalen Drogenhandel unter der Federführung US-amerikanischer „Brüder“ umfangreich beteiligt. Ihr Einfluss war so groß, dass die zuständige Arizona Police die US-Bundespolizei FBI einschalten musste. Gesucht wurden zwei Südafrikaner, die Drogen vom Kap aus in die USA exportierten. Mittlerweile wird der US-Drogenhandel von Mexiko und Lateinamerika aus abgewickelt. Und die Johannesburger Rocker sind längst nicht mehr im US-Drogengeschäft involviert. Einer wurde bereits erschossen.

© Die Redaktion von "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" ist auf das amerikanisch-südafrikanische Drogengeschäft und auf die inneren Strukturen der Hells Angels aufmerksam gemacht geworden. Die Johannesburger Rocker Michael Hall und Peter Conway nahmen bei den Höllenengeln in Südafrika eine Schlüsselrolle ein. Sogar die Zentrale der US-Bundespolizei FBI in Washington D.C. [im Bild] musste ermitteln, um den starken Einfluss der Hells Angels einzudämmen. (Quelle: FBI)

© Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ist auf das amerikanisch-südafrikanische Drogengeschäft und auf die inneren Strukturen der Hells Angels aufmerksam gemacht geworden. Die Johannesburger Rocker Michael Hall und Peter Conway nahmen bei den Höllenengeln in Südafrika eine Schlüsselrolle ein. Sogar die Zentrale der US-Bundespolizei FBI in Washington D.C. [im Bild] musste ermitteln, um den starken Einfluss der Hells Angels einzudämmen. (Quelle: FBI)

Südafrikanische Drogen für US-Konsumenten

Das am Kap produzierte Aufputschmittel „South African Brown“ war zum Ende der 1990er Jahre bei US-amerikanischen Drogenkonsumenten sehr gefragt. Diese lukrative Marktlücke schlossen US-Hells Angels, die im November 1999 einen Drogenring mit zwei einflussreichen südafrikanischen Rockern gründeten. Versteckt in Stoffspielzeugen, in Puppen, gelangten größere Mengen des Betäubungsmittels in die Vereinigten Staaten. Der westliche US-Bundesstaat Arizona wurde als Zielort ausgewählt. Von dort aus verteilten die US-Höllenengel die Ware in sämtliche Winkeln der USA. Hells Angels-Mitglieder aus den Bundesstaaten New Mexico und Massachusetts beteiligten sich am Drogenhandel.

Michael Hall, Hells Angels-Präsident Südafrikas

Der Johannesburger Rocker Michael Hall – in Rockerkreisen auch unter dem biblischen Kosenamen „Jethro“ bekannt [Anmerkung der Redaktion: Jethro lautet der Name des Schwiegervaters des Propheten Moses] – war Präsident des Nomads-Charters und gleichzeitig auch der Chef der Hells Angels Südafrikas. Sein Freund Peter Conway war Vizepräsident. Beide Hells Angels steuerten die Klubgeschäfte. Ihr Fokus lag, anders als heute, auf die Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern. Sie sollen die Idee gehabt haben, die kontinentübergreifende Kommunikation mit Codes zu verschlüsseln. Innerhalb Südafrikas integrierten Hall und Conway mehrere vorbestrafte Türsteher in ihre Organisation, die für die „dreckigen Dinge“ eingesetzt wurden. Interna sickerten selten heraus und die Geschäfte blieben für Außenstehende meist unsichtbar.

Arizona Police bat das FBI um Amtshilfe

© Louis J. Freeh leitete von 1993 bis 2001 die US-Bundespolizei FBI. In seiner Zeit liefen die umfangreichsten Ermittlungen dieser Behörde gegen südafrikanische Hells Angels. Infolge der Drogenlieferungen von Südafrika in die USA ist die Bundespolizei durch die Arizona Police um Amtshilfe gebeten worden. Das FBI stand ebenfalls im engen Austausch mit der südafrikanischen Polizeibehörde SAPS. (Quelle: FBI)

© Louis J. Freeh leitete von 1993 bis 2001 die US-Bundespolizei FBI. In seiner Zeit liefen die umfangreichsten Ermittlungen dieser Behörde gegen südafrikanische Hells Angels. Infolge der Drogenlieferungen von Südafrika in die USA ist die Bundespolizei durch die Arizona Police um Amtshilfe gebeten worden. Das FBI stand ebenfalls im engen Austausch mit der südafrikanischen Polizeibehörde SAPS. (Quelle: FBI)

Die Polizei des Staates Arizona war mit dem Ausmaß des amerikanisch-südafrikanischen Drogenrings komplett überfordert. Dementsprechend ist die Bundespolizei FBI um Amtshilfe gebeten worden. Die Staatsanwaltschaft in Phoenix, der Hauptstadt Arizonas, ermittelte gegen mehrere US-Rocker, allen voran gegen Greg Surdukan. Die FBI-Zentrale in Washington D.C. veranlasste das Abhören von Telefonaten und die Observation mehrerer Tatverdächtiger. Der damalige FBI-Direktor Louis J. Freeh ist regelmäßig über die Aktivitäten der amerikanischen und südafrikanischen Rocker informiert worden. Im Jahr 2002 konnte Surdukan dann mittels umfangreicher Ermittlungen zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt werden. Doch an die beiden Südafrikaner kamen die Ermittler des FBI nicht ohne Weiteres heran.

Illegaler Geldtransport ans Kap mittels Passagierflugzeuge

Während Hall für die Logistik zuständig war, kümmerte sich Conway um die Finanzabwicklungen. Die US-Polizei war sich sicher, dass Conway das Geld als Flugpassagier aus den USA nach Südafrika schmuggelte. Mehrere abgehörte Telefongespräche bestätigten diese Herangehensweise. So rief Surdukan seinen Johannesburger Partner Hall am 12. Februar 2001 an, die miteinander vereinbarten, dass „Pete“ [Anmerkung der Redaktion: Gemeint ist Peter Conway] allein am 1. März 2001 rund 140.000 US-Dollar über den internationalen Flughafen Londons ans Kap zu bringen habe.

Südafrikas Hells Angels-Präsident Jethro“ erschossen

© Michael Hall, auch genannt "Jethro", war Präsident des Hells Angels Nomads-Chapters in Johannesburg und darüberhinaus Chef der Hells Angels Südafrikas. Er organisierte den Drogenschmuggel von Südafrika in die Vereinigten Staaten von Amerika. Am 9. Mai 2002 ist der Johannesburger, so heißt es aus Rockerkreisen, in seinem Haus von Einbrechern erschossen worden. (Quelle: Privat)

© Michael Hall, auch genannt „Jethro“, war Präsident des Hells Angels Nomads-Charters in Johannesburg und darüberhinaus Chef der Hells Angels Südafrikas. Er organisierte den Drogenschmuggel von Südafrika in die Vereinigten Staaten von Amerika. Am 9. Mai 2002 ist der Johannesburger, so heißt es aus Rockerkreisen, in seinem Haus von Einbrechern erschossen worden. (Quelle: Privat)

Aus Rockerkreisen konnte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ in Erfahrung bringen, dass Michael Hall am 9. Mai 2002 während eines Einbruchs in seinem Johannesburger Haus von unbekannten Personen erschossen wurde. Die genauen Hintergründe, ob der Einbruch gezielt Hall galt und inwieweit es zu einer Kampfsituation kam, bleiben unklar. Nach dem Ableben Halls rückte Conway in die Führungsspitze der südafrikanischen Rocker auf, ist jedoch nach internen Querelen aus dem Motorradklub ausgeschlossen worden. Das FBI, die südafrikanische Polizei und die Staatsanwaltschaft beobachteten diese Machtkonflikte über Jahre hinweg, um auf den richtigen Moment zu warten.

Belastende Aussagen des Rockers Peter Conway

Nachdem Conway durch seine eigenen „Brüder“ verstoßen wurde, ist er zuletzt im Juni 2007 in seinem Haus in der Kleinstadt Meyerton – südlich von Johannesburg gelegen – durch Polizeikräfte festgenommen worden. Das zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität zuständige „Directorate for Priority Crime Investigation“ der Polizeibehörde SAPS begann bereits im Jahr 2005 mit den Ermittlungen gegen den geschassten Chef des Nomads-Charters, heißt es aus Pressekreisen. Dennoch hielten sich die Behörden am Kap nach wie vor aus taktischen Gründen zwei weitere Jahre lang zurück.

Als eines Tages dann genug Beweise zu einem begangenen Ecstasy-Handel innerhalb Südafrikas zusammengetragen wurde, kam es zur Verurteilung Conways. Allerdings soll Conway nach internen Informationen lediglich eine Bewährungsstrafe erhalten haben. Hintergrund für diese milde Strafe soll ein Geheimdeal mit den Strafverfolgungsbehörden sein, bei welchem der ehemalige Höllenengel bedeutende Interna über die Hells Angels in Südafrika verriet. Der Ausgestoßene belastete mehrere Rocker und die Hells Angels verloren deutlich an Macht. Heute soll Conway als Unternehmer im Securitybereich in der Gauteng-Provinz sein Geld verdienen und in die Gesellschaft resozialisiert sein. 

Erfolgreicher Schlag gegen Hells Angels Südafrikas

Mehrere bis heute nachwirkende Gegenmaßnahmen des südafrikanischen Staates sind gegen die Höllenengel durch die Aussagen Conways ermöglicht worden: Die südafrikanische Polizei verhaftete die beiden Johannesburger Hells Angels-Mitglieder und gleichzeitigen Türsteher Mike Schultz und Nigel McGurk wegen der Ausführung eines Auftragsmordes. Zusätzlich hat die Polizei – wie aus seriöser Quelle erfahren – im April 2007 ein konspiratives Drogenlabor der Rocker im Johannesburger Nobelbezirk Northcliff aufgespürt und vernichtet. Im Rahmen weiterer Ermittlungen sind allein im Jahr 2007 weitere 14 Höllenengel wegen verschiedener Delikte zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Südafrika hat sich nach Recherchen der Redaktion von “SÜDAFRIKA – Land der Kontraste” längst zum sicheren Betätigungsfeld und beliebtem Fluchtziel internationaler und deutscher Hells Angels-Mitglieder entwickelt. Zuletzt ist die Geschichte von Thomas Möller, dem ehemaligen Hells Angels-Präsidenten Schwedens, erstmals in der deutschsprachigen Presselandschaft aufgegriffen worden. Vor allem der Einfluss deutscher Rocker am Kap steht im Mittelpunkt der eigenen Berichterstattung.

2 Antworten zu “Hells Angels Südafrikas im Visier des FBI

  1. Pingback: „Die Hells Angels in Kapstadt sind brave Typen“ | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Pingback: Militärs und Hells Angels in Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s