Schrei vor Unglück?

E-Commerce-Konzepte Zalando und Zando in der Existenzkrise. Investor „Rocket Internet“ gerät unter Druck

(Autor: Ghassan Abid)

Zalando ist in Deutschland als schriller E-Commerce-Anbieter im Bereich Textilien bekannt. Der 2008 gegründete Online-Händler zählt zu den führenden Modeversandhäusern. Mit einem Umsatz von 1,15 Milliarden Euro in 2012 erweist sich Zalando als interessantes Investitionsobjekt. Allerdings verbucht das Berliner Start-Up-Unternehmen auch nach 5-jährigem Bestehen weiterhin Verluste in Millionenhöhe; allein für das Jahr 2012 einen Verlust von knapp 80 Millionen Euro. Beim südafrikanischen Ableger Zando ist die Lage deutlich angespannter, heißt es aus interner Quelle vom Firmensitz in Kapstadt.

© Zalando und Zando sind beides E-Commerce-Unternehmenskonzepte aus dem Hause des Berliner Investors "Rocket Internet". Beide Unternehmen haben erhebliche Schwierigkeiten, sich auf Dauer zu halten. Der südafrikanische Schuhversandhändler Zando steckt in einer tiefen Krise, heißt es aus interner Quelle. Das deutsch-österreichische Zando-Managementduo Manuel Koser und Peter Allerstorfer musste bereits gehen. (Quelle: Pressebild Zando)

© Zalando und Zando sind beides E-Commerce-Unternehmenskonzepte aus dem Hause des Berliner Investors „Rocket Internet“. Beide Unternehmen haben erhebliche Schwierigkeiten, sich auf Dauer zu halten. Der südafrikanische Schuhversandhändler Zando steckt in einer tiefen Krise, heißt es aus interner Quelle. Das deutsch-österreichische Zando-Managementduo Manuel Koser und Peter Allerstorfer musste bereits gehen. (Quelle: Pressebild Zando)

Der Investor „Rocket Internet“ in der Johannisstraße in Berlin-Mitte war der ursprüngliche Entscheider, wenn es um die Belange von Zalando ging. Die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander gründeten „Rocket Internet“, das den E-Commerce-Anbieter Zalando finanzierte. Allerdings hat sich der Investor im August 2013 mit dem Verkauf seiner Anteile komplett aus Zalando zurückgezogen. Vielmehr üben die Samwer-Brüder über einzelne Gesellschaften noch Einfluss aus, wenn auch einen deutlich geringeren als bisher.

Zalando als Seifenblase?

Unter vorgehaltener Hand sagen nicht wenige Branchenkenner, dass Zalando als Unternehmenskonzept wie eine immer größer werdende Seifenblase zu platzen drohe. Wiederholt mussten ausländische Investoren mit ins Boot geholt werden, die frisches Kapital anlegten. Allein in diesem Jahr stiegen der kanadische Fonds OTPP, der dänische Konzern Bestseller A/S und die schwedische Risikokapital-Beteiligungsgesellschaft Kinnevik beim Berliner Start-Up ein. Größtes Problem ist, dass jede zweite Zalando-Paketsendung vom Kunden zu Lasten des Unternehmens zurückgeschickt wird.

Zando in der Krise

Ähnlich kritisch sieht es bei Zando aus, dem südafrikanischen Ableger von „Rocket Internet“. Das südafrikanische Zalando-Gegenstück beschäftigt rund 200 Mitarbeiter in Kapstadt, die den Versand von Schuhen abwickeln. Geleitet wurde das Unternehmen vom deutsch-österreichischen Duo Manuel Koser und Peter Allerstorfer. Aus interner Quelle aus dem Firmensitz Zandos heißt es, dass Streitigkeiten, finanzielle Einbußen und fehlendes Vertrauen die künftige Entwicklung des Kapstädter Start-Ups gefährden.

Zando-Rücktritt von Manuel Koser

Der Zando-Co-Gründer Manuel Koser soll infolge der unerreichten Zielsetzungen das Unternehmen auf eigenen Wunsch im März 2013 verlassen haben. Tatsächlich, so heißt es intern, ist Koser zum Rücktritt gezwungen worden. Er wollte mehrere Entscheidungen von „Rocket Internet“ nicht mittragen, wie die „übereilte Expansion“. Koser soll gesagt haben, dass er bislang keine Möglichkeit erkenne, Zando weiter auszubauen. Die Umsatzzahlen würden diesem Vorhaben widersprechen.

Zweiter Rücktritt aus Zando-Management

Dann im Juni 2013 ein weiterer Rücktritt in der Geschäftsführung. Der Österreicher Peter Allerstorfer hat nach rund anderthalb Jahren freiwillig seinen Rücktritt erklärt. Die Streitigkeiten zwischen der Zando-Führung in Kapstadt und dem Investor „Rocket Internet“ in Berlin nahmen Ausmaße an, die kein Vertrauensverhältnis mehr begründen konnten. Intern heißt es, dass die Berliner „ohne Rücksicht“ bestimmte Management-Entscheidungen durchdrücken wollten. Allerstorfer registrierte seine fehlende Mitsprache und resignierte letztendlich. Ebenso soll der für Südafrika zuständige Rocket Internet-Mitarbeiter mittlerweile entlassen worden sein.

Südafrikanische Konsumenten meiden E-Commerce

Finanziell habe Zando ähnlich wie Zalando erhebliche finanzielle Schwierigkeiten zu bestehen, so die Quelle weiter. Während bei Zalando genug bestellt, aber nicht gekauft wird, kämpft Zando mit dem Problem, dass grundsätzlich zu wenig bestellt wird. Die meisten südafrikanischen Konsumenten seien mit dem E-Commerce-Konzept nicht allzu vertraut. Viele Südafrikaner bevorzugen weiterhin den Gang ins Schuhgeschäft, obwohl auch ihnen die kostenlose Warenrücksendung zugesichert wird. Dementsprechend musste auch am Kap ein neuer Investor aus den USA mit ins Boot geholt werden.

E-Commerce stößt an seine Grenzen

Ob Zalando in Deutschland oder Zando in Südafrika auf Dauer bestehen bleiben, wird die Zeit zeigen. Fakt ist, dass die Liquidität beider Unternehmen gefährdet ist, sobald die Investoren aussteigen und kein frisches Kapital mehr zur Verfügung gestellt wird. Das Image von „Rocket Internet“ ist längst vom Vorwurf behaftet, interessante Webprojekte wie Immobilienscout24 einfach zu kopieren. Sollten die E-Commerce-Konzepte Zalando und Zando sich gewinnbringend realisieren, so wird die Internetbranche entsprechende Impulse verspüren.

Eine Antwort zu “Schrei vor Unglück?

  1. Ernesto guillero

    Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld, wer hat soviel Pinke Pinke, wer hat das bestellt? Zalando ist 100%heisse Luft, 70% der gerühmten Umsätze finden wegen ertönten gar nicht statt, dafür sind a180% kosten realistisch gerade wegen der ertönten. Dann wird im Anschluss noch der Markt versaut weil die retournierte Ware ja auch irgendwomverklappt werden muss. Strategie? Irgend ein Jeck ist immer billiger, die „Kundin“ laeft doch mit wehenden Fahnen in die arme des nächsten schreihases, der ihr den kostenlosen Rückversand verspricht. Gute Nacht zalando! Oder zando.

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