Das Lügenmärchen vom “White Genocide”

Weiße Südafrikaner werden angeblich gezielt ermordet, beruflich benachteiligt und sozial verdrängt

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Mit der Terminologie „White Genocide“ fühlen sich nicht wenige Südafrikaner weißer Hautfarbe verbunden. Die aus Schwarzen bestehende Mehrheitsgesellschaft würde die weiße Minderheit in der Regenbogennation gezielt ermorden, beruflich benachteiligen und sozial verdrängen. In etlichen Foren, bei Stammtischrunden oder auf Veranstaltungen wird – entweder direkt oder indirekt – auf die scheinbare unterlegene Situation der Weißen hingewiesen. Auch die heute marschierte „Red October-Bewegung“ spricht von der gezielten Auslöschung der Buren. Unterstützt wird sie von mehreren Promis. Doch der nachgesagten Diskriminierung widersprechen die offiziellen Statistiken – und der logische Menschenverstand.

© Weiße Südafrikaner werden von der schwarzen Mehrheitsgesellschaft gezielt attackiert, so die Haupthese der “White Genocide”-Anhänger. Gezielte Ermordung, berufliche Benachteiligung und soziale Verdrängung der Weißen seien zu beobachten. Doch die Realität widerlegt diesen Vorwurf, der auf rassentheoretische Ansätze angelehnt ist. (Quelle: flickr/ Scott Chacon)

© Weiße Südafrikaner werden von der schwarzen Mehrheitsgesellschaft zielgerichtet attackiert, so die Haupthese der “White Genocide”-Anhänger. Gezielte Ermordung, berufliche Benachteiligung und soziale Verdrängung der Weißen seien zu beobachten. Doch die Realität widerlegt diesen Vorwurf, der auf rassentheoretische Ansätze angelehnt ist. (Quelle: flickr/ Scott Chacon)

Gemäß den “South African Statistics 2012”, dem Statistischen Jahrbuch der Regierung, lebten 50.586.757 Millionen Menschen im Beobachtungszeitraum 2011 am Kap. Die Bevölkerung setzte sich aus 40,2 Millionen Schwarzen (79,5 Prozent), 4,5 Millionen Coloureds (9 Prozent), 4,56 Millionen Weißen (9 Prozent) und 1,27 Millionen Indern/ Asiaten (2,5 Prozent) zusammen. Soweit so gut. Doch inwieweit stimmen die gebräuchlichen Thesen der gezielten Ermordung, der beruflichen Benachteiligung und der sozialen Verdrängung von Weißen mit der Realität tatsächlich überein?

These 1: Weiße werden gezielt ermordet
Die gezielte Ermordung von hellhäutigen Südafrikanern ergibt sich im Zusammenhang mit den sogenannten Farmermorden. In der öffentlichen Diskussion kursiert die Zahl von 3.000 ermordeten Farmern burischer Zugehörigkeit. Der Mord des rechtsextremistischen AWB-Führers Eugène Terre’Blanche stelle die bekannteste Tat dieser „Ermordungswelle“ dar.

Allerdings werden in Südafrika weder von den Strafverfolgungsbehörden noch vom Statistikamt Zahlen über Mordopfer nach ethnischer Zugehörigkeit erhoben. Dafür ist bekannt, dass statistisch betrachtet jeden Tag rund 50 Menschen am Kap ermordet werden. Die Medien berichten bei ihrer täglichen Berichterstattung zu Mordereignissen meist mit räumlichen Fokus auf die Townships und zu schwarzen Opfern. Afrikaanssprachige Medien decken hingegen verstärkt weiße Mordopfer-Fälle ab, sodass dieser Presse eine Verzerrung der Wirklichkeit nachgesagt wird.

Die Journalistin Jani Allan zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die der Regierung eine Genozid-Kampagne gegen Weiße unterstellt und mittlerweile in die USA ausgewandert ist. Andere Stimmen sprechen von einer fortwährenden Emigration weißer Südafrikaner ins Ausland. Auch der Schlagerstar Steve Hofmeyr gilt zu den populärsten Genozid-Vertretern, der sich für den „Schutz der eigenen Bevölkerung“ einsetzt.

Schlagerstar Steve Hofmeyr zum Genozid an den Buren

Nach Erhebungen des renommierten „South African Institute of Race Relations (SAIRR)“ wanderten im Zeitraum 1995 bis 2005 rund 841.000 Weiße aus. Nach den offiziellen Statistikzahlen, etwa die des Statistischen Jahrbuches 2012, ist allerdings keineswegs eine überproportionale Emigration festzustellen – ganz im Gegenteil. Der Anteil der Weißen liegt seit über einem Jahrzehnt nach dem Ende der Apartheid auf einem konstanten Level. Lebten 1996 noch 4,4 Millionen, waren es 2005 rund 4,6 Millionen und 2011 um die 4,5 Millionen Weiße am Kap.

These 2: Weiße werden beruflich benachteiligt
Laut dem Statistischen Jahrbuch werden in erster Linie schwarze Südafrikaner – sei es in absoluten oder prozentualen Zahlen – auf dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt. Fehlende Qualifikationen und unzureichende Fähigkeiten werden als Ursachen aufgeführt. Die Ausgrenzung in der Apartheidsära entfalte diese generationsübergreifende Nachwirkung. Während die offizielle Arbeitslosenrate in Südafrika mit 25 Prozent beziffert wird, liegt diese bei den Schwarzen mit 29 Prozent deutlich über dem nationalen Trend. An zweiter Stelle sind 24 Prozent aller Coloureds arbeitslos, gefolgt von den Indern/ Asiaten mit 9 Prozent. Lediglich 6 Prozent aller weißen Südafrikaner gehen keiner Erwerbstätigkeit nach. In absoluten Zahlen stehen 128.000 Weiße den rund 3,8 Millionen Schwarzen ohne Arbeit gegenüber. Außerdem wird von keinem am Kap bestritten, dass die Wirtschaft hauptsächlich in weißer Hand liegt. Ein Blick auf die Forbes-Liste der reichsten Südafrikaner verdeutlicht diesen Status quo.

Der von der Regierung verfolgte „Black Economic Empowerment Act (BEE)“ zielt als gleichstellungspolitische Maßnahme auf eine bessere Durchmischung der Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 5 Millionen Rand im Jahr und somit auf die Bekämpfung der historischen Benachteiligung der Nicht-Weißen ab. Dennoch haftet bis heute ein negativer Beigeschmack am BEE, wonach nicht mehr nach Qualifikation eingestellt werden würde, sondern bloß nach Hautfarbe. Dementsprechend setzte die Zuma-Regierung das „Black Economic Empowerment Council“ ein, um die Effekte dieser gleichstellungspolitischen Maßnahme umfassend zu untersuchen.

These 3: Weiße werden sozial verdrängt
Die soziale Ausgrenzung von bestimmten Bevölkerungsgruppen – in der Soziologie beschrieben als Segregation – erhielt mit der Apartheid ihren offiziellen Einzug in Südafrika. Die Nachwirkungen der einstigen Rassentrennungspolitik sind bisweilen landesweit zu spüren.

Laut dem Statistischen Jahrbuch 2012 lebten im Jahr 2011 rund 1,7 Millionen Weiße in der Provinz Gauteng, 832.000 Angehörige am Westkap und nur 102.000 Personen am Nordkap. In prozentualen Zahlen bedeutet dies, dass die Weißen rund 18,9 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Provinz Gauteng ausmachen, am Westkap 18,4 Prozent und in der nördlichsten Provinz Limpopo nur 2,7 Prozent. Allerdings ist eine gezielte Ausgrenzung der Weißen nicht festzustellen, zumal das Freizügigkeitsprinzip auch am Kap existent ist. Vielmehr leben immer noch zu viele Schwarze und Coloureds in den Townships, während der Großteil der weißen Minderheit in den Vororten, Innenstädten oder abgeriegelten Wohnanlagen beheimatet ist. 

Fazit

Da Thesen grundsätzlich auf komplexe Sachverhalte basieren und stets für sich die Wahrheit proklamieren, mögen die aufgeführten Fakten zur Falsifizierung der aufgeführten Behauptungen zum „White Genocide“ herangezogen werden. Problematisch werden solche Thesen dann, wenn ein Täter-Opfer-Konstrukt entwickelt wird, das auf rassentheoretische – wenngleich rassistisch-ideologische Annahmen – gestützt ist. Sicher ist, dass das innergesellschaftliche Klima infolge der innenpolitischen Lage am Kap kühler geworden ist. Berührungsängste bestehen nach wie vor. Nicht ohne Grund entdecken deutsche Rechtsextremisten die junge Republik im südlichen Afrika als beliebtes Agitationsgebiet.

7 Antworten zu “Das Lügenmärchen vom “White Genocide”

  1. 3000 Tote weiße alles nur Farmer ist die gesamte Zahl der ermordeten weißen nicht um ein vielfaches höher – ich weiß wirklich nicht ob das stimmt – ich habe gelesen circa 70.000 weiße ermordet seit 1994 –
    Was ist mit den sogenannten white squatter camps –

    Stellt sich für mich die realistische Frage – ist der Spieß nach dem Ende der Apartheid rumgedreht wurden.

    Statistiken hin Statistiken her

  2. Pingback: Weiße Südafrikaner wollen Flüchtlingsschutz | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  3. Pingback: „Das ist skandalös.“ | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  4. schön zu sehen, was für kritische und gebildete Leser Du zu haben scheinst. Aber wie sind folgende Videos und Fakten erklärbar, wenn es keinen weißen Genozid, keinen Rassismus gegen Weiße in Südafrika gibt?

    http://de.metapedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Elendssiedlungen_in_S%C3%BCdafrika

    selbst Amnesty International, die nicht gerade für politische Unkorrektheit bekannt sind, geben folgendes über Südafrika kund:

    „Menschenrechtsverletzungen wie exzessive Gewaltanwendung der Polizei gegen Protestierende, mutmaßliche außergerichtliche Hinrichtungen und Folter gaben Anlass zur Besorgnis. Die staatlichen Behörden ergriffen einige Schritte zur Rechenschaftslegung. Die Diskriminierung und gezielte Gewalt gegen Asylsuchende und Flüchtlinge und die Barrieren beim Zugang zum Asylverfahren nahmen zu. Es wurden nur schleppend Fortschritte beim Vorgehen gegen systematische Hassverbrechen an Menschen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität verzeichnet. Der Zugang zu Behandlung und Pflege von Menschen mit HIV wurde zwar weiter ausgebaut, doch Infektionen im Zusammenhang mit einer HIV-Infizierung waren immer noch die Hauptursache der Müttersterblichkeit. Menschenrechtsverteidiger waren nach wie vor von Schikanierung und Gewalttaten bedroht. (Stand: 31.12.2012)“

    https://www.amnesty.de/laenderbericht/suedafrika

    Der Kommentar ist gekürzt worden. Die Redaktion

  5. Das passt zur Familie Pistorius.

  6. Pingback: Henke Pistorius im Rassismuswahn | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  7. Ghassan, Danke für diesen Beitrag!

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