Besänftigungsversuch der Automobilbauer

Handelsminister Rob Davies will nach BMW-Investitionsstopp den Branchen-Dominoeffekt verhindern

(2010sdafrika-Redaktion)

Als Dominoeffekt bezeichnet man eine Abfolge von Ereignissen, von denen jedes einzelne zugleich Ursache des folgenden ist und die alle auf ein einzelnes Anfangsereignis zurückgehen – heißt es auf Wikipedia. Genau diese Abfolge wird vom südafrikanischen Handelsministerium DTI befürchtet, nachdem BMW einen geplanten Ausbau seines Rosslyn-Werkes vorerst auf Eis gelegt hat. Rob Davies ist zurzeit bemüht, dass weitere Automobilbauer wie Renault oder Nissan dem Vorbild des Münchener Unternehmens nicht folgen und keine Konsequenzen aus dem Streik ziehen.

© Südafrikas Handelsminister Rob Davies versucht nach dem Investitionsstopp des Münchener Automobilbauers BMW einen branchenübergreifenden Dominoeffekt zu verhindern. Aus dem Automobilsektor sind wiederholt Stimmen zu hören, die infolge der wochenlangen Streiks ein Abwandern von Produktionsstätten nach Nigeria androhen. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

© Südafrikas Handelsminister Rob Davies versucht nach dem Investitionsstopp des Münchener Automobilbauers BMW einen branchenübergreifenden Dominoeffekt zu verhindern. Aus dem Automobilsektor sind wiederholt Stimmen zu hören, die infolge der wochenlangen Streiks ein Abwandern von Produktionsstätten nach Nigeria androhen. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

Johan van Zyl, Präsident der Automobilbranchenverbandes NAAMSA, vertritt die Interessen der großen Sieben. Darunter fallen die Konzerne BMW, Ford, General Motors, Mercedes Benz, Nissan, Toyota und Volkswagen. Er warnte beim Eintritt in der dritten Streikwoche vor den volkswirtschaftlichen Folgen Südafrikas: „The industrial action is about to enter the third week and will have major adverse consequences for South Africa“. Der promovierte Wirtschaftslobbyist weiß, wie viel Bedeutung der Automobilsektor für die Regierung einnimmt: Arbeitsplätze, Steuern und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Nächste Woche kommen auf der Messeveranstaltung „Johannesburg Motor Show“ sämtliche Vertreter der Automobilindustrie zusammen, um auch die aktuelle Streikwelle zu thematisieren und die Regierung stärker in die Verantwortung zu nehmen. Allerdings gilt am Kap, genauso wie in Deutschland, die Tarifhoheit zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden. Das Einmischen der Politik in laufende Wirtschaftsverhandlungen ist nicht vorgesehen und grundsätzlich unerwünscht.

Dementsprechend wird sich Handelsminister Rob Davies nicht allzu in der Automobilbranche engagieren und gegen die Gewerkschaft NUMSA keine klare Stellung beziehen. Vielmehr versucht er, wie es bisher der Fall ist, als Streitschlichter zu fungieren und zwischen den Parteien zu vermitteln. Dass BMW ein neues Modell nicht wie geplant im Rosslyn-Werk produzieren wird, verdeutlicht das Ende der Geduld der Industrie.

Davies ist sich der Gefahr der Arbeitgeberunzufriedenheit bewusst. Mit jedem weiteren Streiktag muss Südafrika damit rechnen, an internationalem Ansehen eines (noch) beliebten Schwellenlandes zu verlieren. NUMSA-Präsident Cedric Sabelo Gina hat seine anfängliche Interview-Zusage an die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ohne Angabe von Gründen zurückgezogen.

2 Antworten zu “Besänftigungsversuch der Automobilbauer

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