Interview mit Kirchenrechtler Thomas Schüller

„Ihre Erkenntnisse zum Südafrika-Aufenthalt von Tebartz-van Elst sorgten für Aufsehen“

(Autor: Ghassan Abid)

© Thomas Schüller ist Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster und kennt den Limburger Bischof Tebartz-van Elst persönlich. Die eigenen redaktionellen Erkenntnisse zum Südafrika-Aufenthalt des Bischofs schockierten den ehemaligen persönlichen Referenten des Limburger Bischofs Franz Kamphaus. (Quelle: Universität Münster)

© Thomas Schüller ist Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster und kennt den Limburger Bischof Tebartz-van Elst persönlich. Die eigenen redaktionellen Erkenntnisse zum Südafrika-Aufenthalt des Bischofs schockierten den ehemaligen persönlichen Referenten des Limburger Bischofs Franz Kamphaus. (Quelle: Universität Münster)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster und ehemaliger persönlicher Referent des ehemaligen Limburger Bischofs Franz Kamphaus. Haben Sie zuallererst vielen Dank für das Interview! Inwieweit haben Sie den aktuellen Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst persönlich kennengelernt?

Antwort: Von 2008 bis Anfang 2009 habe ich Bischof Tebartz-van Elst als Leiter der Abteilung Kirchliches Recht im Bischöflichen Ordinariat Limburg kennengelernt.

2010sdafrika-Redaktion: Die aktuelle Debatte um den besagten Bischof wird von einigen Kirchenvertretern als „Hetzkampagne“ bezeichnet. Wie bewerten Sie die öffentliche Diskussion um die Geschehnisse im Bistum?

Antwort: Die öffentliche Diskussion schadet dem Ansehen des Bistums Limburg. Diejenigen, die von Hetzkampagne sprechen, wollen davon ablenken, dass es um die konfliktbeladene Amtsführung von Bischof Tebartz-van Elst geht.

2010sdafrika-Redaktion: Die Missachtung vermögensrechtlicher Bestimmungen im Zusammenhang mit der überteuerten Bischofsresidenz in Höhe von 31 Millionen Euro steht zurzeit im Mittelpunkt der Berichterstattung. War eine solche Misswirtschaft im Bistum nach Ihren Erfahrungen als persönlicher Referent des Bischofs Kamphaus zu erwarten? 

Antwort: Das Bistum Limburg war stets für seine solide und zurückhaltende Finanzverwaltung bekannt. Insbesondere die durch Bischof Kamphaus initiierte Bereitstellung von Kirchensteuermitteln für kirchliche Projekte in den jungen Kirchen in Afrika und Asien war Ausdruck der solidarischen Verbundenheit mit den Katholiken in aller Welt. Von daher sind wir im Bistum bestürzt, wie in den letzten Jahren mit den Finanzmitteln des Bistums und des Bischöflichen Stuhls umgegangen wurde. Dabei wurden offensichtlich strenge Regeln des kirchlichen Vermögensrechtes nicht beachtet.

2010sdafrika-Redaktion: Am 15. Oktober 2013 veröffentliche die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ einen Exklusiv-Artikel zum charakterlichen Fehlverhalten des Tebartz-van Elsts in Südafrika, der im Rahmen einer Delegationsreise der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ans Kap angereist war. Inwieweit waren Ihnen diese Erkenntnisse bekannt?

Antwort: Diese Erkenntnisse waren in Deutschland bisher nicht bekannt. Von daher haben sie für Aufsehen gesorgt.

2010sdafrika-Redaktion: Unsere beiden kirchlichen Informationsquellen in Südafrika informierten die Redaktion, dass sich Tebartz-van Elst vor den in Armut lebenden Schwarzen „geekelt“ haben soll. Entspricht dieses „ausgeprägte Hygiene-Verhalten“ – um es diplomatisch auszudrücken – Ihren persönlichen Erlebnissen mit dem Bischof?

Antwort: Ich kann nicht von solchen Erfahrungen im Umgang mit Bischof Tebartz-van Elst berichten.

2010sdafrika-Redaktion: Wie lässt sich der Mensch Tebartz-van Elst charakterisieren?

Antwort: Bischof Tebartz-van Elst wirkt in der persönlichen Begegnung freundlich und zugewandt. Er ist sicher ein frommer Priester, stark geprägt durch die marianische Frömmigkeit seiner niederrheinischen Heimat.

2010sdafrika-Redaktion: Inwieweit werden nach einer solchen Delegationsreise Protokolle, Niederschriften oder ähnliche Dokumente erstellt und wo werden diese aufbewahrt?

Antwort: Da es um die Reise einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz geht, wird diese Reise durch Mitarbeiter des Sekretariates der Deutschen Bischofskonferenz dokumentiert.

© Der verschwenderische Umgang mit den Finanzmitteln des Bistums und des Bischöflichen Stuhls durch Bischof Tebartz-van Elst haben der katholischen Kirche in Deutschland einen enormen Imageschaden bereitet, hält Professor Schüller fest. Außerdem beschreibt der Kirchenrechtler den Menschen Tebartz-van Elst als "freundlich und zugewandt" sowie als einen "frommen Priester". (Quelle: Bistum Limburg)

© Der verschwenderische Umgang mit den Finanzmitteln des Bistums und des Bischöflichen Stuhls durch Bischof Tebartz-van Elst haben der katholischen Kirche in Deutschland einen enormen Imageschaden bereitet, hält Professor Schüller fest. Außerdem beschreibt der Kirchenrechtler den Menschen Tebartz-van Elst als „freundlich und zugewandt“ sowie als einen „frommen Priester“. (Quelle: Bistum Limburg)

2010sdafrika-Redaktion: Werden negative Geschehnisse, etwa die des nachgesagten Fehlverhaltens des Limburger Bischofs in Südafrika, innerhalb der DBK überhaupt aufgearbeitet?

Antwort: Diese Frage müssen Sie dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch in Freiburg stellen.

2010sdafrika-Redaktion: Erwarten Sie, dass der Skandal um den Limburger Bischof das Ansehen der katholischen Kirche nachhaltig beschädigt hat?

Antwort: Der Imageschaden für die katholische Kirche in Deutschland ist bereits jetzt enorm. Er reicht an die Erfahrungen 2010 im Umgang mit der Missbrauchsdebatte heran. Die positiven Signale, die unser neuer Papst Franziskus aussendet, gehen angesichts eines solchen Skandals in der öffentlichen Diskussion unter.

2010sdafrika-Redaktion: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, die die katholische Kirche zu bewältigen hat?

Antwort: Die Kirche in Deutschland muss noch mehr lernen, an der Seite der Armen zu stehen und Geld nicht als Selbstzweck zu sehen. Dann sind wir inzwischen ein Missionsland geworden und brauchen geistliche Impulse zur Umkehr und Erneuerung aus der Weltkirche. Trotz aller Krisen sollte uns die frohe Botschaft des Evangeliums nicht mutlos sein lassen, sondern bestärken, die Botschaft von der befreienden Kraft des Evangeliums unerschrocken allen Menschen guten Willens zu sagen.

2010sdafrika-Redaktion: Thomas Schüller, Kirchenrechtler an der Universität Münster, vielen Dank für das Interview!

2 Antworten zu “Interview mit Kirchenrechtler Thomas Schüller

  1. Pingback: Clericus clericum non decimat | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

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