Film „Winnie Mandela“ zum Scheitern verurteilt

Eine südafrikanisch-kanadische Produktion, die von der Öffentlichkeit ausgeblendet wird

(2010sdafrika-Redaktion)

Während die Öffentlichkeit auf den einzigen von Nelson Mandela autorisierten Spielfilm „Mandela: Long Walk to Freedom“ sehnsüchtig wartet, wissen viele Filmfans bisweilen nicht, dass es auch einen Spielfilm zur langjährigen Ehefrau Madibas zu sehen gibt. Die Produktion „Winnie Mandela“ wird kaum beachtet, wenn nicht sogar boykottiert. Die Presse am Kap und teilweise ausländische Medien blenden den Film weitgehend aus. Die Gründe sind vielfältiger Natur.

© Der südafrikanisch-kanadische Spielfilm "Winnie Mandela" ist zum Scheitern verurteilt. Im gesamten Produktionsprozess liefen viele Dinge schief, sodass von einem Filmerfolg nicht mehr ausgegangen werden kann. (Quelle: RLJ Entertainment/ Image Entertainment)

© Der südafrikanisch-kanadische Spielfilm „Winnie Mandela“ ist zum Scheitern verurteilt. Im gesamten Produktionsprozess liefen viele Dinge schief, sodass von einem Filmerfolg nicht mehr ausgegangen werden kann. (Quelle: RLJ Entertainment/ Image Entertainment)

Winnie Madikizela-Mandela ist in den 30er-Jahren in der Ostkap-Provinz geboren worden. Als „Mutter der Nation“ an der Seite von Nelson Mandela zählt sie zu den bekanntesten Frauen des Landes. 1958 heiratete sie den charismatischen Anti-Apartheids-Aktivisten, der 1964 im Rahmen des Rivonia-Prozesses in Haft musste. Winnie unterstützte ihren Nelson und wurde zunehmend selber gegen das Apartheidsregime aktiv.

Ganze 38 Jahre lang war sie mit Madiba verheiratet. Aus ihrer Ehe sind die beiden Töchter Zenani und Zindziswa entsprungen. 1996 trat ihre Scheidung in Kraft. Seit 2004 sitzt Winnie als Volksvertreterin im südafrikanischen Parlament. Dann der Wendepunkt im Leben der ehrgeizigen Frau. 2003 wurde sie wegen Kreditbetruges und Diebstahl verurteilt. In ihrer einstigen Funktion als Vorsitzende der ANC-Frauenliga unterschrieb sie Darlehensverträge, die auf nicht existierende Parteimitglieder abgeschlossen wurden. Die fünfjährige Haftstrafe ist im Berufsverfahren ein Jahr später komplett in eine Bewährungsstrafe umgewandelt worden. Der Film „Winnie Mandela“ befasst sich mit dem Leben der ANC-Politikerin bis zum demokratischen Übergang.

Melodramatische Szenen verleihen der Produktion einen zeithistorischen Touch. Allerdings hört man vom Film so gut wie kaum etwas. Im Großen und Ganzen verlief der gesamte Produktionsprozess alles andere als erfolgreich. Eine Ausstrahlung in deutscher Sprache ist nach wie vor ungewiss. Fünf Aspekte dienen als Erklärungsversuche, warum „Winne Mandela“ zum Scheitern verurteilt ist.

Trailer zum Spielfilm „Winnie Mandela“ (in Englisch)

Schauspielbesetzung

Die südafrikanisch-kanadische Produktion sieht als Filmbesetzung weitgehend US-amerikanische Bürger vor. Winnie Mandela wird durch die Sängerin Jennifer Hudson gespielt, Nelson Mandela hingegen durch den in Chicago geborenen Darsteller Terrence Howard. Zudem übernehmen die Kanadier Wendy Crewson und Elias Koteas weitere entscheidende Rollen. Südafrikanische Schauspieler in bedeutender Position sind nicht zu finden. Lediglich Regisseur Darrell Roodt stammt aus Johannesburg. Außerdem ist drei Monate lang am Kap gedreht worden.

Patriarchat

Mit „Winnie Mandela“ wird die jüngste Geschichte Südafrikas aus dem Blickwinkel einer Frau beschrieben. Nelson Mandela gerät erstmals in den Hintergrund, indem seine Ehefrau die Aufmerksamkeit des Publikums erhält. Für die südafrikanische Mentalität, die patriarchalisch orientiert ist, mag dieser Standpunktwechsel durchaus befremdlich wirken. Ebenso erweist sich für westliche Zuschauer eine weibliche Betrachtungsweise zum Kampf gegen die Apartheid als gewöhnungsbedürftiges Novum.

Autorisierung

Winnie Mandela hat in der südafrikanischen Presse wiederholt kritisiert, dass sie zu keinem Zeitpunkt in die Vorbereitung oder in die Produktion des gleichnamigen Filmes eingebunden wurde. Ebenfalls ist der Film zu keinem Zeitpunkt durch Winnie autorisiert worden, obwohl sich dieser mit ihr befasst. Dementsprechend ist Regisseur Darrell Roodt mehrfach mit rechtlichen Schritten angedroht worden.

© Defizite bei der Schauspielbesetzung, künstlerischen Betrachtungsweise, Autorisierung, Vermarktung und Veröffentlichung verhindern einen Erfolg von "Winnie Mandela".

© Defizite bei der Schauspielbesetzung, künstlerischen Betrachtungsweise, Autorisierung, Vermarktung und Veröffentlichung verhindern einen Erfolg von „Winnie Mandela“.

Vermarktung

Die US-Verleihfirma „Image Entertainment“ aus Kalifornien konnte durch eine Kooperation mit Sony Pictures Home Entertainment ihren Einfluss in den Vereinigten Staaten deutlich ausbauen. Jedoch lässt sich feststellen, dass der Vermarktung von „Winnie Mandela“ im Vergleich zu anderen Filmen wie Tokarev mit Nicolas Cage in der Hauptrolle eine geringere Priorität beigemessen wurde. Das genaue Marketing-Budget ist der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Hacker

Kurz vor der offiziellen Premiere auf dem Toronto International Film Festival im Jahr 2011 ist „Winne Mandela“ im Netz zum illegalen Download bereitgestellt worden. Die genauen Umstände sind bisweilen nicht bekannt. Die beteiligten Produktionsfirmen aus Kanada und den USA haben Stillschweigen vereinbart.

2 Antworten zu “Film „Winnie Mandela“ zum Scheitern verurteilt

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