Tabuthema sexueller Missbrauch von Babies

Eine Gesellschaft schweigt über ein entsetzliches Phänomen in Südafrika. Die Politik ist gefordert

(2010sdafrika-Redaktion)

Fachkundige Interviewpartner zum Thema sexueller Missbrauch von Babies in Südafrika sind äußerst schwer zu finden. Ärzte, Kinderpsychologen und Staatsbedienstete sind in der Regel mit solchen alltäglichen Schicksalen betraut. Allerdings sprechen nur die Wenigsten hierüber. Klar ist, dass der Missbrauch von Babies ein Tabuthema am Kap darstellt, das längst öffentlich thematisiert werden müsste. Einzelne Journalisten und NGOs haben bereits angefangen. Doch die große Mehrheit der Gesellschaft versteckt sich im Schweigen.

© In Südafrika werden - je nach Statistik - jährlich bis zu 70.000 Kinder sexuell missbraucht. Auch Babies zählen zu den Missbrauchsopfern, vor allem aus dem Irrglauben heraus, dass Sex mit einer Jungfrau die Krankheit Aids heilen könne. Die Gesellschaft blendet diesen Missstand aus - es bleibt ein Tabuthema.

© In Südafrika werden – je nach Statistik – jährlich bis zu 70.000 Kinder sexuell missbraucht. Auch Babies zählen zu den Missbrauchsopfern, vor allem aus dem Irrglauben heraus, dass Sex mit einer Jungfrau die Krankheit Aids heilen könne. Die Gesellschaft blendet diesen Missstand aus – es bleibt ein Tabuthema.

Anfang Oktober 2013 musste sich ein 25-jähriger Mann vor einem Gericht dem Tatvorwurf stellen, ein vier Monate altes Baby in der Kleinstadt Ceres am Westkap sexuell missbraucht zu haben. Während sich das Baby von den Verletzungen des Missbrauchs erholte, bereitet die Staatsanwaltschaft nach wie vor die Verurteilung des Angeklagten zu einer mehrjährigen Haftstrafe vor.

Bislang wird die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Vergewaltigung von Frauen fokussiert. Der Missbrauch von Babies oder die Vergewaltigung von männlichen Personen werden hingegen kaum wahrgenommen. Südafrika hat zweifelsfrei ein Problem, diesen Missstand offen anzusprechen. Die Politik tut zu wenig und die Strafverfolgungsbehörden nutzen ihr Instrumentarium an präventiven Maßnahmen so gut wie kaum aus, heißt es von Kritikern.

Ursachen für den sexuellen Missbrauch von Kindern sind in erster Linie die Auslebung von subjektiven Machtansprüchen, die vermeintliche Heilung von Aids durch Sex mit einer Jungfrau oder das „unkontrollierte Verhalten“ bedingt durch Alkohol- bzw. Drogenkonsum. Die Ethnologin Dr. Rita Schäfer hielt in einem Interview fest, dass „die sexualisierte Gewalt Teil der Gewaltstrukturen in der südafrikanischen Gesellschaft ist.” Die Statistiken zum Missbrauch klaffen je nach erhebender Institution weit auseinander. Von 25.000 bis zu 70.000 Fällen von Kindesmissbrauch pro Jahr ist zu lesen. Die genauen Zahlen kennt keiner.

Wichtig ist, dass die Entscheidungsträger in Südafrika ihre Verantwortung übernehmen, die entsprechenden Institutionen aus dem NGO-Sektor staatlich zu subventionieren. Mehrere Organisationen kritisieren die fehlende Unterstützung des Staates zur Vorbeugung von Kindesmissbrauch. Die Öffentlichkeit muss die Bereitschaft haben, über dieses Phänomen konstruktiv zu sprechen. Auf die Prävention sollte verstärkt gesetzt werden. Denn jeder einzelne Fall vor Gericht belegt die Tatsache, dass ein Versäumnis des Handelns vorliegt und ein junger Mensch für lange Zeit ein Trauma mit sich tragen muss.

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