„Berlin und Johannesburg sind meine Heimat“

Im Interview mit Sängerin Cherilyn MacNeil der südafrikanischen Indie-Pop-Band „Dear Reader“

(Autoren: Serge Aka, Bartosz Marek, Ranem, Ghassan Abid)

Cherilyn MacNeil ist mit Abstand die erfolgreichste südafrikanische Sängerin in Deutschland der jüngeren Zeit. In vielen TV-, Radio- und Internetbeiträgen war entweder sie oder ihre Musik zu hören. Als Leadsängerin der südafrikanischen Indie-Pop-Band „Dear Reader“ schaffte sie es, die Herzen vieler Deutscher für sich zu erobern. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ traf die Frau aus dem Hause einer Musikerfamilie zum Interview, die Johannesburg und Berlin gleichermaßen als ihre Heimat empfindet.

© Cherilyn MacNeil ist Leadsängerin der südafrikanischen Indie-Pop-Band "Dear Reader". Seit drei Jahren lebt die gebürtige Johannesburgerin in Berlin. Im Interview mit "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" geht die Sängerin auf die Entwicklungen in ihrer Heimat, auf ihre Musik und auf ihr neues Leben in Deutschland ein.

© Cherilyn MacNeil ist Leadsängerin der südafrikanischen Indie-Pop-Band „Dear Reader“. Seit drei Jahren lebt die gebürtige Johannesburgerin in Berlin. Im Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ geht die Sängerin auf die Entwicklungen in ihrer Heimat, auf ihre Musik und auf ihr neues Leben in Deutschland ein.

Cherilyn MacNeil lebt nun seit drei Jahren in der deutschen Bundeshauptstadt, genauer gesagt im Bezirk Neukölln. Sie hatte die Musik zum mehrfach ausgezeichneten Berlin-Spielfilm „Oh Boy“ komponiert. Den Regisseur Jan-Ole Gerster kennt sie persönlich, sodass es zu diesem Auftrag kam. Obwohl sie nur für die „traurigen Klavierstücke“ zuständig war, hatte ihr die Produktion der Filmmusik viel Spaß gemacht.

Die deutsche Sprache beherrscht sie – wie vom Redaktionsteam selbst festgestellt – fließend. „Ich habe ein Talent für Sprachen„, sagt sie. Dabei kam ihr die eigene Muttersprache Afrikaans zum Erwerb des Deutschen sehr entgegen. Eine afrikanische Sprache werde sie auch noch lernen. Auf die Frage hin, ob sie auch den Standpunkt vertritt, dass der Berliner an sich zu den direkten, schlecht gelaunten und unhöflichen Mitbürgern in Deutschland zählt, erwidert Cherilyn MacNeil mit einem Lächeln, dass sie sich schon an die hiesigen Verhältnisse gewöhnen musste. „Ich mag das, diese direkte Berliner Art„, betont die Interviewte. Nach einer gewissen Zeit des Kennenlernens werde auch der Berliner warmherzig und freundlich, so sie weiter.

© Cherilyn MacNeil vermittelt in einigen ihrer Songs eine melancholische Stimmung. Im Interview hingegen strahlte die Neu-Berlinerin nur so vor Lebensfreude, Humor und Optimismus.

© Cherilyn MacNeil vermittelt in einigen ihrer Songs eine melancholische Stimmung. Im Interview hingegen strahlte die Neu-Berlinerin nur so vor Lebensfreude, Humor und Optimismus.

Ihre multikulturelle Heimat Johannesburg empfindet Cherilyn MacNeil als hektisch, verbunden mit teilweise aggressiven Menschen und überfüllten Straßen. Die Stadt Berlin hingegen nimmt sie als komplettes Gegenstück zu Johannesburg wahr, die mit Ruhe und Gelassenheit in Erscheinung trete. Hinzu kommt die historische Bedeutung ihres alten Wohnortes, dessen Einflüsse einen nachhaltigen Niederschlag in ihre Musik gefunden haben.

Denn die Sängerin ist unweit der Liliesleaf Farm im Johannesburger Stadtteil Rivonia aufgewachsen. Am 11. Juli 1963 ist dieser Rückzugsort von Anti-Apartheids-Aktivisiten durch Sicherheitskräfte gestürmt worden. Im darauf folgenden Rivonia-Prozess wurde unter anderem Nelson Mandela zu 18 Jahren Haft auf der Gefängnisinsel Robben Island verurteilt. „Apartheid ist für mich eine Art „Mystery““, sagt sie. Sie wusste, was Apartheid war, hatte aber als Kind keine genaue Vorstellung darüber, was Rassentrennungspolitik konkret bedeutete. Die traurige Geschichte gehöre auch zur eigenen Identität, mit der man sich auseinandersetzen müsse. „Der Weg von Nelson Mandela, die Versöhnung, müsse fortgesetzt werden„, hält die Musikerin mit überzeugter Stimme fest.

Zu den zahlreichen Herausforderungen des heutigen Südafrikas – wie zum Beispiel Aids, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Armut, Korruption und die Defizite im Bildungs- und Gesundheitssektor – bekräftigt Cherilyn MacNeil positiv nach vorne zu blicken, auch wenn die Realität mehr als traurig ist. „Es gibt wirklich ganz viele Probleme und wir brauchen Vertrauen in unsere Regierung. Und ich glaube, ganz viele Leute sind unzufrieden, wegen dieser Korruption„, bedauert sie. In Englisch wird erläutert, dass das Ein-Parteiensystem für die Entwicklung des Landes nicht förderlich sei, da zum ANC ein politischer Wettbewerb notwendig sei.

Der angesprochene Vertrauensverlust manifestiert sich insbesondere bei den weißen Südafrikanern. Von 1995 bis 2005 haben rund 841.000 Südafrikaner weißer Hautfarbe ihre Heimat in Richtung Australien, USA oder Großbritannien verlassen. Die Frage, warum sie selber mit ihrer Band nun in Deutschland lebe, begründet sie mit der besseren beruflichen Perspektive. Der Markt für Indie-Pop-Musik sei in Europa größer als am Kap. Dennoch fühlt sie sich ihrer Heimat weiterhin sehr verbunden: „Südafrika ist mir ganz wichtig und ich bin ein- oder zweimal im Jahr dort„.

Ihre Songs sind sehr tiefgründig und politisch. Sie produziert ihre Musik mittlerweile ohne einen Produzenten, sondern „alles alleine in meiner Ein-Zimmerwohnung in Neukölln„, sagt sie. Auf diesem Weg könne sie eigene Ideen besser umsetzen. Im Handel ist ihr Album „Rivonia“ erhältlich, das die Geschichte in Südafrika aufgreift. „Jede Dear Reader-Platte ist so anders„, sodass für musikalische Abwechslung gesorgt ist.

Video-Interview mit Sängerin Cherilyn MacNeil

Am 6. Dezember 2013 wird das neueste Album von „Dear Reader“, das den Titel „We Followed Every Sound“ trägt, beim Label „City Slang“ veröffentlicht. Zudem befindet sich die Band wie folgt auf Tour:

– 23.11.2013: LUX-Luxemburg – Sonic Visions Festival
– 24.11.2013: Bielefeld, Falkendom
– 25.11.2013: Kassel, K19
– 27.11.2013: CH-Will, Gare de Lion
– 28.11.2013: CH-Bern, ISC Club
– 29.11.2013: A-Innsbruck, Treibhaus
– 30.11.2013: A-Göfis, Vereinshaus
– 01.12.2013: A-Wien, Chelsea
– 02.12.2013: Jena, Rosenkeller
– 03.12.2013: Gießen, MUK
– 01.01.2014: Berlin, Volksbühne
– 15.01.2014: Nürnberg, MUZ
– 16.01.2014: Stuttgart, PopFreaks
– 17.01.2014: Regensburg, Alte Mälzerei
– 18.01.2014: Mannheim, Alte Feuerwache
– 19.01.2014: Frankfurt, Brotfabrik
– 21.01.2014: Aachen, Musikbunker
– 22.01.2014: Bochum, Bahnhof Langendreer
– 23.01.2014: Halle, Objekt 5
– 24.01.2014: Bremen, Tower
– 25.01.2014: Osnabrück, Kleine Freiheit

Eine Antwort zu “„Berlin und Johannesburg sind meine Heimat“

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag !!!!

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