„Die Hells Angels in Kapstadt sind brave Typen“

Die öffentliche Wahrnehmung der Biker in Südafrika zwischen Bedenken und Anerkennung

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Hells Angels zählen bei den Strafverfolgungsbehörden unumstritten als eine Vereinigung, die der organisierten Kriminalität zuzuordnen ist. Gegenwärtig dominiert der Höllenengel Necati Arabaci alias „Neco“, Präsident der „Hells Angels MC Nomads Turkey“, die deutsche Berichterstattung. Frauenhandel, Drogengeschäfte und Schutzgelderpressung stellen die gängigen Einnahmequellen der Rocker dar. In Deutschland und in Südafrika sind die Polizeien seit Jahren damit beschäftigt, den „schweren Jungs“ das Handwerk zu legen. Doch wie werden die Biker von der Bevölkerung wahrgenommen. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ hörte sich bei den Kapstädtern um und wertete zusätzlich Internetforen aus, mit überraschendem bzw. erschreckendem Ergebnis.

© Die Hells Angels am Westkap haben sich als "normale Bürger" etablieren können. Das öffentliche Meinungsbild zeigt, dass die Rocker des Chapters Kapstadt als "brave Typen" empfunden werden. Die kriminellen Geschäfte der Höllenengel werden von den Kapstädtern ausgeblendet, entweder bewusst bzw. unbewusst. Die Presse am Kap berichtet nur selten über diese Vereinigung.

© Die Hells Angels am Westkap haben sich als „normale Bürger“ etablieren können. Das öffentliche Meinungsbild zeigt, dass die Rocker des Charters Kapstadt als „brave Typen“ empfunden werden. Die kriminellen Geschäfte der Höllenengel werden von den Kapstädtern ausgeblendet, entweder bewusst bzw. unbewusst. Die Presse am Kap berichtet nur selten über diese Vereinigung.

Die sich äußernden Bürger und Gäste Kapstadts, die allesamt zu den Hells Angels anonym Stellung beziehen wollten und nach eigenen Aussagen dem Klub nicht angehören, waren sich der Negativschlagzeilen bewusst. Ungeachtet dessen berichteten sie größtenteils von positiven Erlebnissen. „Ich hatte viel Spaß mit den Hells Angels-Mitgliedern, als ich mit ihnen 2008 in Kontakt trat. Sie sind nicht widerspenstig. Die meisten von ihnen waren freundlich und gesprächig“, erinnerte sich ein Südafrikaner an seine spontane Begegnung mit Angehörigen des Charters in der 222 Kings Road.

Ein in Kapstadt lebender Deutscher erklärte hingegen, im Herbst 2009 einen Berliner Rocker kennengelernt zu haben, der mit seiner Kutte ungestört von der Polizei Drogen auf der Straße verkaufte. „Würde er mit seinem offensichtlichen Hells Angels-Outfit auf deutschen Straßen so auftreten, hätte der Typ damit sicherlich Probleme. Aber nicht in Südafrika.

Ein in Deutschland lebender Südafrika-Fan verwies beim öffentlichen Meinungsbild der Biker auf die South Park-Folge „The F Word“, in welcher das Verhältnis zwischen Rockern und Normalbürgern thematisiert werden würde. „Die südafrikanischen Hells Angels suchen lediglich Anerkennung“. Die Nachfrage, ob er einen kriminellen Charakter bei dieser Vereinigung erkenne, wollte der junge Mann unbeantwortet stehen lassen.

Ein Kapstadt-Tourist berichtete von seinem Erlebnis aus dem Jahr 2008, als der Hells Angels World Run in Südafrika stattfand. Er empfand es als lustig, als er ausgerechnet in einer Schwulen-Bar auf eine 20 Mann starke Gruppe der Hells Angels traf, die vom Charter Norwegen stammte und alle „wie Wikinger“ aussahen. „Alles war Friede-Freude-Eierkuchen“. Die Rocker hätten sich vorbildlich bei ihrem Feierabenddrink verhalten.

Ein befragter Deutscher, der sich auf dem Flug von Johannesburg nach Kapstadt befand, schilderte einen Protest von an Bord befindlichen Hells Angels, nachdem das Bier im Flugzeug ausgegangen war. Als ihnen von der Stewardess Rotwein angeboten wurde, waren die kräftigen Männer wieder „brav“. „Mir ist niemals ein Stereotyp eines Rockers im Alltagsleben negativ aufgefallen.“ Zugleich betonte er, dass wenn es zur Sache gehen sollte, dies dann sicherlich niemand Externes mitbekommen würde.

© Das Hells Angels-Chapter in der 222 Kings Road in Kapstadt. Was auf dem Grundstück hinter der rot-weißen Mauer tatsächlich passiert, wissen nur die Wenigsten. Die Öffentlichkeit kann nur spekulieren, ob die Biker wirklich so gesetzeskonform sind wie sie sich vor Ort gerne präsentieren. (Quelle: Google Maps)

© Das Hells Angels-Charter in der 222 Kings Road in Kapstadt. Was auf dem Grundstück hinter der rot-weißen Mauer tatsächlich passiert, wissen nur die Wenigsten. Die Öffentlichkeit kann nur spekulieren, ob die Biker wirklich so gesetzeskonform sind, wie sie sich vor Ort gerne präsentieren. (Quelle: Google Maps)

Das Meinungsbild zu den Hells Angels in Kapstadt, das überaus positiv einzuordnen ist, erinnert an Aussagen von Bürgern Hannovers. Damals sorgte der Hannover-Präsident der Höllenengel, Frank Hanebuth, für Ruhe in der Landeshauptstadt. Mehrfach hielten Journalisten fest, dass der gleichzeitige Deutschlandchef zunehmend die Sicherheitskompetenz der Polizei an sich riss. Insbesondere das Bürgertum in Niedersachsen reflektierte die Aktivitäten der Rocker kaum, zumal die kriminellen Geschäfte oft im Verborgenen abgewickelt wurden. Diese Wahrnehmungsverzerrung lässt sich auch auf Kapstadt übertragen.

Die Kaprepublik hat sich nach Recherchen der Redaktion von “SÜDAFRIKA – Land der Kontraste” längst zum sicheren Betätigungsfeld und beliebtem Fluchtziel internationaler und deutscher Hells Angels-Mitglieder entwickelt. Zuletzt ist die enge Verbindung zwischen Militärs und Rockern thematisiert worden. Auch die Geschichte von Thomas Möller, dem ehemaligen Hells Angels-Präsidenten Schwedens, wurde erstmals in der deutschsprachigen Presselandschaft aufgegriffen. Ebenfalls interessierte sich das FBI für die Rocker in Johannesburg. Vor allem der Einfluss deutscher Rocker am Kap steht im Mittelpunkt der eigenen Berichterstattung.

6 Antworten zu “„Die Hells Angels in Kapstadt sind brave Typen“

  1. Pingback: „Die Hetze gegen Rocker muss gestoppt werden!“ | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Ist doch super… Sollen doch alle HA dorthin gehen, dann hätten wir wenigstens Ruhe und die können sich dort austoben.

  3. Pingback: Hells Angels bei Nelson Mandela | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  4. Pingback: Rocker planen Namibia-Expansion | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  5. Pingback: Deutsch-österreichisches Rockertreffen in Linz | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  6. Finde das Umfrageergebnis weder überraschend, noch erschreckend.

    Durchsucht man die öffentlichen Medien nach entsprechenden Delikten aus Polizeikreisen, könnte man diese durchaus vergleichbar ebenfalls für eine krimminelle Organisation halten…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s