Medienkommentar: RTL entdeckt Südafrika

„IK1 – Touristen in Gefahr“, „Der Bachelor“ und „Bauer sucht Frau“. Erfolgreiche TV-Formate am Kap

(Autor: Ghassan Abid)

Die wohl erfolgreichste deutsche Privatsender-Reihe, die „Mediengruppe RTL Deutschland“, hat erneut Südafrika als Produktionsstandort ausgewählt. Die Verkupplungsshow „Bauer sucht Frau“ mit Moderatorin Inka Bause plant zum Jahresende die Ausstrahlung einer Episode am Kap. Bauer Jürgen und Partnerin Tanja wurden von RTL zum Traumurlaub nach Südafrika geschickt. Allerdings hat der Kölner Sender schon seit längerer Zeit das südliche Afrika als beliebten Standort für seine TV-Formate entdeckt. Die Wirtschaftlichkeit und Scheinidylle spielten in diesem Zusammenhang eine maßgebliche Rolle.

© RTL hat sich längst für Südafrika als bevorzugten Produktionsstandort diverser Serien und Reality Shows entschieden. „ IK1 - Touristen in Gefahr“, „Der Bachelor“ und „Bauer sucht Frau“ sind drei erfolgreiche TV-Formate des Kölner Senders, die teilweise am Kap gedreht wurden. (Quelle: Stefan Flöper/ Wikimedia)

© RTL hat sich längst für Südafrika als bevorzugten Produktionsstandort diverser Serien und Reality Shows entschieden. „IK1 – Touristen in Gefahr“, „Der Bachelor“ und „Bauer sucht Frau“ sind drei erfolgreiche TV-Formate des Kölner Senders, die teilweise am Kap gedreht wurden. (Quelle: Stefan Flöper/ Wikimedia)

Die Actionserie „IK1 – Touristen in Gefahr“ ist in Südafrika gedreht worden, genauso wie die beiden Ausgaben der Reality Show „Der Bachelor“ in den Jahren 2012 und 2013. Ebenso ist der Action-Fernsehfilm „Lost Future – Kampf um die Zukunft“ aus dem Jahr 2010 am Kap gedreht worden. Neben diesem Entertainment-Programm, ist auch das Infotainment teilweise auf Südafrika zugeschnitten. Mit der RTL-Korrespondentin Nicole Macheroux-Denault ist der Sender auch vor Ort präsent, sofern es die Nachrichtenlage erfordert.

Zu WM-Zeiten im Jahr 2010 suchte eine Leipziger Produktionsfirma im Auftrag von RTL eine „Familie mit Kindern aus Südafrika, die in Deutschland leben“. Die Familie sollte eine „schwarze Hautfarbe“ haben und „gutes Deutsch sprechen“. Eine Leserin von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ empfand das ihr gemachte Angebot mit einer Aufwandsentschädigung in Höhe von 500 Euro als moralisch verwerflich. Sie befürchtete, dass sich RTL bestimmten Klischees zu den Menschen in Südafrika bedienen würde.

Wer die Bachelor-Sendungen angesehen hatte, der erlebte zumindest ein Land, das vor allem mit schönen Safaris, luxuriösen Villen und spannenden Freizeitangeboten das deutsche Publikum begeisterte. Bilder, die wie ein Paradies wirkten. Ärmliche Menschen schwarzer Hautfarbe erhielten jedoch keine Sendezeit. Dementsprechend kann zurecht die Schlussfolgerung gezogen werden, dass das Südafrika-Bild dieser Sendung kaum etwas mit dem tatsächlichen Leben am Kap zutun hatte. Nichts mit der Realität der Mehrheitsbevölkerung, sondern eher mit dem Tourismuskatalog eines Reisebüros.

Im TV-Jargon beschreibt man Szenen, die nachgestellt sind, als „Dreh nach Skript“. Jan Kralitschka – Protagonist der Bachelor-Ausstrahlung dieses Jahres – wurde bei seinem ZDF-Auftritt bei Markus Lanz damit konfrontiert, dass die kompletten Abläufe der zwischenmenschlichen Beziehungen durch RTL vorgegeben worden seien. Medienkenner und Zuschauer werfen dem Medienunternehmen grundsätzlich eine Realitätsverzerrung im eigenen Programm vor. Die Südafrika-Bachelor-Drehs sind hiervon nicht ausgenommen.

Bachelor-Protagonist Jan Kralitschka bei Markus Lanz

Die taz-Redakteurin Cigdem Akyol hielt in einem Artikel zur Filmwirtschaft in der Regenbogennation fest: „Bisher ist Südafrika dank abwechslungsreicher Landschaften und gleich bleibend guter Wetterbedingungen vor allem für Werbeaufnahmen und Fotoshootings ein beliebtes Ziel … Mit etwa 250 Millionen Euro Gewinn im Jahr ist die Filmindustrie eine boomende Branche am Kap – Tendenz steigend.

Der in Berlin lebende Regisseur Oliver Schmitz – bekannt für die Regie der Serien „Doctor’s Diary“ und „Türkisch für Anfänger“ – drehte bereits drei Filme am Kap. Dies überrascht nicht, wenn man weiß, dass Schmitz selbst südafrikanischer Staatsbürger ist. Gegenüber der taz-Redakteurin Akyol lobte Schmitz die Arbeitsbedingungen in seiner Heimat: „In Südafrika lässt sich alles ohne amtliche Erlaubnis machen, und man muss nicht jeden Straßendreh im Voraus absprechen. Auf dem Land ist es weniger bürokratisch.

Eine Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, warum RTL gezielt das Land Südafrika als Produktionsstandort auswählt und welche konkreten Maßstäbe hierbei angesetzt werden, ließ der Konzern unbeantwortet. Vermutlich aus dem Grund, um sich nicht in die eigenen Karten schauen zu lassen.

4 Antworten zu “Medienkommentar: RTL entdeckt Südafrika

  1. Pingback: Medienkritik zur GZSZ-Rolle “Amar” | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Pingback: Gewinnerin von „Der Bachelor“ ist raus | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  3. Weißt heißt denn bitte Scheinidylle?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s