Die Person Mandela

Zwischen Tradition und Moderne: Im Kampf für die Gleichbehandlung von Schwarzen und Weißen

(Autor: Ghassan Abid)

– MANDELA-Spezial –

Am 18. Juli 1918 erblickte in der südafrikanischen Gemeinde Mvezo in der Provinz Ostkap Nelson Rolihlahla Mandela das Licht der Welt. Sein Vater, ein Mitglied des Königshauses Thembu und Ehemann von vier Frauen, entschied sich für den Namen Rolihlahla, was soviel wie „Am Ast eines Baumes ziehen“ bedeutet. Sinngemäß ist dieser Name mit „Unruhestifter“ zu verstehen. Da jedoch die weißen Südafrikaner der Schulverwaltung – etwa Lehrer – diesen traditionellen Namen der Ethnie Xhosa nicht aussprechen konnten, wurde er fortan mit Mandela angesprochen.      

© Am 18. Juli 1918 erblickte in der südafrikanischen Gemeinde Mvezo in der Provinz Ostkap Nelson Rolihlahla Mandela das Licht der Welt. Anfänglich sehr traditionell aufgewachsen, entwickelte er mit fortschreitendem Alter ein Interesse für die westliche Kultur. Während seiner Zeit als Student begann er sich für die Gleichberechtigung aller Südafrikaner einzusetzen. (Quelle: Wikimedia)

© Am 18. Juli 1918 erblickte in der südafrikanischen Gemeinde Mvezo in der Provinz Ostkap Nelson Rolihlahla Mandela das Licht der Welt. Anfänglich sehr traditionell aufgewachsen, entwickelte er mit fortschreitendem Alter ein Interesse für die westliche Kultur. Während seiner Zeit als Student begann er sich für die Gleichberechtigung aller Südafrikaner einzusetzen. (Quelle: Wikimedia)

Mandela hat nach eigenen Angaben eine schöne Kindheit und viel Zeit im Freien verbracht. So war er vor allem für das Aufpassen der Nutztiere verantwortlich. Nach Streitigkeiten mit der Provinzregierung, soll sein Vater seinen gesamten Besitz verloren haben. Mandelas Familie entschloss sich, mit ihrem Sprössling nach Qunu zu ziehen – dem heutigen Wohnsitz der Mandela-Familie. Im Alter von 9 Jahren starb sein Vater. Die enge Bindung an eigene Traditionen nahm deutlich ab. Allmählich entwickelte er ein Interesse für die westliche Kultur.

Erst im Jahr 1937, da war Mandela gerade 19 Jahre alt, soll er sich seiner afrikanischen Identität und damit verbunden der Unterdrückung durch die weiße Minderheitsregierung erstmals bewusst geworden sein. Nach seinem Aufenthalt auf einer Missionsschule in Healdtown, wechselte Mandela zur renommierten Hochschule Fort Hare über. Fort Hare galt und gilt als Schmiede afrikanischer Intellektueller. Zahlreiche ANC-Größen studierten an dieser Hochschule und vernetzten sich untereinander.

Allerdings begann die politische Karriere des „Unruhestifters“ erst während seines Jurastudiums an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg. Er protestierte mit anderen Kommilitonen gegen die weiße Minderheitsregierung. Seine Forderung zielte auf eine Gleichbehandlung aller Südafrikaner ab, unabhängig von der Hautfarbe. Im Jahr 1942 fand  Mandela mit dem Eintritt in den ANC sein politisches Betätigungsfeld. Nur 2 Jahre später gründete er mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen Aktivisten die ANC-Jugendliga. Die Jugendgruppierung war, genauso wie heute, deutlich militanter als die Mutterorganisation. Mandela bewerte die ANC-Führung als wenig durchsetzungsstark, sodass er vor allem in der Jugendliga seine Kraft investierte.

Mandela wurde 1951 Präsident der Jugendliga und eröffnete ein Jahr später die erste von Schwarzen geführte Anwaltskanzlei in Südafrika. 1956 ist er mit über 150 anderen Aktivisten wegen Landesverrats im sogenannten „Treason Trial“ angeklagt worden. Doch die Angeklagten verließen 5 Jahre später als freie Personen den Gerichtsaal. Beim Rivonia-Prozess von 1963 reichten dann die Beweise aus, um Mandela für seinen gewaltorientierten Widerstand wegen Sabotage, Umsturzversuche und kommunistische Aktivitäten zu belangen.

Ursprünglich sollten Mandela und andere Widerstandskämpfer des militärischen Arms des ANC, dem „Umkhonto we Sizwe“, zu Tode verurteilt werden. Doch der internationale Protest bezweckte eine Abschwächung der Strafe zur lebenslangen Haft. Sieben der Verurteilten, unter anderem Mandela, verbüßten ihre Haftzeit auf der Gefängnisinsel Robben Island im Atlantik. Bob Hepple, ein Mitangeklagter, konnte im Rahmen einer Kronzeugenregelung und nachdem er seine Mitstreiter belastete, als freier Mann aus dem Prozess hervorgehen.

Wie nun bekannt geworden ist, versuchten südafrikanische Geheimdienste Nelson Mandela von einer Flucht aus Robben Island zu überzeugen. Die Planungen beinhalteten sogar den weiteren Transport durch Fremde. Es wird spekuliert, dass Mandela bei seiner Flucht hätte getötet werden sollen. Mandela misstraute dem Angebot und lehnte eine Flucht ab. Nach 27 Jahren, im Jahr 1990, ist Mandela unter der Regierung Frederik Willem de Klerk rehabilitiert worden.

Seine damalige Ehefrau Winnie Madikizela, mit der er ganze 38 Jahre liiert war, spielte eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen Mandela und dem ANC. Am 19. März 1996 ließ er sich von ihr scheiden, wohl aus politischen Motiven heraus. Am 9. Mai wurde Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. 1999 folgte Thabo Mbeki als Nachfolger. Zuletzt trat Mandela bei der WM 2010 öffentlich auf. In den darauffolgenden Jahren tauchten immer wieder Meldungen auf, die sich auf den Gesundheitszustand beschränkten.

Mandela erhielt zahlreiche Ehrungen für seinen Kampf gegen die Apartheid, etwa den Simón-Bolívar-Preis der UNESCO, den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen, den Friedensnobelpreis, den Deutschen Medienpreis und viele andere Auszeichnungen. 2012 ist sogar der ausgestorbene Specht „Australopicus nelsonmandelai“ nach Mandela benannt worden.

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