Mandela-Beerdigung in Qunu

Südafrika tut sich mit dem Abschied Madibas schwer. Eine Nation sucht nach einer neuen Stütze – vergeblich

(2010sdafrika-Redaktion)

– MANDELA-Spezial –

Der Leichnam von Nelson Mandela ist nun in Qunu in der Ostkap-Provinz unter Ausschluss der Presse beigesetzt worden. Im Vorfeld bewegte eine Rede von Ahmed Kathrada, ein Weggefährter und enger Freund Mandelas, die Trauergäste aus dem In- und Ausland. „Ich habe einen Bruder verloren“, sagte Kathrada, der den Tränen nahe war. Morgen wird eine Statue vor den Union Buildings, dem Präsidialamt Südafrikas, zu Ehren Mandelas enthüllt. Somit endet dann die offizielle Trauerwoche. Doch das Land tut sich mit dem Abschied ihres Vorbilds noch sichtlich schwer. Die Gesellschaft sucht nach einer neuen Stütze, die sie in der aktuellen Regierung vergeblich sucht.

    © Nelson Mandela ist nun in Qunu beigesetzt worden. Morgen endet mit der Enthüllung der Mandela-Statue vor den Union Buildings die offizielle Staatstrauer. Südafrika tut sich noch schwer, diesen Verlust zu akzeptieren. Die Nation sucht vergeblich nach einer neuen Stütze. (flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Nelson Mandela ist nun in Qunu beigesetzt worden. Morgen endet mit der Enthüllung der Mandela-Statue vor den Union Buildings die offizielle Staatstrauer. Südafrika tut sich noch schwer, diesen Verlust zu akzeptieren. Die Nation sucht vergeblich nach einer neuen Stütze. (flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Als der Leichnam Mandelas vor dem Transport nach Qunu für drei Tage in Pretoria aufbewahrt worden ist, kamen rund 100.000 Bürger, um sich persönlich zu verabschieden. Doch die Polizei war mit den Menschenmassen überfordert. Nicht jeder erhielt die Möglichkeit, den Sarg des ersten schwarzen Staatspräsidenten trotz langer Wartezeit aufsuchen zu können. Es wurde gedrängelt, geschubst und geflucht. Ebenso kam es in der Vilakazi Street in Soweto, wo Mandela zeitweise wohnte, zu ähnlichen Tumulten.

Das Land ist längst noch nicht bereit, ihrem Idol Lebewohl zu sagen. Und doch muss nun das politische Leben am Kap ohne den „Vater der Nation“ fortgesetzt werden. Eine Politik, die den Idealen Mandelas verpflichtet ist. Allerdings melden sich bereits die ersten südafrikanischen und ausländischen Journalisten zu Wort, die das Ende der Trauerperiode nicht mehr abwarten können. Sie kritisieren Präsident Jacob Zuma dafür, längst nicht mehr den Mandela-Kurs fortzusetzen. Ihm fehle es an Aufrichtigkeit, Leidenschaft und Ehrlichkeit, ist wiederholt zu lesen und zu hören. Denn kurz vor der Meldung zum Tod Mandelas am 5. Dezember, war die Regenbogennation mit der Nkandla-Affäre beschäftigt. Es ging um den Vorwurf, dass mit Steuergeldern das Privatdomizil des Präsidenten finanziert werden sollte – unter anderem Rindergehege und ein Hühnerstall.

Diese Negativschlagzeilen dürften wieder die Berichterstattung der Kap-Medien dominieren. In wenigen Monaten feiert das Land sein 20. demokratisches Jahr. Hinzu kommen die nächsten Parlamentswahlen auf der Bundes- und Länderebene in 2014. Die Bevölkerung ist sich bewusst, dass TV, Online-Medien und Zeitungen in Kürze damit voll ausgelastet sein werden, erneut über Korruptionsfälle im politischen System zu informieren.Umso stark ist das Bedürfnis des Volkes, nach einer neuen Stütze Ausschau zu halten, die ähnlich wie Mandela für Bescheidenheit, Gemeinwohlorientierung und Gerechtigkeit steht.

Mit dem Tod des Friedensnobelpreisträgers verliert Südafrika nicht nur eine Ikone, sondern auch ein Teil der eigenen Identität – und ein ganzes Stück an Moralität und Rechtsbewusstsein. Noch ist es nicht zu spät, die Visionen Mandelas im südlichen Afrika umzusetzen. Die Medien, Zivilgesellschaft und Judikative nehmen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein. Sie wachen über die Einhaltung der Demokratie und erinnern Regierung und Parlament wiederholt daran, Mandelas Kampf für ein freies Südafrika zu würdigen.

Highlights von der Mandela-Trauerzeremonie in Qunu

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