Südafrika als Transitland für Drogenhandel

Internationaler Schmuggel mit Heroin und Kokain am Kap nimmt zu. BND verweigert Stellungnahme

(2010sdafrika-Redaktion)

Im Jahr 2011 starben rund 1.000 Menschen in Deutschland am Drogenkonsum, meist an einer Überdosis von Heroin. Die meisten Drogentoten waren Männer ab dem 30. Lebensjahr. Die Strafverfolgungsbehörden versuchen seit Jahren die Betäubungsmittelkriminalität zu bekämpfen, allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Von einigen Medien ist die Drogenpolitik der Bundesregierung bereits für gescheitert erklärt worden. Der internationale Drogenhandel, die für die Akteure eine sehr lukrative Einnahmequelle darstellt, ist kaum zu bremsen. Dem Land Südafrika kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu.

© Südafrika hat sich in der jüngsten Zeit zum beliebten Transitland für den internationalen Drogenhandel etabliert. Heroin und Kokain gelangen vom Kap aus nach Europa, unter anderem nach Deutschland. (Quelle: Zoll Online)

© Südafrika hat sich in der jüngsten Zeit zum beliebten Transitland für den internationalen Drogenhandel etabliert. Heroin und Kokain gelangen vom Kap aus nach Europa, unter anderem nach Deutschland. (Quelle: Zoll Online)

Heroin wird hauptsächlich in Afghanistan angebaut. Über Schmuggler findet die Droge nicht mehr den alleinigen Weg über den Nahen Osten bis nach Europa. Seit einigen Jahren, so sind sich deutsche Ermittler sicher, wird das Heroin erst nach Südafrika gebracht und dann nach Deutschland weitertransportiert. Südafrika ist zum unentbehrlichen Transitland geworden, von welchem aus die Drogenkuriere in alle Himmelsrichtungen aufbrechen. Die dortige Polizei gilt als bestechlich und nachlässig, wenn es um die Ermittlung von Straftaten geht.

Ebenso wird Kokain, das in Kolumbien, Peru und Bolivien angebaut wird, mittlerweile nach Südafrika verschifft, um es von dort aus nach Deutschland zu schicken. Aufgrund dieser angespannten Drogensituation veranstaltete am 26. März 2012 die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, mit dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, eine gemeinsame Pressekonferenz. Auf der Veranstaltung ist explizit Südafrika als zentrales Transitland von Heroin und Kokain benannt worden.

Doch nicht nur das Bundeskriminalamt ist bemüht, gegen den südafrikanischen Drogenhandel vorzugehen. Auch das Landeskriminalamt Niedersachsen beschlagnahmte im August 2012 unter der Federführung der Staatsanwaltschaft Hannover größere Mengen von Kokain im Wert von bis zu 400.000 Euro. Südafrikanische Kuriere schmuggelten Kokain von Sao Paulo über Madrid nach Hannover, Braunschweig und Wolfenbüttel. Den Kripobeamten ist bewusst, dass dieser Schlag lediglich als symbolischer Akt verstanden werden kann.

Brasilianische Drogenchefs setzen nach jüngsten Recherchen der Zeitung City Press verstärkt südafrikanische Schwangere ein, die meist aus Liebe für ihre Männer diese Straftat begehen und internationale Flughäfen aufsuchen. Nach Angaben der südafrikanischen Regierung befinden sich gegenwärtig 337 südafrikanische Frauen im Alter von 29 bis 62 Jahren in ausländischen Gefängnissen. Allen Frauen wird der Drogenschmuggel vorgeworfen.

Der Kubaner Nelson Yester-Garrido, einer der führenden Drogenchefs in Südafrika, hatte vor seiner Verhaftung im August 2010 lange ungestört den Handel mit Betäubungsmittel von Südafrika nach Großbritannien steuern können. Ganze 13 Jahre lang versorgte Yester-Garrido den britischen Markt mit Kokain. In Containern mit Lebensmitteln wurde die illegale Ware versteckt. Von der südafrikanischen Hafenstadt Port Elizabeth aus ist der illegale Transport realisiert worden.

Ebenfalls machten die Kolumbianer Salguero-Bermudez und Torres-Noack von sich reden, nachdem beide Personen für den Aufbau von Laboren in Südafrika verdächtigt wurden, die im Zeitraum 2006 bis 2007 große Mengen an Methamphetaminen produzierten. Die Drogen gelangten dann weiter in den US-Bundesstaat Michigan. Beide Drogenchefs wurden mittlerweile verhaftet und verurteilt.

Die US-Drogenbehörde DEA geht hinter verschlossenen Türen längst davon aus, dass die südafrikanischen Behörden mit den Drogenchefs kooperieren. Seit 1997 ist die DEA mit einem Auslandsbüro in Pretoria vertreten. Ebenso kritisierten britische Kriminalbeamte die wiederholt in Südafrika anzutreffende Strafvereitelung im Amt. Die vielerorts am Kap vorzufindende Korruption geht letztendlich zu Lasten der Drogenopfer in Deutschland.

Unterdessen teilte der Bundesnachrichtendienst (BND) auf eine Anfrage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, welche Erkenntnisse dem Auslandsnachrichtendienst über den südafrikanischen Drogenhandel vorliegen, folgende schriftliche Antwort mit: „Gemäß unserem Auftrag ist der BND der Bundesregierung und den zuständigen parlamentarischen Gremien und nicht der Öffentlichkeit gegenüber berichtspflichtig.

2 Antworten zu “Südafrika als Transitland für Drogenhandel

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