Homophobes Netzvideo aus Russland

Neo-Nazis demütigen Studenten aus Südafrika vor laufender Kamera. Uni und Botschaft in Moskau schweigen

(Autor: Ghassan Abid)

Die selbst ernannten Gesetzeshüter auf Russlands Straßen, die immer wieder auf Jagd nach Schwule gehen und dabei filmen, wie sie die Homosexuellen vor laufender Kamera demütigen, haben im November 2013 ein südafrikanisches Opfer gefunden. Der Johannesburger David S. wollte im Rahmen eines Austauschjahres an der Shukhov State Technological University in Belgorod neue Erfahrungen sammeln. Doch er erlebte einen Albtraum, den er wohl sein Leben lang nicht vergessen wird.

© Im November 2013 tauchte im Netz erstmalig ein Video auf, das zeigt, wie russische Neo-Nazis einen südafrikanischen Studenten in Belgorod vor laufender Kamera demütigen. Weder die südafrikanische Botschaft in Moskau noch das Außenministerium in Pretoria sahen sich für eine offizielle Stellungnahme verantwortlich. (Quelle: Video-Screenshot)

© Im November 2013 tauchte im Netz erstmalig ein Video auf, das zeigt, wie russische Neo-Nazis einen südafrikanischen Studenten in Belgorod vor laufender Kamera demütigen. Weder die südafrikanische Botschaft in Moskau noch das Außenministerium in Pretoria sahen sich für eine offizielle Stellungnahme verantwortlich. (Quelle: Video-Screenshot)

Die Shukhov-Hochschule gibt sich auf ihrer Homepage bewusst multikulturell. Glückliche afrikanische Studenten sind zu sehen. Doch die jüngste homophobe Attacke gegen David S. bleibt unerwähnt und wird schlichtweg verschwiegen. Der Südafrikaner hätte vor seinem Russlandaufenthalt nicht erwartet, dass er solch ein erniedrigendes Geschehen durchleben muss.

Immer wieder taucht im Netz das dreißig Minuten lange Video auf, das zeigt, wie abartig der Mensch sein kann. Beim Duschen überrascht, muss der Südafrikaner sich optisch verunstalten lassen, eine Wassermelone „erotisch küssen“ und eine nicht bekannte Flüssigkeit – wohl Urin – trinken. Die Russen schüchtern immer wieder den Gaststudenten ein, den sie für schwul halten. Vereinzelt wird zugeschlagen.

Die südafrikanische Netzgemeinschaft ist empört, weil das Videomaterial zum 20-jährigen Johannesburger nach wie vor im Internet abrufbar ist. Während das eine Video durch YouTube gesperrt wird, tauchen zeitgleich zwei neue Duplikate auf. Schlimmer ist die Tatsache, dass einige namhafte Online-Medien in Südafrika, Australien und Großbritannien das Opfer unzensiert abgebildet haben. Teilweise unter Aufzählung sämtlicher persönlicher Daten des Mannes.

    © Die Shukhov State Technological University in Belgorod gibt sich auf ihrer Homepage bewusst multikulturell und offen gegenüber afrikanischen Gaststudenten. Doch den Vorfall von David S. lässt die Hochschule unkommentiert, als wäre nichts geschehen. (Quelle: Video-Screenshot)

© Die Shukhov State Technological University in Belgorod gibt sich auf ihrer Homepage bewusst multikulturell und offen gegenüber afrikanischen Gaststudenten. Doch den Vorfall von David S. lässt die Hochschule unkommentiert, als wäre nichts geschehen. (Quelle: Video-Screenshot)

© Der Johannesburger David S. musste sich optisch verunstalten lassen, eine Wassermelone „erotisch küssen“ und eine nicht bekannte Flüssigkeit – wohl Urin – trinken. (Quelle: Video-Screenshot)

© Der Johannesburger David S. musste sich optisch verunstalten lassen, eine Wassermelone „erotisch küssen“ und eine nicht bekannte Flüssigkeit – wohl Urin – trinken. (Quelle: Video-Screenshot)

Benjamin Bidder, Russland-Korrespondent von SPIEGEL ONLINE, beschrieb in einem Artikel die Aktivitäten der russischen Skinheads wie folgt: „Sie erniedrigen ihre Opfer, rasieren ihnen den Kopf, schreiben ihnen das Wort „Homo“ in den Pass…“. Maxim Marzinkewitsch, einer der führenden Köpfe der Extremisten, sieht sich selber Aktivist für eine „gute Sache“.

Doch dass dabei die Würde von Menschen und ihre Freiheits- und Bürgerrechte bewusst missachtet werden, kümmert die Neo-Nazis wenig. Sie suchen den öffentlichkeitswirksamen Kick auf Kosten ihrer homosexuellen Opfer. Und dabei glauben sie allen Ernstes, im Interesse der Gemeinschaft zu handeln und durch ihre „Homo-Jagd“ für Gerechtigkeit zu sorgen.

Die südafrikanische Botschaft in Moskau sah sich zu keiner offiziellen Stellungnahme bereit, wohl aus diplomatischen Gründen. Ebenfalls hat das Außenministerium in Pretoria keine Warnung vor möglichen rassistischen und homophoben Übergriffen herausgegeben. Am 7. Februar 2014 beginnen die Olympischen Winterspiele in Sotschi.

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