African Nations Championship 2014 – 2./3. Spieltag

Südafrikas Fußballmannschaft Bafana Bafana am Tiefpunkt. Sportminister spricht von „Schande“

(Autor: Johannes Woywodt)

Sie hatten sich viel vorgenommen. Zunächst die Gruppenphase überstehen und dann wären es nur zwei Siege bis zum Finale in Kapstadt gewesen. Dazu der Heimvorteil. Ein zweiter kontinentaler Fußballtitel nach dem Triumph im Afrika-Cup von 1996 schien möglich und das trotz der schlechten Vorbereitung auf das Turnier. Nach einem Auftaktsieg gegen Mosambik (3:1) und einer Punkteteilung (1:1) gegen Mali war die Ausgangslage günstig, um in die nächste Runde einzuziehen. Nur eines durfte die Bafana Bafana nicht – verlieren.

 © Kaum hat der African Nations Championship begonnen, da verpasste die Auswahl Südafrikas schon nach dem zweiten Vorrundenspiel gegen Mali den Einzug ins Viertelfinale. Dann folgte die Niederlage gegen Nigeria. Die Fußball begeisterte Nation ist enttäuscht. (Quelle: flickr/ Gruppo Loccioni)

© Kaum hat der African Nations Championship begonnen, da verpasste die Auswahl Südafrikas schon nach dem zweiten Vorrundenspiel gegen Mali den Einzug ins Viertelfinale. Dann folgte die Niederlage gegen Nigeria. Die Fußball begeisterte Nation ist enttäuscht. (Quelle: flickr/ Gruppo Loccioni)

Ein Unentschieden gegen den amtierenden Afrikameister aus Nigeria hätte genügt. Ein Sieg wäre mehr als ein Prestigeerfolg gewesen, liegt doch der Letzte gegen die „Super Eagles“ fast zehn Jahre zurück. Doch es sollte nicht sein. Nach einer 1:3-Niederlage gegen die Nigerianer scheidet die südafrikanische Fußballnationalmannschaft bereits in der Vorrunde der African Nations Championship aus.

Vor Beginn des Spiels tauschte Trainer Gordon Igesund die Mannschaft erneut auf einigen Positionen aus. Unter anderem ersetzte Moeneeb Josephs von den Bidvest Wits den verletzten Itumeleng Khune im Tor. Die südafrikanische Mannschaft begann im Vergleich zum Spiel gegen Mali deutlich engagierter und erspielte sich durch Matthew Pattison und Thabo Nthethe erste Möglichkeiten, die jedoch keinen Erfolg einbrachten.

Nigeria hingegen wartete auf Fehler der Südafrikaner und nutzte diese konsequent aus. Nach einem verlorenen Zweikampf in der 22. Spielminute flankte Ifeanyi Ede den Ball in den südafrikanischen Strafraum und Christantus Uzoenyi Ejike, umgeben von drei Verteidigern, vollendete aus kurzer Distanz.

Zehn Minuten später war es erneut ein Fehler der Bafana Bafana, der den „Super Eagles“ das 2:0 ermöglichte. Eine harmlose Flanke konnte der unglückliche Torwart Josephs nicht festhalten und ließ den Ball nach vorne abprallen. Beim Versuch diesen zurückzubekommen, foulte er Foud Salami, sodass Schiedsrichter Mohamed Benouza auf Strafstoß entschied. Diesen verwandelte Ifeanyi Ede zum 2:0.

Wer nach der Führung Nigerias ein Aufbäumen Südafrikas erwartet hatte, wurde enttäuscht. Zu unentschlossen und wenig durchsetzungsfähig präsentierte sich die Elf von Gordon Igesund gerade in Tornähe der Nigerianer. Erst in der zweiten Hälfte begann die Bafana Bafana kämpferisch dagegenzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt stand es allerdings schon 3:0, nachdem Ejike in der 64. Minute zum zweiten Mal, nach einer schön herausgespielten Doppelpasskombination, getroffen hatte. Mehr als den Anschlusstreffer durch Bernard Parker zehn Minuten vor Spielende sollte der südafrikanischen Mannschaft nicht mehr gelingen.

Auch die Hoffnungen auf Schützenhilfe durch die Mosambikaner erwiesen sich als hinfällig. Die „Mambas“ verloren auch ihr letztes Spiel gegen eine starke malische Mannschaft mit 1:2, wobei der Siegtreffer erst in der Nachspielzeit durch einen verwandelten Elfmeter von Idrissa Traore fiel.

Im Viertelfinale trifft Mali auf Simbabwe, das sich im letzten Vorrundenspiel mit 1:0 gegen Uganda den Einzug sicherte. Einen dramatische Entscheidung erlebten die Zuschauer in Gruppe C. Bis in die Nachspielzeit hatte alles danach ausgesehen. dass die Republik Kongo-Brazzaville den „Black Stars“ aus Ghana in die nächste Runde folgen würde. Doch in der 93. Spielminute glichen die Libyer zum 2:2 aus und sicherten mit diesem Punktgewinn den Einzug in das Viertelfinale. Dort treffen die Nordafrikaner auf Gabun, während die Ghanaer gegen die Demokratische Republik Kongo antreten.

Die Viertelfinalspiele im Überblick:
– Mali – Simbabwe
– Marokko – Nigeria
– Ghana – DR Kongo
– Gabun – Libyen
Alle Partien werden am 25. und 26. Januar ausgetragen.

© Südafrikas Sportminister Fikile Mbalula übt scharfe Kritik an Bafana Bafana. Die Einstellung der Spieler sei ursächlich für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Der Politiker bezeichnete das Team als „einen Haufen von Verlieren, die keinen Respekt für das Land und die Leute“ hätten. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

© Südafrikas Sportminister Fikile Mbalula übt scharfe Kritik an Bafana Bafana. Die Einstellung der Spieler sei ursächlich für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Der Politiker bezeichnete das Team als „einen Haufen von Verlieren, die keinen Respekt für das Land und die Leute“ hätten. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

Quo vadis Bafana Bafana?

Während ab Samstag, den 25. Januar, die verbleibenden acht Mannschaften um den Einzug in das Halbfinale spielen, bleibt der Mannschaft vom Kap der guten Hoffnung wieder einmal nur die Zuschauerrolle. Ob bei der Weltmeisterschaft 2010, dem Afrika-Cup 2013 oder dem diesjährigen Turnier, die Bafana Bafana scheiterte bereits in der Vorrunde oder im Viertelfinale. Doch worin liegen die Gründe?

Südafrikas Sportminister Fikile Mbalula sah in erster Linie die Einstellung der Spieler als ursächlich für das schlechte Abschneiden und bezeichnete diese als „einen Haufen von Verlieren, die keinen Respekt für das Land und die Leute“ hätten und die es „zu vergessen“ gelte. Besonders hart ging er mit Torhüter Moeneeb Josephs ins Gericht, dessen Leistung er vor der Öffentlichkeit als „Schande“ bezeichnete.

Kritik an Mbalulas Auftreten kam von Seiten der Democratic Alliance, die dessen Wortwahl kritisierten und ihm vorwarfen in seiner Funktion als Sportminister nicht genügend für den südafrikanischen Sport getan zu haben. So hätte es Mbalula bisher versäumt den Sport mit besseren Strukturen auszustatten.

Unabhängig von der politischen Kritik im Wahljahr 2014 bleibt jedoch festzuhalten, dass es der südafrikanischen Fußballnationalmannschaft sowohl seit 2002 nicht mehr gelungen ist, sich für eine Weltmeisterschaft als auch seit 2008 für den Afrika-Cup zu qualifizieren. Nur als Austragungsland war Südafrika an den letzten großen Fußballwettbewerben beteiligt.

Ein Grund hierfür ist die Politik des südafrikanischen Fußballverbandes selbst. Diesem ist es in den vergangenen zehn Jahren nicht gelungen die Nationalmannschaft mit neuen Spielertalenten zu stärken. Spielten um die Jahrtausendwende noch viele namhafte südafrikanische Spieler wie Benny McCarthy, Bradley Carnell, Mark Fish oder Lucas Radebe in europäischen Ligen, sind es heutzutage nur noch wenige.

In den Topligen Europas spielen vor allem Fußballer aus Westafrika, obwohl Südafrika ebenso viele Talente haben dürfte. Zudem haben die jungen Spieler mit der Premier Soccer League die beste afrikanische Profiliga im eigenen Land und könnten sich auf einem professionellen Niveau weiterentwickeln, ohne nach Europa gehen zu müssen. Allerdings scheint bei der Bafana Bafana nichts anzukommen bzw. die Spieler scheinen sich nicht durchsetzen zu können.

Hier muss der der südafrikanische Fußballverband SAFA zukünftig verstärkt ansetzen und über Jahre hinaus Strukturen entwickeln, um die jungen Spieler an das internationale Niveau heranzuführen. Damit einhergehend wäre auch eine Konstanz bei der Trainerwahl wünschenswert. Denn nur ein Trainer, dem ebenso Zeit und Platz für Misserfolge zugestanden wird, kann über Jahre hinweg etwas aufbauen, ohne befürchten zu müssen nach mehreren Niederlagen entlassen zu werden.

2 Antworten zu “African Nations Championship 2014 – 2./3. Spieltag

  1. Pingback: Goodbye Bafana Bafana? | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Sehr schade, dass Südafrika den Heimvorteil nicht nutzen kann (oder will) und wieder einmal in einer Vorrunde eines Turniers ausscheidet. Ich hätte Bafana Bafana gerne im Finale in Kapstadt und übrigens auch im Juni/Juli bei der WM 2014 gesehen, aber auch bei der WM-Qualifikation wurden die Chancen nicht genutzt. Immerhin können wir uns noch auf ein Freundschaftsspiel gegen Gastgeber Brasilien freuen.

    Ich finde es vom Sportminister aber auch ein Unding, solche Worte zu wählen und die Spieler öffentlich an den Pranger zu stellen. Er sollte sie lieber unterstützen und sich mal an die eigene Nase fassen. Die Schuld abschieben und weiterhin das Ministergeld einzustreichen, ist aber natürlich einfacher, als mal die Arme hochzukrempeln und eine nötige Reform des südafrikanischen Fußballs und der Jugendförderung anzugehen. So lange hier nichts passiert, wird Bafana Bafana auch weiterhin in der Bedeutungslosigkeit versinken.

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