„Die Leute haben sich für uns gefreut“

Im Interview mit dem homosexuellen Moderator Marco Fritsche über seine Flitterwochen in Südafrika

(Autor: Ghassan Abid)

© Der Schweizer Moderator Marco Fritsche verbrachte vor Kurzem mit seinem Ehemann Martin Arnold die Flitterwochen in Kapstadt. Im Interview mit "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" berichtet der homosexuelle Promi, wie er Südafrika erlebt hat und wie er die Lage von homosexuellen Menschen bewertet. (Quelle: Adrian Portmann)

© Der Schweizer Moderator Marco Fritsche verbrachte vor Kurzem mit seinem Ehemann Martin Arnold die Flitterwochen in Kapstadt. Im Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ berichtet der homosexuelle Promi, wie er Südafrika erlebt hat und wie er die Lage von homosexuellen Menschen bewertet. (Quelle: Adrian Portmann)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Schweizer Moderator Marco Fritsche. Zuallererst meine Gratulation zur Ehe mit dem Architekten Martin Arnold. Wie fühlt sich die frische Heirat an?

Antwort: Interessanterweise fühlt sich das nicht anders an als vor der Unterschrift die uns zu einem – wie es in der Schweiz heißt – registrierten Paar macht. Der einzige Unterschied ist, dass es zu keinen Missverständnissen mehr kommt, wenn man seinen Partner ganz klar als “mein Mann” und nicht mehr als “mein Freund” vorstellt. Und je unverkrampfter und unkomplizierter man sich und seine Lebenssituation beschreiben kann, um so einfacher wird sie vom Gegenüber aufgenommen und akzeptiert. Das wäre zumindest mal unsere zeitlich noch begrenzte aber erfreuliche Erfahrung, die wir machen durften.

2010sdafrika-Redaktion: In Ihrer Heimat Appenzell heirateten Sie, verbrachten die Flitterwochen hingegen in Kapstadt. Warum entschieden Sie sich ausgerechnet für Südafrika?

Antwort: Ich war schon zweimal in Kapstadt und habe mich gleich beim ersten Besuch in diese einzigartige Stadt und ihre Einwohner verliebt. Mein Mann Martin war noch nie dort und deshalb gleich begeistert, als ich bei der Suche nach einer Honeymoon-Destination diesen Vorschlag brachte. Da wir aus beruflichen Gründen nur eine Woche verreisen konnten, war die optimale Erschließung mit Direktflug ab Zürich und das Wegfallen einer großen Zeitverschiebung ein weiteres Plus für Kapstadt.

2010sdafrika-Redaktion: Wie erlebten Sie die Zeit am Kap?

Antwort: Wir logierten ja im P.O.D. in Camps Bay und das Hotel lässt nun in Sachen Lage, Architektur und Service keine Wünsche offen. Da war es auch nicht so tragisch, dass nur an unserm ersten und letzten Tag wirklich schönes Wetter war. Aber Sie kennen das sicher: “Capetown – four seasons in 24 hours!” Dank unseren Ausflügen mit dem wohl gebildetsten und bestinformiertesten Chauffeur von ganz Kapstadt haben wir uns aber keine Sekunde vom wechselhaften und windigen Wetter frustrieren lassen. Mit Theo haben wir nicht nur bei der Wein- und der Peninsula-Tour viel gesehen, sondern auch wahnsinnig viel gelernt und von seinem Wissen profitieren dürfen.

2010sdafrika-Redaktion: Die Bevölkerung in der konservativen Republik im südlichen Afrika ist dafür bekannt, gegenüber Homosexuellen nicht unbedingt aufgeschlossen zu sein. Vielmehr werden Schwule und Lesben auf offener Straße angefeindet, attackiert und vereinzelt sogar ermordet. Wie verhielten Sie sich vor Ort und fühlten Sie sich sicher?

Antwort: Im Hotel wurde unser Zimmer – ich hatte uns als Honeymooners angemeldet – mit Rosenblättern und Champagner ausgestattet. Und es gab keinen einzigen peinlichen Moment beim Check-in oder sonst irgendwann im P.O.D.

Ganz allgemein habe ich mich noch nie unsicher gefühlt in Kapstadt, da ich mich auch an gewisse Regeln gehalten habe. Wer nicht mit Kamera, Schmuck oder sonstigen Luxusartikeln herum protzt, hat meiner Meinung nach nichts zu befürchten. Das im Gegenzug Touristen, die sich den Verhältnissen nicht anpassen, zu “leichter Beute” werden, finde ich verständlich. Das ist wohl in der Schweiz (in gewissen Gegenden) nicht anders.

Was Martin und mich als Paar betrifft, sind wir auch zu Hause ein eher “unauffälliges” Paar. Abgesehen davon denke ich bei Paaren die permanent öffentlich herum knutschen oder sonst irgendwie ihre Zusammengehörigkeit offensive demonstrieren müssen – egal in welcher Geschlechtskonstellation – auch oft, ob die denn kein Zuhause haben?!

Ich fand aber, dass gerade Kapstadt extrem unaufgeregt ist im Umgang mit einem schwulen Paar. Was uns von Schweizer Freunden, die jedes Jahr zwei Monate in Kapstadt sind, damit erklärt wurde, dass in Südafrika nach Abschaffen der Apartheid jegliche Form von Diskriminierung – aus welchen Gründen auch immer – gesetzlich verboten ist. Dass dies je nach Region noch nicht in allen Köpfen gleich gut angekommen ist, unterscheidet die Schweiz und Südafrika ein weiteres Mal in keinster Weise.

Mein Eindruck war aber wirklich überall wo es zum Thema wurde (z.B. bei einem Nachtessen im Savoy Cabage, das ich sehr empfehlen kann!), dass sich die Leute aufrichtig für uns gefreut haben und man nicht selten noch eine kleine Überraschung präsentiert bekam als frisch verheiratetes Paar. Es war wirklich sehr rührend.

2010sdafrika-Redaktion: Was nehmen Sie aus Südafrika von Land und Leute mit?

Antwort: Vor allem die Herzlichkeit und aufrichtige Anteilnahme der Menschen. Zudem ist deren Gelassenheit für mich als Schweizer eine regelrechte Lektion in Sachen “Wie genieße ich das Leben, anstatt es mir mit Zwängen und (eingebildetem) Stress zu vermiesen”. Das erste was mir – zurück in der Schweiz – aufgefallen ist, war dieses Gehetzte und diese unentspannte Lebenshaltung von meinen Landsleuten. Im Gegenzug ist mir in Kapstadt aufgefallen, dass die Menschen in Kapland hart arbeiten (müssen), wahrscheinlich monetär weniger haben als die meisten Menschen in der Schweiz und trotzdem glücklicher zu sein scheinen.

Aber dann natürlich auch das – verglichen mit der Schweiz – viel extremere Gefälle zwischen Arm und Reich. Das hat uns schon auch ein paar Mal ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn wir uns überlegt haben, wie viel Geld wir für unsere Reise ausgegeben haben und es vor Ort Menschen gibt, die wohl täglich ums Überleben kämpfen müssen. Wir haben aber – auch nach eingehenden Diskussionen mit Freunden die die Situation vom Alltag her kennen – gefunden, dass es dem Land und den Menschen nichts bringt, wenn man nicht nach Südafrika reist. Tourismus ist – ein weiteres Mal genau wie in der Schweiz – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich die Einzigartigkeit der Landschaft und der Natur. Da kann man oft nur mit offenem Mund stehen und staunen.
Mein Mann kommt aus Tirol und liebt die Berge genau wie ich. Da wir aber auch gerne am Wasser sind, ist Kapstadt mit dem Meer – wenn auch eisig kalt – und dem Tafelberg-Gebirge ein Traum. Wir sind übrigens am letzten Tag – als wieder sonniges Wetter war – auf den Table Mountain und ganz stolz darauf, dass wir den Weg hoch zu Fuß in 53 Minuten geschafft haben. Herunter sind wir dann natürlich mit dem “Cable Car” und ich war ganz stolz, weil das doch ein Schweizer “Seilbähnchen” ist. Richtig?

    © Marco Fritsche und Martin Arnold fühlten sich in Kapstadt sehr wohl. Als frisch verheiratetes Paar stießen sie auf viele freundliche Menschen. Nach Südafrika werden sie bald zurückkehren. (Quelle: Dario Lanfranconi)

© Marco Fritsche und Martin Arnold fühlten sich in Kapstadt sehr wohl. Als frisch verheiratetes Paar stießen sie auf viele freundliche Menschen. Nach Südafrika werden sie bald zurückkehren. (Quelle: Dario Lanfranconi)

2010sdafrika-Redaktion: Ja, das stimmt. Der Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger sorgte mit seinem Outing für ein gewaltiges Medienecho. Wie bewerten Sie die Situation von Homosexuellen in der Schweiz und in Deutschland?

Antwort: Da ist es zum Glück (beinahe) nur noch bei einem Profi-Fußballer ein Thema das interessiert. Ansonsten geht man den Leuten ja glücklicherweise schon eher auf den Keks, wenn man meint, man müsse jetzt einen auf “Kämpfer für die Rechte von Schwulen- oder Lesbenpaaren” machen.

Ich glaube wir hatten es noch nie so einfach wie heute, als gleichgeschlechtliche Paare oder als LGBT-Menschen akzeptiert zu werden. Was uns aber nicht versuchen sollte zu denken, das dies zwingend so bleiben muss oder gar schon immer so war. Eine säkularisierte Gesellschaft in der – ganz nach dem alten Fritz – jeder nach seiner Façon glücklich werden kann, ist und bleibt ein Ziel für das man sich einsetzen muss. Jede und jeder auf seine Weise. Aber bitte ohne dabei denen die anders denken, dauernd auf die Füße zu stehen. Genau so wie ich es nicht ertragen würde “zwangsheterosexualisiert” zu werden, geht es manchen Zeitgenossen gewaltig auf die Nerven, wenn der Anschein erweckt wird man/frau müsse um zeitgemäß zu leben wenigstens ein bisschen schwul, lesbisch oder bisexuell sein. Das verstehe ich sogar! Erst wenn “anders” sein – egal ob schwul, lesbisch, bisexuell, transgender oder was es da sonst noch alles so gibt, weder als Schande, noch als Adelstitel verstanden wird, dann sind wir, glaube ich, auf einem guten Weg.

2010sdafrika-Redaktion: Inwieweit werden Sie das Kapland erneut besuchen?

Antwort: “Kapland” hört sich gut an. *Lächeln* Ist mir auf deutsch noch nie bewusst begegnet, aber ich mag diese Bezeichnung sehr.

Da sich – nach mir – nun auch mein Mann in die ganze Region Kapstadt verliebt hat, ist es für uns klar, dass wir zurück kommen werden. Schließlich hat uns Theo von der “Garden Route” vorgeschwärmt. Und aber auch gleich klar gemacht, dass wir uns dafür genug Zeit nehmen müssten. And Theo knows what he is talking about!

Da wir nächste Weihnachten/Neujahr in Chile verbringen – Martins Mutter ist aus Santiago de Chile – wissen wir noch nicht genau wann wir zurückkommen werden nach Kapstadt. Wir wissen aber definitiv, dass wir zurückkehren werden. Und falls wir uns den Luxus des P.O.D. nicht mehr leisten können oder wollen, gibt es ja immer noch das “Fritz” in der Stadt, das soweit ich weiss, sogar von einem Schweizer geführt wird?!

Zudem verändert sich Kapstadt so schnell, dass ich es zwar jeweils wieder erkenne, aber immer wieder neu entdecken darf.

Genau wie hoffentlich in unserer Partnerschaft, ist die Beziehung zu Kapland von großer Liebe und Zuneigung geprägt. Eine “Love-Story” bei der es noch viele Kapitel zu schreiben gilt!

2010sdafrika-Redaktion: Marco Fritsche, Moderator aus der Alpenrepublik, vielen Dank für das Interview und Ihnen alles Gute!

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