South African Airways und der Nazi

Staatliche Fluglinie Südafrikas als einstiges Machtmittel des Rechtsextremisten Oswald Pirow

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Eine Leserin informierte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ über ein dunkles Kapitel in der Entstehungsgeschichte der staatlichen Fluglinie Südafrikas. Daraufhin begannen die Recherchen. South African Airways (SAA) mit Sitz in der Stadt Kempton Park bedient gegenwärtig mit rund 60 Flugzeugen 42 Flugziele weltweit. Als Mitglied der „Star Alliance“ kooperiert SAA mit der deutschen Lufthansa. Was die Fluglinie aber gerne verschweigt ist die Tatsache, dass ein deutsch-südafrikanischer Nazi dieses Unternehmen gründete. In diesem Jahr feiert SAA ihr 80-jähriges Bestehen.

© Die Fluglinie "South African Airways (SAA)" wurde am 1. Februar 1934 durch den deutsch-südafrikanischen Rassisten und Nazi-Anhänger Oswald Pirow gegründet. Der damalige Verkehrs- und Justizminister Südafrikas stand im direkten Kontakt mit führenden NS-Größen, unter anderem mit Reichskanzler Adolf Hitler. SAA leugnet bisweilen dieses Kapitel zur eigenen Entstehungsgeschichte. (Quelle: Martha de Jong)

© Die Fluglinie „South African Airways (SAA)“ wurde am 1. Februar 1934 durch den deutsch-südafrikanischen Rassisten und Nazi-Anhänger Oswald Pirow gegründet. Der damalige Verkehrs- und Justizminister Südafrikas stand im direkten Kontakt mit führenden NS-Größen, unter anderem mit Reichskanzler Adolf Hitler. SAA leugnet bisweilen dieses Kapitel zur eigenen Entstehungsgeschichte. (Quelle: Martha de Jong)

Oswald Pirow, 1890 in Aberdeen geboren, war der Enkel eines deutschen Missionars in Südafrika. Die Schullaufbahn absolvierte Pirow in Deutschland, genauer gesagt in Itzehoe in Schleswig-Holstein. Im Anschluss folgte ein Jurastudium an den Universitäten Kiel und London. Nach dem Ende des Studiums entschloss sich der deutschstämmige Südafrikaner zu einer Rückkehr ans Kap.

Während seiner Zeit als praktizierender Anwalt in Pretoria in den 1910er Jahren trat Pirow der National Party (NP) bei. Die NP engagierte sich für eine Rassentrennungspolitik, die später im Rahmen der Apartheid ihre Umsetzung fand. 1924 begann die politische Karriere Pirows an Fahrt zu gewinnen, zuerst mit einem Sitz im südafrikanischen Parlament, dann als Verkehrs- und schließlich als Justizminister der Südafrikanischen Union.

© Oswald Pirow ist südafrikanischer Staatsbürger deutscher Abstammung gewesen. Der 1890 in Aberdeen geborene Pirow besuchte eine Schule in Itzehoe in Schleswig-Holstein und studierte Jura an den Universitäten Kiel und London. Nach dem Ende des Studiums kehrte er zurück nach Südafrika. (Quelle: Morné van Rooyen)

© Oswald Pirow ist südafrikanischer Staatsbürger deutscher Abstammung gewesen. Der 1890 in Aberdeen geborene Pirow besuchte eine Schule in Itzehoe in Schleswig-Holstein und studierte Jura an den Universitäten Kiel und London. Nach dem Ende des Studiums kehrte er zurück nach Südafrika. (Quelle: Morné van Rooyen)

Heute gilt es als erwiesen an, dass Pirow in seiner Funktion als Justizminister äußerst aggressiv, unverhältnismäßig und hasserfüllt gegen die schwarze Mehrheitsbevölkerung vorging. Stets angetrieben von seinem „Hass gegen Neger“. Gegen den friedlichen Widerstand der Bevölkerung segnete der Justizminister den Waffeneinsatz durch Polizeikräfte ab. Außerdem ließ er erstmalig verbieten, dass schwarze Parlamentskandidaten gewählt werden konnten. Letztendlich arbeitete sein Ministerium viele Gesetze aus, die die Trennung von Weißen und Schwarzen im anschließenden Apartheidsstaat manifestierten.

Als deutschstämmiger Südafrikaner lobte Pirow immer wieder die Politik der Nationalsozialisten. Die NS-Ideologie bezeichnete er als richtig und wichtig. Bei seinem Deutschlandbesuch im November 1938 traf Pirow mit Reichskanzler Adolf Hitler, Wehrmachtsoffizier Wilhelm Canaris, Luftwaffenchef Erhard Milch und Walter Hewel – SS-Führer und Staatsekretär im Auswärtigen Amt – zusammen.

Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass die Fluglinie South African Airways den rechtsextremistisch-rassistischen Zwecken dienen sollte. Am 1. Februar 1934 gründete der damalige Verkehrsminister die Airline. Der US-amerikanische Historiker Robert L. McCormack untersuchte zum Ende der 70er Jahre das Verhältnis zwischen Pirow und SAA. Er hielt fest, dass die Fluglinie den Einfluss Südafrikas und seiner Verbündeten im afrikanischen Flugverkehr vorantreiben sollte. Oberstes Ziel war es, einerseits den Kommunismus und den britischen Imperialismus auf dem afrikanischen Kontinent einzudämmen. Andererseits sollten der Machtbereich und die Einflussmöglichkeiten Südafrikas ausgeweitet werden.

© Oswald Pirow verfügte über beste Kontakte in die oberste Führung von NSDAP, SS und Wehrmacht. Unter anderem traf er im November 1938 den Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin. (Quelle: Bundesarchiv)

© Oswald Pirow verfügte über beste Kontakte in die oberste Führung von NSDAP, SS und Wehrmacht. Unter anderem traf er im November 1938 den Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin. (Quelle: Bundesarchiv)

Zudem sollte SAA die konkurrienden Fluglinien aus Afrika verdrängen, was im südlichen Afrika auch gelang. Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges ist SAA teilweise unter die Kontrolle des Verteidigungsministeriums unterstellt worden. Im Mai 1944 wurde South African Airways komplett zu einer militärischen Flotte umgebaut. Bevor Pirow im Oktober 1959 unerwartet starb, trat er ein Jahr lang als Chefankläger im Treason Trial gegen Nelson Mandela und weitere 155 Anti-Apartheids-Aktivisten auf – stets getrieben von seinem Hass gegen die Afrikaner.

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