Erneuter Protest in der Mohrenstraße

Flashmob & Spontandemo: Streit um Umbenennung nach Südafrikas Ikone Nelson Mandela geht weiter

(Autor: D. Tamino Böhm)

Am vergangenen Samstag sind erneut rund 80 Menschen zusammengekommen, um gegen den Namen der Straße und des Bahnhofs in der Mohrenstraße zu demonstrieren. Zunächst fand ein Flashmob statt. Nach etwa einer halben Stunde wurde eine Spontandemonstration angemeldet.

© Am 15. März 2014 demonstrierten rund 80 Menschen für die Umbenennung der Berliner „Mohrenstraße“ in „Nelson-Mandela-Straße“. Der Flashmob und die anschließende Demonstration waren ein voller Erfolg für die Organisatoren.

© Am 15. März 2014 demonstrierten rund 80 Menschen für die Umbenennung der Berliner „Mohrenstraße“ in „Nelson-Mandela-Straße“. Der Flashmob und die anschließende Demonstration waren ein voller Erfolg für die Organisatoren.

Samstagnachmittag sind etwa 80 Menschen zum „antirassistischen Kaffeetrinken“ gekommen, zu dem eine Facebook-Nutzerin aufgerufen hatte. Über den ganzen Bahnsteig verteilt saßen die Teilnehmenden auf Decken und tranken Kaffee, den viele in Thermoskannen mitgebracht hatten. Auch Kuchen und Kekse wurden herumgereicht. Im U-Bahnhof herrschte fast Volksfeststimmung. Nicht nur Jugendliche, die sonst auf Flashmobs anzutreffen sind, sondern auch viele Familien mit Kindern und ältere Menschen nahmen an der Veranstaltung teil.

Dass es sich nicht nur um eine Spaßveranstaltung handelte, wurde jedoch auch allen Passagieren der U-Bahn schnell bewusst. Denn Aktivist_innen verteilten Flugblätter, die über die Herkunft des Begriffs „Mohren“ und über die Geschichte der Straße in Berlin Mitte aufklärten. Angesprochene Passanten zeigten sich erschrocken. „Mir war die Geschichte des Namens nicht bewusst“, äußerte sich eine ältere Dame, während sie von einem Teilnehmer aufgeklärt wurde.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

Der Name der Straße ist auf Sklaven zurückzuführen, die hier in der Kaserne des Großen Kurfürsten in dessen Blaskapelle dienen mussten. Ähnlich wie die sogenannten „Hofmohren“ waren sie Anfang des 18. Jahrhunderts von der westafrikanischen Küste verschleppt worden und wurden nicht für ihre erzwungenen Dienste entlohnt. Mehr noch, wurden sie in den Inventarlisten aufgeführt und galten demnach als Sachen, die Eigentum des Fürsten waren.

Der Begriff „Mohren“ wurde dabei in Dokumenten nahezu gleichbedeutend mit „Sklaven“ verwendet. Er diente seit der Entlehnung aus dem griechischen dazu, Schwarze Menschen abzuwerten. Mit der Entstehung des Sozialdarwinismus wurde der Begriff gezielt aufgegriffen, um diesen konstruierten Unterschied in dessen Propaganda zu verdeutlichen und den Kolonialismus zu rechtfertigen.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

© Bilder vom Protest des 15. März 2014: Der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ soll ebenso wie die gleichnamige Straße umbenannt werden und zwar in Nelson-Mandela-Straße, so die Forderung der Aktivist_innen.

Die Teilnehmenden stellen sich mit ihrer Aktion nicht nur gegen den rassistischen Straßennamen, sondern wollen vor allem auf den Alltagsrassismus aufmerksam machen, dem Schwarze ausgesetzt sind. Dieser äußert sich auch in der deutschen Sprache. Deswegen schlagen sie als Alternative Nelson-Mandela-Straße vor. Diesen Vorschlag griff 2004 die PDS auf und stellte einen Antrag auf Umbenennung, der jedoch abgelehnt wurde.

Unter anderem wurde vom beauftragten Ausschuss ein Afrikawissenschafter befragt, der sich gegen eine Umbenennung aussprach, da der Straßenname und der Begriff „Mohr“ generell nicht rassistisch seien. Dafür bekam er nicht nur von Befürwortenden viel Kritik, sondern wurde auch von Kolleginnen und Kollegen heftig kritisiert.

Der Flashmob und die anschließende Demonstration durch die Mohrenstraße bilden bereits die zweite Aktion binnen kurzer Zeit. Ende Februar benannte eine Gruppe Aktivist_innen den U-Bahnhof um, indem sie die Haltestellenschilder mit Plakaten überklebten, die den Schriftzug „Nelson-Mandela-Straße“ trugen.

Mobi-Video zum Protest am 15. März 2014

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