Staatsanwaltschaft hält Pistorius für schuldig

„Sie wollten Reeva töten!“. Staatsanwalt Gerrie Nel geht von eindeutiger Mordabsicht aus

(Autor: Ghassan Abid)

Die Familie des Opfers Reeva Steenkamp konnte es nicht fassen, als der angeklagte Oscar Pistorius nach einem Kreuzverhör durch den Staatsanwalt Gerrie Nel Autogramme an Passanten verteilte. Außerhalb des Gerichts trat der Sportler wie ein sorgenloser Promi auf und innerhalb des Gebäudes sieht er sich als Unschuldiger in einem Strafverfahren. Dabei steht der Südafrikaner unter gewaltigem Druck. Seine Glaubwürdigkeit hat einen Tiefstand erreicht.

EFFER LECEBE

© Oscar Pistorius steht enorm unter Druck. Die Staatsanwaltschaft ist fest davon überzeugt, dass der Sportler seine Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 gezielt getötet hatte. (Quelle: flickr/ EFFER LECEBE)

„Sie wollten Reeva töten!“, bekräftigte Nel seine Überzeugung, wonach der Athlet ganz gezielt die eigene Freundin erschießen wollte. Seiner Auffassung nach sei es erwiesen, dass der eifersüchtige Waffenliebhaber Pistorius seine Reeva nach einem Streit bewusst töten wollte und dementsprechend nach seiner Schusswaffe griff.

Pistorius hingegen betont nach wie vor seine Unschuld. Er habe Reeva mit einem Einbrecher verwechselt. Dabei schoss er vier Mal durch die Tür des Badezimmers, um seine Freundin und sich selbst zu beschützen. Die Staatsanwaltschaft glaubt dieser Darstellung nicht und wirft dem Angeklagten Fahrlässigkeit bzw. eine eindeutige Mordabsicht vor.

Oscar Pistorius erlebte in den letzten Wochen eine gefühlsgeladene Verhandlung. Er weinte, brach zusammen und entschuldigte sich bei der Familie des Opfers für seinen „größten Fehler“.  Allerdings steht er unter gewaltigem Druck, nachdem Erinnerungslücken und Widersprüche das Strafverfahren der vergangenen Tagen geprägt haben. Am Valentinstag 2013 erschoss der einst beliebte Sportler das Model Reeva im eigenen Haus.

Sein Verteidigerteam kämpft für einen Freispruch ihres Mandanten. Bereits im Mai 2013 befand sich auch Oscar Pistorius Bruder Carl vor Gericht. Er hat durch rücksichtsloses Autofahren eine Motorradfahrerin auf dem Gewissen. Carl Pistorius wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Allerdings sprach ihn ein Gericht in Vanderbijlpark mangels Beweise frei.

2 Antworten zu “Staatsanwaltschaft hält Pistorius für schuldig

  1. Pingback: Oscar Pistorius muss sich von Villa trennen | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Was in diesem Prozess nicht zur Sprache kommt, ist der Komplex rundum die Frage des privaten Feuerwaffenbesitzes. Gibt es in Südafrika eine ausreichende Gesetzgebung zur Kontrolle des privaten
    Feuerwaffenbesitzes? Haben die staatlichen Organe wie Polizei und Justiz den Willen sowie genügend Mittel, um eine solche Gesetzgebung durchzusetzen?
    Nach allem, was der Angeklagte Pistorius während des Kreuzverhörs von sich gab, könnte man zu dem Schluss kommen, dass einem Menschen mit derartig paranoider Konstitution der Waffenschein nicht ausgestellt werden dürfte. Pistorius‘ Darstellung war, dass er sich in einem Zustand panischer Angst befand. Die Waffe in seiner Hand, die er bewußt entsichert hatte, habe dann „aus Versehen“ (by mistake) die vier Schüsse abgegeben. Er könne sich nicht daran erinnern, den Abzugshahn gedrückt zu haben.
    Über die Glaubwürdigkeit dieser Darstellung mag ich nicht urteilen. Diesen Einblick in eine angeblich „versehentliche“ Tötung eines Menschen verdanken wir im vorliegenden Fall der Prominenz des Angeklagten. Ich frage mich, wieviele Fälle dieser Art gibt es noch im Alltag Südafrikas? In Südafrika sind geschätzte 5,95 Millionen Feuerwaffen in privater Hand. Es gibt 1,8 Millionen registrierte Waffenbesitzer und 3,737 Millionen registrierte Privat-Waffen.
    Mir wurde entgegnet, private Feuerwaffen seien wichtig und gut für die eigene Sicherheit, denn die Polizei könne die Bürger nicht vor dem Verbrechen schützen. Ich denke, man sollte die bewaffneten staatlichen Organe nicht einfach aus ihrer verfassunsgmäßigen Pflicht der Verbrechensbekämpfung entlassen. Die unverhältnismäßig hohe Anzahl privater Sicherheitsdienste in Südafrika spricht diesbezüglich Bände. Wenn das Gewaltmonopol des Staates aufgegeben wird, dann herrscht das „Gesetz des Wilden Westens“ und ist die Lynchjustiz auch nicht mehr weit.

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