Regisseur wagt Tabubruch

TV-Tipp: Dokumentarfilm auf arte rüttelt am Image von Südafrikas Nationalhelden Nelson Mandela

(2010sdafrika-Redaktion)

Wer über den ersten schwarzen Staatspräsidenten Südafrikas etwas ließt, sieht oder hört, der stößt stets auf ein positives Bild einer Persönlichkeit, die für das Eintreten von gewichtigen Idealen einen hohen Preis zahlte musste. Nelson Mandela opferte seine eigene Freiheit, um es einer ganzen Gesellschaft geben zu können. Ein Dokumentarfilmer zweifelt an der bisherigen Darstellung der großen Ikone und bricht somit erstmals ein Tabu.

© Der südafrikanische Regisseur Khalo Matabane greift in seiner 86-minütigen Dokumenation „Madiba – Das Vermächtnis des Nelson Mandela“ kontroverse Fragen zur Person von Nelson Mandela auf. Er rüttelt ganz bewusst am Image des Nationalhelden. Am heutigen Mittwoch um 21.45 Uhr strahlt der TV-Sender arte die umstrittene Doku aus. (Quelle: flickr/ Sean Cronin)

Mandela ist für viele Südafrikaner ein großer Nationalheld, eine Legende und ein absoluter Saubermann. Ein Vorbild für Jung and Alt. Dementsprechend ist es verständlich, dass negative Ansichten zum am 5. Dezember 2013 verstorbenen Politiker nicht angemessen erscheinen. Der in Limpopo geborene Regisseur Khalo Matabane weicht mit seiner 86-minütigen Dokumenation „Madiba – Das Vermächtnis des Nelson Mandela“ von allen bisherigen Dokufilmen über Tata ab.

Vielmehr geht er kritischen Aspekten nach und stellt kontroverse Fragen auf, die er lange vergeblich zu beantworten versuchte. Hatte Mandela mit seiner Vergebungspolitik keinen Fehler begangen? Sorgte er nicht sogar zu einer verstärkten sozialen Ungleichheit im Neuen Südafrika? Wer ist Mandela tatsächlich? Hierbei interviewte er mehrere Personen des öffentlichen Lebens. Es kristalisiert sich ein neues Bild von Tata heraus, das nicht jedem Zuschauer gefallen wird.

Der Regisseur hatte für sich den Anspruch gehabt, an der womöglich utopischen Wahrnehmung von Nelson Mandela kräftig zu rütteln und die symbolische Ausstrahlungskraft des Vaters der Nation schlichtweg auszublenden. Gewiss ist dieser filmische Ansatz mutig. Denn wer Mandela in Südafrika öffentlich kritisiert, der begeht einen massiven Tabubruch – andere werden deutlicher und sprechen von Landesverrat oder Dummheit.

„Madiba – Das Vermächtnis des Nelson Mandela“ ist im vergangenen Jahr mit dem Spezialpreis der Jury beim Internationalen Amsterdamer Dokumentarfilmfestival IDFA ausgezeichnet worden. Am heutigen Mittwoch um 21.45 Uhr strahlt der TV-Sender arte die umstrittene deutsch-südafrikanische Dokumentation aus.

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