Heino wehrt sich gegen Nazi-Vorwürfe

Eindruck eines Schlagerstars im Apartheidstaat: „Sah eigentlich ganz ordentlich aus“.

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Über das „HEINO Café im Historischen Kurhaus“ im nordrhein-westfälischen Bad Münstereifel legt sich in diesen Tagen ein dunkler Schleier. Die Gäste reden nicht gerne über das bekannte Aushängeschild des Cafés. Stattdessen wird bei leckeren Torten zugelangt und von einer Diskussion über den Schlagerstar abgesehen. Heino sieht sich diffamiert. Umstrittene Auftritte in Namibia und im Südafrika der 80er Jahre holen ihn heute ein.

bgeissl

© In den 80er Jahren reiste Schlagerstar Heino mehrfach nach Namibia und Südafrika, in zwei Staaten, in welchen die Rassentrennung praktiziert wurde. Die schwarzen Mehrheitsbevölkerungen wurden unterdrückt. Nun holt ihn die Vergangenheit ein. Er sieht sich ungerechtfertigt mit Nazi-Vorwürfen konfrontiert. (Quelle: flickr/ bgeissl)

In der Ausgabe des Magazins DER SPIEGEL vom Oktober 1982 ist die Tournee Heinos im südlichen Afrika aufgegriffen worden. Im damaligen Südwestafrika (heute: Namibia) empfingen die Deutschen den Sonnenbrillenträger mit blonder Frisur wie einen absoluten Megastar. Die Konzerte waren ausgebucht. Die Fans jubelten ihrem Heino bei Bier und Bratwurst euphorisch zu. Er hatte sie nicht im Stich gelassen, trotz der internationalen Ächtung des Regimes.

Denn Namibia erlebte in dieser Zeit einen blutigen Widerstand der Befreiungsbewegung SWAPO. Die Schwarzen wurden mit Unterstützung der südafrikanischen Regierung unterdrückt. Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß sicherte den dortigen Deutschen seine volle Unterstützung zu. Und Heino hatte, so wird berichtet, auch das Lied „Kameldornholz und Reviere“ vorgetragen, dass auf die Melodie „Panzerlied“ der Wehrmacht fußt. Er verstand es, in Windhuk in einer solch kritischen Phase für Stimmung zu sorgen und die deutsche Gemeinschaft anzusprechen.

In Südafrika mied er, so heißt es in einem anderen Pressearchiv, die Durchfahrt in von Schwarzen bewohnten Gegenden. Die Lage im Township Soweto beschrieb der Schlagerstar mit den Worten: „Sah eigentlich ganz ordentlich aus“. Dabei überflog Heino lediglich mit einem Helikopter die Blechhütten von Soweto. Dennoch erlaubte er sich eine Einschätzung zur sozialen Lage der Ärmsten. An Sensibilisierung mangelte es Heino gewiss.

Allerdings muss angeführt werden, dass Heino und seine Frau Hannelore es abgelehnt hatten, vor militaristischen Sehenswürdigkeiten fotografiert zu werden und mit politischen Entscheidungsträgern in Windhuk bzw. in Pretoria in Kontakt zu treten. Damals formierte sich ein lauter Protest gegen die Tournee Heinos. Trotzdem folgten weitere Reisen in den Apartheidstaat. Rund 32 Jahre später holt ihn diese Vergangenheit nun ein.

In einem Interview erklärte der Hamburger Hip Hop-Sänger Jan Delay zu Heino: „Nee, das ist ein Nazi. Das vergessen die meisten Leute, wenn die Leute über Heino reden. Der Typ hat in Südafrika während der Apartheid im Sun City gesungen. Und sein Repertoire: „Schwarzbraun ist die Haselnuß, Soldatenlieder… Es ist schrecklich, wenn so jemand einen Song von dir singt.

Der Schlagerstar sieht sich diffamiert und hat rechtliche Schritte gegen Jan Delay eingeleitet. Sein Rechtsanwalt habe Anzeige wegen des Verdachts der Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung gestellt, so ein Manager Heinos. Bedauerlich ist, dass der 75-Jährige sein Verhältnis zum südlichen Afrika von sich aus nicht erörtert. Der Kritik muss er sich stellen.

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