Linksradikal, antikapitalistisch, anti-imperialistisch

Südafrikaner im Wahlfieber: Malema-Partei „Economic Freedom Fighters“ fordert ANC heraus

(2010sdafrika-Redaktion)

Julius Malema ist einer der umstrittensten Politiker Südafrikas. Als ehemaliger Präsident der ANC-Jugendliga schaffte er es – mit Unterstützung seines damaligen Mentors Jacob Zuma – ganz nach oben aufzusteigen. Nach seinem Rausschmiss aus dem ANC entschloss sich Malema für die Gründung einer eigenen Partei. Mit Spannung wird auf das morgige Wahlergebnis gewartet.

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© Julius Malema ist umstritten und beliebt zugleich. Die Jugend jubelt dem ehemaligen Präsidenten der ANC-Jugendliga in großen Teilen zu. Kritiker werfen ihm vor, als „Brandstifter“, „Populist“ und „Krimineller“ kein Interesse daran zu haben, den Bedürftigen und Armen Südafrikas helfen zu wollen. Als Gründer und Führer der „Economic Freedom Fighters“ will er zurück in die Politik. (Quelle: EFF)

Die „Economic Freedom Fighters“, kurz EFF, stehen für eine „linksradikale, antikapitalistische und anti-imperialistische Politik“. Weiße Farmer sollen ohne Entschädigung enteignet, Minenkonzerne und Banken verstaatlicht und die Macht der Wirtschaft eingeschränkt werden. Dafür sollen Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit und Bildung für jedermann kostenlos sein. Der Marxismus-Leninismus inspiriere diese „revolutionäre und militante Bewegung“, die sich für die Interessen des einfachen Bürgers einsetzen möchte.

Zudem diene das aktuelle Wirtschaftssystem am Kap nicht zum Wohle des Volkes. Die Ökonomie sei auf den „Neo-Kolonialismus“ angelehnt, so die EFF. Gemeint ist hierbei, dass in bestimmten Branchen wie der Landwirtschaft untragbare Mindestlöhne gezahlt werden. Diese Systemkritik ist aus der Sicht vieler Südafrikaner nicht unbegründet, da auch mehrere Gewerkschaften und die Zivilgesellschaft von Hungerlöhnen sprechen. Etlichen weißen Winzern und Farmern wird wiederholt vorgeworfen, sie würden die schwarze Arbeiterschaft ausbeuten – quasi eine Hinterlassenschaft aus der Apartheid.

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© Die EFF bezeichnet sich selbst als „linksradikal, antikapitalistisch und anti-imperialistisch“. Die Partei fordert mehr Macht des Staates in der Wirtschaft. Verstaatlichungen von Banken und Minenkonzernen sind ausdrücklich erwünscht. (Quelle: EFF)

Allerdings möchte Malema mit der EFF in erster Linie seine alte Partei herausfordern. In sämtlichen Reden attackiert er stets die wichtigste politische Kraft Südafrikas. Der ANC habe sich ausschließlich auf Kosten der Arbeiterschaft und der Bürger bereichert. Und die ANC-Spitze um die Person Zuma sei korrupt, habgierig und kapitalistisch. Dieser Populismus kommt gut an. Und dabei vergisst die EFF, dass ihre eigene Führungspersönlichkeit selbst wegen Bestechung, Betrug, Steuerhinterziehung und Misswirtschaft in Verruf geraten ist.

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© Die roten Shirts und Mützen im Che Guevara-Look sind das Markenzeichen der EFF. Mit Spannung wird das Wahlergebnis der Protestbewegung erwartet. (Quelle: EFF)

Ebenfalls gilt Malema als Brandstifter und Populist, der nur das sagt, was die Masse hören will. Kritiker bemängeln die Entschlossenheit des in Limpopo geborenen Politikers, an der Lebenssituation der Menschen etwas verändern zu wollen. Unterdessen versprach der EFF-Führer bei einem Wahlsieg die Kleiderordnung von Ministern abzuschaffen. Die Regierungsmitglieder dürfen keine Anzüge mehr tragen. Offen ist hingegen, ob dann auf rote Shirts und Che Guevara-Mützen – das Markenzeichen der EFF – zurückgegriffen werden soll.

3 Antworten zu “Linksradikal, antikapitalistisch, anti-imperialistisch

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