Medienecho zu Wahlen in Südafrika

An 22.262 Wahlstationen wurde gewählt: ANC kann sich erneut durchsetzen. Opposition legt zu

(2010sdafrika-Redaktion)

Es war nicht anders zu erwarten. Die älteste Partei Afrikas, der ANC, hat die fünften Parlamentswahlen mit 62,15 Prozent klar gewonnen und nur leicht eingebüßt. Ferner konnte die Demokratische Allianz im Vergleich zu den Wahlen 2009 ihr Stimmenergebnis um 6 Prozentpunkte auf 22,23 Prozent ausbauen. Und auch die neu gegründete linksradikale Malema-Partei Economic Freedom Fighters verbuchte mit 6,35 Prozent auf Anhieb einen Erfolg.

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© Der ANC konnte sich bei den fünften Parlamentswahlen erneut durchsetzen und über 60 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Doch auch die Opposition legte zu. Die DA erhielt sechs Prozentpunkte mehr als 2009 und die EFF erhielt auf Anhieb rund 6 Prozent. Die deutschen Medien haben die Entwicklungen in Südafrika genau verfolgt und durchaus kritisch kommentiert. (Quelle: flickr/ BBC World Service)

Die deutsche Berichterstattung zu den Wahlen in Südafrika tangierte zwischen Ernüchterung und Unverständnis. WELT-Korrespondent Christian Putsch griff in einem paradox wirkenden Artikel die Erfolgsgeschichte des „Skandal-Präsidenten“ Jacob Zuma auf. Nkandla-Affäre, Gupta-Affäre, Korruption in Ministerien und Marikana-Massaker werden aufgezählt. Dennoch kann der Zulu mit starker traditioneller Prägung punkten, hielt Putsch fest.

Hingegen untermauerte Thomas Scheen, Südafrika-Korrespondent der FAZ, dass der „Sympathieverlust für den ANC nicht mehr zu übersehen“ ist. Dafür holt die Demokratische Allianz stetig auf. Die zur Normalität gewordenen Proteste gegen die Regierung kommen der Zille-Partei zugute. Von den Skandalen um die Person Zuma profitiere die Opposition.

Thomas Schmelzer hatte für Sueddeutsche.de die Politikverdrossenheit der Jugend Südafrikas thematisiert. Lediglich ein Drittel der Wahlberechtigten ließ sich für die fünften Wahlen registrieren. Dem schloss sich auch der Wolfgang Drechsler an, der für  Tagesspiegel.de und Handelsblatt Online die materiellen Interessen der „Born Free-Generation“ unter die Lupe nahm.

Dominic Johnson von der tageszeitung (taz) kritisierte, dass der ANC sich nicht darauf ausruhen dürfe, die Jugend auf das Erbe Mandelas hinzuweisen und diese deshalb wählen gehen müsse. Es komme auf die politischen Leistungen an. „Streikende Bergarbeiter zusammenzuschießen, die Pressefreiheit zu knebeln, die Armee in einem glücklosen Zentralafrika-Einsatz … ist keine stolze Bilanz.“, so der taz-Ressortleiter für das Ausland.

Kurzum: Der ANC genießt mit seinem Image einer Befreiungsbewegung im Zeichen Mandelas bei vielen Südafrikanern noch viel Vertrauen. Doch zeigen die jüngsten Zuwächse der Wahlstimmen bei den Oppositionsparteien DA und EFF, dass die Regierungspartei sich nicht auf diesen Status ausruhen sollte. Denn bei anhaltendem Missmanagement wird der Tag kommen, an dem der ANC seine absolute Mehrheit im Parlament verlieren wird – früher oder später.

2 Antworten zu “Medienecho zu Wahlen in Südafrika

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