Wahlsieg der „Linksradikalen“ in Südafrika

Julius Malema schafft auf Anhieb mit eigener Partei den Einzug in alle Parlamente von Bund und Ländern

(Autor: Ghassan Abid)

Er hat es ihnen gegeben. Die Rede ist von Julius Malema, der seiner einstigen Partei – dem ANC – vor Augen führen konnte, dass er diesen nicht mehr braucht. Die von ihm gegründete EFF kam bei rund sechs Prozent der Wähler gut an. Rund 1,1 Millionen Südafrikaner wählten die neue Partei links vom ANC. Die EFF ist der große Gewinner der fünften Parlamentswahlen in Südafrika. Einerseits ist sie im Unterhaus die drittstärkste Fraktion geworden. Andererseits zieht diese in alle neun Provinzparlamente und somit auch ins Oberhaus ein.

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© Beim Ergebnis der südafrikanischen Wahlen 2014 dürfte Julius Malema nicht schlecht gestaunt haben, als er erfuhr, dass seine linksradikale Partei EFF auf Anhieb die drittstärkste Kraft im Nationalparlament (Unterhaus) geworden ist. Zusätzlich zieht sie in alle neun Provinzvertretungen und somit in das Oberhaus ein. Malema ist in die Politik zurückgekehrt. (Quelle: EFF)

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ist die politische Ausrichtung der Economic Freedom Fighters (EFF) thematisiert worden. Diese Bewegung ist nach eigenen Angaben „linksradikal, antikapitalistisch und anti-imperialistisch“. Gewiss hat die Krise im Bergbausektor zum Sieg Malemas beigetragen. Er verstand es, nach dem Marikana-Massaker den Bergwerkarbeitern beizustehen und Polizei sowie Regierungspartei zu kritisieren.

Zusätzlich erweist sich die EFF, vor allem für die schwarze Jugend des Landes, als einzig wahre Option bei der Problemlösung in den Bereichen Soziales und Wirtschaft. Der ANC habe sich mit der Vielzahl seiner Korruptionsfälle ins eigene Abseits katapultiert und die Demokratische Allianz (DA) von Helen Zille wähle man einfach nicht. Sie sei seine „Partei der Weißen“, hört man wiederholt von jungen Menschen.

Doch nicht jeder Bürger am Kap teilt dieses Schwarz-Weiß-Denken. Denn die DA konnte ihre Wählerstimmen um 6 Prozentpunkte auf 22,23 Prozent ausbauen. Im Exklusiv-Interview mit der DA-Vorsitzenden Helen Zille wird deutlich, dass die Verbaltattacken gegen den ANC positiv wahrgenommen wurden. Der vergangene Dauerstress der Deutschstämmigen hat sich letztendlich ausgezahlt gemacht.

Die großen Verlierer hingegen sind die ANC-Splitterpartei COPE (0,67 Prozent) und die Inkatha Freedom Party (2,4 Prozent), die beide empfindliche Stimmenverluste hinnehmen mussten. COPE verlor Wähler an die EFF und die IFP entscheidende Stimmen an die eigene Splitterpartei National Freedom Party (NFP), so die erste Einschätzung eines Analysten.

Mamphela Ramphele, die als Spitzenkandidatin der DA in den Wahlkampf ziehen sollte und völlig unerwartet doch eine Kehrtwende machte, erzielte mit ihrer Agang South Africa ein peinliches Ergebnis von nur 0,28 Prozent. Sogar die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Partei African Independent Congress (AIC) schnitt besser ab als Agang.

Im südafrikanischen Unterhaus bleibt der ANC mit 249 von 400 Sitzen die stärkste Fraktion, gefolgt von der DA mit 89, die EFF mit 25 und die IFP mit 10 Mandaten. Ebenfalls werden neun Parteien einzelne Abgeordnete stellen, darunter wiederholt die Buren-Vereinigung Vryheidsfront Plus. Doch bereits jetzt wird schon darüber spekuliert, wie der ANC bei den nächsten Kommunalwahlen in zwei Jahren abschneiden könnte.

6 Antworten zu “Wahlsieg der „Linksradikalen“ in Südafrika

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  6. In der Tat, die EFF hat einen Achtungserfolg hingelegt, aus dem Stand über 6 Prozent. Ich stimme der Analyse zu, dass die Krise im Bergbau (Stichwort Marikana) dazu beigetragen hat. Julius Malema hat einen nahezu natürlichen Instinkt für politische Gelegenheiten. Er weiß, was die Leute, zu denen er gerade spricht, hören wollen. Zudem haben seine Auftritte meist Unterhaltungswert. All diese Eigenschaften sind ideal für eine populistisch orientierte Partei. Mit dem Wort „links“ oder „linksradikal“ wäre ich sehr vorsichtig. Es bleibt abzuwarten, wie die EFF ihre mit vermeintlich marxistischen Versatzstücken gespickte Rhetorik durch reale politische Taten umsetzten kann und wird. Da habe ich noch erhebliche Zweifel.
    In den Ohren junger arbeitsloser Menschen mit wenig Aussichten auf einen ordentlichen Job klingen radikal vorgetragene Versprechnungen gut. Hoffen wir, dass Malemas „Rote Barette“ im politischen Alltag reifen. Der linke Platz neben dem ANC ist gewiss vakant, denn der Spagat des Regierungsbündnisses (Tripartide Alliance) zwischen auf Maximalprofit orientiertem Kapital und konservativen Traditionalisten auf der einen, und einer zunehmend unruhiger werdenden Gewerkschafts- bzw. Arbeiterbewegung auf der anderen Seite geht auf Dauer in die Hosen.

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