Unüberhörbare Wut auf Weltfußballverband FIFA

Bevölkerung Brasiliens läuft Sturm. Viele Südafrikaner zeigen im Netz ihre Solidarität mit WM-Nachfolger

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Als die Welt vor rund vier Jahren noch zu Gast in Südafrika war, legte sich ein dunkler Schleier über das Ausrichterland der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Straßenhändler durften nicht in der Nähe der Stadien Essen und Souvenirs verkaufen, Dienstleistungen verteuerten sich drastisch und der Staat verbuchte im Enddefekt ein fiskalisches Minusgeschäft. Anders als zur Situation am Kap machen die Brasilianer ihren Unmut Luft. Die FIFA befindet sich in der größten Glaubwürdigkeitskrise seit ihrem Bestehen vor 110 Jahren.

Paulo Ito

© Von Südafrika nach Brasilien, dem Ausrichter der Fußball-WM 2014: Während vor vier Jahren der Protest am Kap eher verbal ausgetragen wurde, entlädt sich in Lateinamerika die Wut gegen die Regierung in physische Gewalt. Große Teile beider Bevölkerungen fühlen sich von der FIFA verarscht. (Quelle: Paulo Ito)

Auf mehreren Demonstrationen in Brasilia, Rio de Janeiro und São Paulo fordern die Bürger anstelle der WM-Stadien den Bau von öffentlich-sozialen Einrichtungen. Es sei schade, dass Millionensummen „verschleudert“ worden seien, um letztendlich einen Fußball hin und her zu bewegen. Das Land habe keinen volkwirtschaftlichen Nutzen von der Ausrichtung der Fußball-WM, heißt es wiederholt. Tatsächlich halten einige Ökonomen fest, dass diese These berechtigt ist.

Wolfgang Männing, Professor für Ökonomie an der Universität Hamburg, konnte bei den Effekten der WM für das betreffende Ausrichterland feststellen, dass diese mehr als bescheiden ausfallen. Allein die Imageeffekte seien wertvoll. Entgegen der Aussagen des damaligen südafrikanischen Finanzministers Pravin Gordhan, wonach die Weltmeisterschaft ein volkswirtschaftlicher Gewinn für die Republik sei, bemängeln FIFA-Kritiker das einseitige WM-Vertragsrecht zu Lasten des Gastgebers.

Die Übereinkünfte zwischen der FIFA und dem jeweiligen Fußballverband – Veranstaltungsvertrag, Pflichtenheft, diverse Richtlinien und –Zirkularen, Statuten und Reglementen – sind so ausgestaltet, dass der Weltfußballverband stets das endgültige Wort hat und beachtliche Einnahmen aus Sponsoringverträgen sowie TV-Übertragungsrechten ausschließlich der FIFA zugutekommen. Derjene, der die Ausgaben trägt, geht leer aus, während die andere Vertragspartei kaum Geld investieren muss, dafür aber kräftig abkassieren kann. Aus diesem Grund sei Brasilien schon vor Beginn der WM der eigentliche Verlierer des internationalen Sportspektakels, erklärt ein Kritiker.

Zusätzlich dominieren Negativschlagzeilen die intransparenten Vergabeverfahren. So konnte mittlerweile bewiesen werden, dass der WM-Ausrichter 2022, das arabische Königreich Katar, mehrere Funktionäre der FIFA mit Millionensummen bestochen hatte. Außerdem steht Katar in der Kritik, die meist ausländischen WM-Arbeitskräfte wie Sklaven zu behandeln und arbeitsschutzrechtliche Grundsätze bewusst zu missachten.

Desweiteren ist bekannt geworden, dass mindestens fünf Spiele vor Beginn der Fußball-WM 2010 nicht fair abliefen. So erhielt der Schiedsrichter der Begegnung Südafrika und Guatemala größere Bestechungsgelder. Von einer eindeutigen Spielmanipulation ist die Rede, heißt es in einem unveröffentlichten FIFA-Report, der der renommierten Zeitung New York Times vorliegt.

Unterdessen zeigen sich viele Südafrikaner mit den Protestierenden in Brasilien solidarisch. In den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik an den Weltfußballverband mit Sitz in der Schweiz. Allerdings halten sich die südafrikanischen Journalisten mit kritischen Äußerungen im Hinblick auf die Geschäftsgebaren der FIFA bislang zurück. Spätestens zum Beginn der Fußball-WM in Brasilien dürfte der öffentliche Aufschrei auch die Presse am Kap nicht mehr kalt lassen.

2 Antworten zu “Unüberhörbare Wut auf Weltfußballverband FIFA

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