Bundesamt für Naturschutz empfiehlt Trophäenjagd

Bundesbehörde für Artenschutz spricht sich für Tierjagd in Afrika aus – Skandal und Widerspruch zugleich

(Autor: Ghassan Abid)

Die Öffentlichkeit kocht in diesen Tagen vor Wut. Nachdem die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ als erstes deutschsprachiges Medium über die US-Tierjägerin Kendall Jones berichtete, ist im Netz ein regelrechter Shitstorm gegen die Texanerin losgetreten worden. Die junge Blondine hat mehrere vom Aussterben bedrohte Wildtiere des Spaßes wegen getötet, darunter Raubkatzen, ein Elefant und Nashorn. Dabei ist der eigentliche Skandal in der deutschen Artenschutzpolitik zu finden – und bislang unbemerkt.

Barbara Hendricks (Bundesumweltministerin), Beate Jessel (BfN-Präsidentin)

© Kendall Jones handelt nach dem Verständnis des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) völlig richtig, wenn sie in Simbabwe vom Aussterben bedrohte Tiere des Spaßes wegen tötet. Allerdings sprach sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks [im Bild links] in einem Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ gegen die Trophäenjagd aus. Wer hat nun Recht – die Ministerin oder die Naturschutzbehörde unter der Leitung von Beate Jessel [im Bild rechts]? (Quelle: BfN)

Das Bundesamt für Naturschutz hält auf seiner Homepage zum Thema Trophäenjagd fest: „Aus naturschutzfachlicher Sicht kann die Jagd auf gefährdete Tierarten in Einzelfällen akzeptiert werden, sofern neben den notwendigen gesetzlichen Regelungen und deren strikter Umsetzung eine Reihe von Mindestanforderungen an die jeweilige jagdliche Nutzung erfüllt ist.

Die Bundesbehörde beruft sich dabei auf praktische Erfahrungen aus Simbabwe, Pakistan und Südafrika, wonach die Trophäenjagd gefährdeter Wildtiere dazu geführt haben soll, dass die Wilderei abgenommen und Schutzgebiete ausgeweitet werden konnten. Zu den Vorteilen zählen, dass die Trophäenjagd direkte Vorteile für den Naturschutz vor Ort bringen und die einheimische Bevölkerung von der Tierjagd profitieren würde.

Zudem kommt das Bundesamt für Naturschutz zur Schlussfolgerung, dass der Wert von Wildtieren für die lokale Bevölkerung gesteigert werden würde, wenn Tierjäger ihrer Schießlust nachgehen können. Hingegen kommt die Erörterung der Nachteile zur Trophäenjagd auf der Homepage der staatlichen Artenschützer deutlich zu kurz. Der einzelne User kriegt schnell den Eindruck vermittelt, als würden die Vorteile der kommerziellen Jagd die Nachteile überwiegen. Eine kritische Auseinandersetzung bleibt aus.

BfN

© Der Inhalt zur Trophäenjagd auf der Homepage des Bundesamtes für Naturschutz wirft Fragen auf, inwieweit diese Informationen objektiv und zuverlässig sind. Denn die Nachteile der kommerziellen Tierjagd in afrikanischen Staaten wie Südafrika kommen deutlich zu kurz. (Quelle: Screenshot BfN)

Dabei sind die Angaben der Behörde mit Vorsicht zu genießen. Denn mehrere namhafte Tierschutzorganisationen kritisieren klipp und klar die Trophäenjagd. Der „World Wide Fund For Nature (WWF)“ untermauert seine grundsätzliche Ablehnung des „Abschießens von Tieren in Gehegen, sogenanntes Canned Hunting“. In Simbabwe und Südafirka trifft genau diese Gegebenheit in vielen Fällen zu. In Reservoirs werden die Tiere mit dem Ziel des Tötens gehalten.

Eindeutiger wird die Heilbronner „Initiative zur Abschaffung der Jagd“ unter der Leitung des Biologen Kurt Eicher, die die ökonomischen Hintergründe zur Akzeptanz der Trophäenjagd beleuchtet. Demnach ist die Jagd auf die legendären Big Five – Löwe, Leopard, Büffel, Nashorn und Elefant – besonders beliebt. In Südafrika hat sich ein entsprechender Wirtschaftszeig entwickelt, der viel Geld für die Unternehmer und wertvolle Devisen für den Staat einbringt.

Demnach kostet eine 21-tägige Elefanten- und Raubkatzenjagd rund 40.000 Euro. Der Abschuss eines Elefanten bringt den Unternehmern rund 29.000 Euro in Simbabwe, 39.000 Euro in Namibia und bis zu 50.000 Euro in Tansania ein. Grundsätzlich jedoch werden die Preise für das Töten von bedrohten Tieren sehr verschwiegen behandelt, um keinen öffentlichen Aufschrei – wie es aktuell der Fall ist – aufkommen zu lassen und somit staatliches Handeln zu riskieren.

Letztendlich überrascht die Empfehlung des Bundesamts für Naturschutz, da genau diese Einschätzung – die auch teilweise in der wissenschaftlichen Diskussion zur Trophäenjagd ihren Niederschlag gefunden hat – Personen wie Kendall Jones oder Melissa Bachman Recht gibt. Dabei verurteilte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in einem Interview mit der Redaktion den Jagdtourismus in Südafrika. Das Ministerium sollte dringend die Kommunikation mit der ihr nachgeordneten Naturschutzbehörde aufsuchen.

13 Antworten zu “Bundesamt für Naturschutz empfiehlt Trophäenjagd

  1. Pingback: Welt-Artenschutzkonferenz in Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Pingback: 17. Welt-Artenschutzkonferenz in Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  3. Für die Tiere ist es egal, ob sie von Wilderer oder Jäger getötet werden, die einen töten für Geld, die anderen zum Spaß. Wenn die Jäger behaupten,dass sie in Wirklichkeit große Beiträger zum Artenschutz sind, dann frage ich mich, wieso in Europa viele Tiere ausgestorben sind? Es ist bekannt, dass hierbei auch die Jäger beteiligt waren. Warum haben sie die“Arten“ nicht geschützt? Jeder Elefant, Nashorn und co, die heute abgeschossen werden, ist einer zuviel. Ich frage mich, wenn alle Tiere ausgestorben sind, was dann die Wilderer und Jäger abschießen werden…….. Übrigens bin ich der Meinung, dass nicht die Tiere „rasant“ sich vermehren, wie Herr Thomas Schneider behauptet, sondern nur der Mensch, aber dies ist nur den klar denkenden Menschen bereits bekannt!

  4. Pingback: John X Safaris veröffentlicht Skandal-Video | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  5. Pingback: Brutales Video zur Trophäenjagd in Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  6. Hat dies auf tiersl rebloggt und kommentierte:
    P R O T E S T Etwas Anderes kann es hier nicht geben. Die Begründungen des BMUB eine Ungeheuerlichkeit.

  7. Trauernde Gepardin um ihr Junges

    Warum jagt ihr Scheißmenschen euch nicht selber?
    Lasst uns Tiere in Ruhe! – Wir brauchen euch Menschen nicht! Ihr, die ihr euch wie Ungeziefer vermehrt und uns Tiere kaum noch Lebensraum bleibt.
    Wenn ihr Scheißmenschen nicht mehr da seid, tanzen und springen wir Tiere vor Freunde und rufen und singen: „Hurra!“

  8. F. J. Schneider

    Ich würde gerne das Interview mit Frau Hendricks lesen, wenn darauf schon die ganze Zeit verwiesen wird! Peinlich…

  9. Pingback: Kendall Jones entzweit Öffentlichkeit | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  10. „In Reservoirs werden die Tiere mit dem Ziel des Tötens gehalten.“
    Das ist ja grotesk! Tiere zu züchten und zu halten, alleine mit der Absicht diese dann zu Töten und dann sogar noch die Überreste zu verwerten und zu vermarkten!
    Sarkasmus beiseite:
    Wir machen es doch genauso mit unseren Nutztieren hier in Deutschland…
    Der Unterschied ist nur, dass es den Tieren hier um einiges schlechter geht, weil sie auf engstem Raum gehalten werden. Währenddessen haben die Tiere in den Reservoirs Freilauf und einiges an Platz.
    Die Tötung findet hier zudem Industriell statt, LKW-Weise werden Tiere mit ensprechenden maschinellen Vorrichtungen getötet. In Afrika läuft das halt mehr oder weniger vereinzelt mit Gewehren statt.
    Ich sehe diese Jagd weniger kritisch an. Es ist doch besser speziell gezüchtete Tiere zu jagen als in das natürliche Vorkommen dieser Tiere einzugreifen. Es ist im Endeffekt das gleiche wie unsere Nutzviehzucht zur Lebensmittelproduktion nur dass die afrikanischen Tiere ja so majestätisch Aussehen und niedlicher sind als Rinder, Hühner oder Schweine. Über soetwas ist die Aufregung dann ganz groß.

    • Sie haben im Grundsatz recht. Aber weil das eine schlecht ist (Massentierhaltung), ist das andere (Jagd) deshalb noch lange nicht gut. Schon gar nicht, weil die Jagd vornehmlich niedere Instinkte gelangweilter Industriestaatenbewohner befriedigt. Und wofür braucht man Trophäen, ausser als Prothesen für emotional gestörte Menschen ohne wirkliches Selbstwertgefühl? Für die Jagd gibt es keinerlei moralische Rechtfertigung. Genausowenig wie für die Massentierhaltung.

    • Thomas Schneider

      Ich sehe das im grundegenommen genauso wie Sie und gebe daher auf der Naturschutzbehörde Recht. Bin selbst am Artenschutz interessiert und leiste immer wieder Praktikumsarbeit in einem National Park in Südafrika wo man mich inzwischen schon gut kennt. Zu diesem Artikel bin ich nur durch Zufall gekommen weil ich ihn unter den Antworten zu einem Artikel über Wilderei in Südafrika gesehen habe, welche das eigentliche Problem für die Natur und Artenvielfalt ist. Leider Gottes reist es wie man auch hier sehen kann nicht ab dass sehr viele der Tierfreunde und auch Artenschützer ein Augenmerk auf die falschen Aktivitäten legen und die falschen leute beschuldigen(Jäger, Fischer) welche in Wirklichkeit große Beiträger zum Artenschutz sind. Wie sie schon erwähnten ist es wesentlich besser gezüchtete Tiere in Reservoirs zu jagen, die meisten Reservoirs dort sind ja auch nicht mit den Gehegen bei uns hier zu vergleichen so dass man nicht von Gefangeschaft sprechen kann, als in das natürliche Vorkommen der Tiere in freier wildbahn oder den national parks permanent zusätzlich einzugreifen was ja im moment eh schon so und so in zu großem maße durch die wilderer passiert. Und das ist nun mal das hauptproblem, die wilderei nicht das jagen. Es stimmt in der Tat dass durch die Jagderlaubnis der Artenschutz angekurbelt wurde und Südafrikas Wildtiere seitdem mehr und mehr geworden sind , ich sage dass nicht weil ich es hier von der deutschen naturschutzbehörde gelesen habe sondern auch unsere Game Guides und der Lodge Manager in dem Park wo ich immer wieder Volontärarbeit leiste haben mir vor einigen Jahren schon das Gleiche gesagt. darum bin ich mir da auch sicher, denn diese Leute sind in dieser Welt aufgewachsen und die kennen sich daher hier wirklich aus, mehr als irgendwelche Profit Naturschutzorganisationen aus Übersee. Früher war ich auch total gegen den Jagdtourismus bis ich dann die ersten male nach Südafrika gekommen bin und dort in den National Parks auch Jäger getroffen habe und kann seitdem nur sagen eine wenn nicht sogar die meistnaturverbundene Gruppe von Menschen die ich je getroffen habe. JEDER von denen ist für harte Maßnahmen gegen Wilderei. Der Jagdtourismus trägt insofern zum Artenschutz bei da das Wild durch den Tourimus der viel Geld einbringt den Tieren eben einen Wert gibt und wie schon im Artikel erwähnt auch der lokalen bevölkerung einen nutzen bringt als ausreichendes Nahrungsmittel und auch Jobs in den Game Lodges wie auch zum Teil bei den normalen Fotosafaris. Leute sollten das mal bedenken bevor sie so gegen die Jagd ausschreien. Kenia hat seit 1977 als Jagen verboten wurde fast all seinen Wildbestand verloren welches Verbot auf Druck von Internationalen Tierrechtlern gekommen ist. Die Leute blieben arm, hatten und haben wenig zu essen, vom wild profitieren sie nicht mehr und beide Seiten(Tier und Mensch) vermehren sich rasant dadurch kommt es zu Konflikten weil auch kein Management zur Regulierung an Wildbestand besteht und immense Wilderei hat eingesetzt, eben beim natürlichen Vorkommen der Tiere. Und genau das ist das Problem. Wenn es hierum geht muss ich schon sagen dass man wirklich unterscheiden muss zwischen der Nutztierzüchtung und Tötung hier und der Wilderei im natürlichen Lebensraum der Tiere da Nutztiere eben dazu gezüchtet werden um gegessen zu werden und es von denen eine ganz andere Anzahl gibt als viele Wildtiere. Aber dazu und darüber habe ich auch in den letzten monaten viel zu dem thema auf facebook seiten mit anderen leuten diskutieren eignet sich eben die gleichermaßen Züchtung und Verwertung von Wildtieren in privaten Reservaten um dieses Problem im natürlichen Lebensraum so gut wie möglich einzudämmen. Leider sind viele Leute falsch informiert und denken es ist etwas gutes den legalen und kontrollierten handel sowie eingriff in die natur(jagen, fischen) total zu verbieten und dass wenn man wo etwas zu dem Thema Wilderei ließt sofort irgendwelche verlinkenden Artikel vom Jagen findet,wobei eigenartiger weise kaum irgendwelcher Kommentare bei den Artikeln über Wilderei welche das Problem darstellt von Tierliebhabern zu finden sind aber wohl bei der kontrollierten Jagd. Jagd und Wilderei sind 2 total unterschiedliche Sachen mit total unterschiedlichen Auswirkungen auf die Natur, das ist was Menschen einmal begreifen müssen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s