14 Trainer in 22 Jahren – who‘s next?

Auf der Suche nach einem neuen Trainer für Südafrikas Fußball-Nationalmannschaft Bafana Bafana

(Autor: Johannes Woywodt)

Ein Schleudersitz ist dieser Arbeitsplatz. Interessenten – momentan nur Wenige. Während momentan in Brasilien ein neuer Fußballweltmeister gesucht wird, muss sich der südafrikanische Fußballverband mit einer dringenderen Frage beschäftigen, die einer noch schnelleren Antwort bedarf: Wer wird neuer Nationaltrainer? Kein Posten im südafrikanischen Fußball verfügt über eine solche Halbwertszeit. 

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© Südafrika ist zurzeit auf der Suche nach einem neuen Trainer für die Fußball-Nationalmannschaft Bafana Bafana. Allerdings erweist sich dieser Prozess als eine ernstzunehmende Herausforderung. Denn die Zahl der Interessenten ist äußerst übersichtlich. (Quelle: flickr/ topshare)

Seit dem Ende der Apartheid und der sportpolitischen Isolation Südafrikas versuchten sich 14 verschiedene Trainer auf dem Posten des Nationalcoachs. Manche davon sogar mehrmals wie Ephraim Mashaba oder Carlos Alberto Parreira. 14 Trainer in 22 Jahren – schneller kann sich ein Trainerkarussell nicht mehr drehen. Solange die Resultate erfreulich waren, schienen die ständigen Wechsel keine Folgen zu haben. Seit 2004 jedoch fehlen diese guten Ergebnisse. Verpasste Qualifikationen zu den Weltmeisterschaften 2006 und 2014 sowie schwache Leistungen bei verschiedenen kontinentalen Wettbewerben wie dem Africa Cup of Nations oder der Championship of African Nations haben die Unterstützung der Fans arg gebeutelt.

Die Reaktionen auf diese Entwicklung seitens des südafrikanischen Fußballverbandes (SAFA) waren vorhersehbar und wenig kreativ. Nach jedem Misserfolg mussten die Trainer gehen. In der Regel alle zwei Jahre. Coach folgte auf Coach. Jeder mit einer neuen Vorstellung vom Fußball. Es fehlte an Stabilität und einer grundsätzlichen Spielphilosophie. Gleiches beklagte unlängst der ehemalige Spielmacher der Bafana Bafana, Steven Pienaar. Besonders die Integration und der Aufbau jüngerer Spieler wären unter den ständigen Personenrocharden vernachlässigt worden, so der 32-Jährige, der im Oktober 2012 seinen Rücktritt bekannt gab.

Nun also ein neuer Versuch, nachdem der Vertrag mit Gordon Igesund nicht verlängert wurde. Wieder soll alles besser werden. Jüngere und hungrige Spieler sollen über die nächsten Jahre aufgebaut werden und Bafana Bafana somit eine dringend benötigte Frischzellenkur verabreichen. Doch werden die Verantwortlichen um SAFA-Präsident Danny Jordaan diesen Weg auch dann noch weitergehen, wenn die schnellen Erfolge ausbleiben? Wird dann erneut eine Perspektive dem kurzfristigen Erfolg untergeordnet?

Die aussichtsreichsten Anwärter auf den Posten als südafrikanischer Nationaltrainer sind gerade bei der Weltmeisterschaft zu sehen. Beide kämpften mit ihren Mannschaften in derselben Gruppe um den Einzug in das Achtelfinale: Carlos Queiroz mit dem Iran und Stephen Keshi mit Nigeria, wobei Letzterer den Sprung mit den „Super Eagles“ schaffte. Der in Mosambik geborene Portugiese Queiroz gab bereits während des laufenden WM-Turniers bekannt, seinen Vertrag mit dem iranischen Verband nicht verlängern zu wollen. Trotz der erfolgreichen Arbeit hätte er Lust wieder ein afrikanisches Team zu übernehmen.

In Südafrika ist, der für seine erfolgreiche Arbeit mit portugiesischen Jugendnationalmannschaften bekannte Queiroz kein Unbekannter. Bereits von 2000 bis 2002 war er südafrikanischer Nationaltrainer und schaffte mit der Bafana Bafana die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Vor Beginn der Weltmeisterschaft trat er jedoch nach Streitigkeiten mit SAFA zurück. Von 2002 bis 2008 arbeitete Queiroz als Co-Trainer an der Seite von Sir Alex Ferguson bei Manchester United mit Ausnahme eines zehnmonatigen Intermezzo als Cheftrainer bei Real Madrid. Im Anschluss gelang ihm zunächst die Qualifikation mit Portugal für die WM 2010 in Südafrika und nun mit dem Iran für Brasilien. Was für eine Verpflichtung von Queiroz spräche, dass er bereits in Südafrika arbeitete und sich darüber hinaus einen sehr guten Ruf als Jugendtrainer erworben hat. Er könnte somit den überfälligen Umbau mit jungen Perspektivspielern vollziehen.

Der ehemalige nigerianische Verteidiger Stephen Keshi hingegen könnte seine Erfahrung als Spieler sowie als Trainer anderer afrikanischer Nationalmannschaften einbringen. Nach Stationen in Togo und Mali trainiert Keshi seit 2011 die Fußballnationalmannschaft Nigerias, mit der er 2013 den Africa Cup of Nations gewann und nun das Achtelfinale bei der diesjährigen Weltmeisterschaft erreichte. Keshis Vertrag läuft zwar noch bis zum Dezember 2015, doch er selbst hatte bereits angekündigt, dass ihm andere lukrative Angebote vorlägen.

Von Seiten des südafrikanischen Fußballverbandes kamen bisher zu beiden Personalien nur Dementi. Auch wenn sich SAFA bei der Besetzung des Nationaltraineramtes zu Recht Zeit nehmen will, eine baldige Lösung muss kommen. Spätestens in den ersten Juliwochen muss eine Entscheidung getroffen sein. Dann bliebe dem neuen Coach von Bafana Bafana noch knapp zwei Monate, um ein neues Team zusammenzustellen, das am 5. September in die Qualifikation zum Africa Cup of Nations startet.

In drei Heim- und Auswärtsspielen müssen sich die Südafrikaner mit Nigeria, dem Sudan und Ruanda oder der Republik Kongo messen. Nur die ersten beiden Mannschaften qualifizieren sich für die kontinentale Meisterschaft, die im Januar 2015 in Marokko stattfindet. Viel entscheidender jedoch wird es sein, den nötigen Umbau der Nationalmannschaft voranzubringen und dabei Rückschläge mit einzuplanen.

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