Zugunglück bei Durban fordert 80 Verletzte

Zwei Passagierzüge kollidieren. Sicherheitsdebatte über Südafrikas marodes Bahnnetz ist entbrannt

(2010sdafrika-Redaktion)

Rund zwei Millionen Menschen in Südafrika nutzen regelmäßig das Schienennetz. Große Pendlerströme sind zwischen den Townships und den Metropolen zu beobachten, vor allem in den Gegenden von Johannesburg, Pretoria, Kapstadt, Port Elizabeth und Durban. Die kürzliche Kollision zweier Züge bei Durban mit bis zu 80 Verletzten hat die Debatte um die Bahnsicherheit erneut entfacht. Denn Zugunglücke sind am Kap keine Seltenheit. Das staatliche Bahnunternehmen Prasa steht seit Jahren in der Kritik.

Keith Owen

© Der jüngste Bahnunfall mit 80 Verletzten bei Durban verdeutlicht, dass das Schienennetz Südafrikas weiterhin große Mängel aufweist. Immer wieder kommt es zu ernsten Zwischenfällen im Bahnverkehr. (Quelle: flickr/ Keith Owen)

Die südafrikanischen Züge werden meist von sozialschwachen Personen in Anspruch genommen. Weiße und wohlhabende Bürger meiden in aller Regel den Zugverkehr. Die Behörden erklärten bereits mehrfach, dass der Bahnverkehr für die Passagiere eine Gefahr darstelle. Kriminalitätsvorfälle in den Waggons kommen immer wieder vor. Auch das Auswärtige Amt rät vom Bahnverkehr in den Vororten südafrikanischer Großstädte ab. Wer ein Auto besitzt, solle lieber mit diesem Transportmittel unterwegs sein.

Dabei ist das größere Problem der schlechte Zustand des südafrikanischen Bahnverkehrssystems. Zwar erhielt der deutsche Konzern Siemens im Dezember 2013 den Großauftrag, die Bahnstrecken in Pretoria und Johannesburg mit deutscher Signaltechnik zu modernisieren, doch bleiben gravierende Mängel am Kap nach wie vor bestehen.

Immer wieder wird Prasa, dem staatlichen Bahnunternehmen, vorgeworfen, die Mängel nicht umfassend zu beheben und der Öffentlichkeit keine Transparenz in der eigenen Wartungsarbeit zu gewähren. Dabei belegen mehrere Zugunfälle in der Vergangenheit, dass ein Umdenken bei Prasa angebracht ist. Doch das Gegenstück zur Deutschen Bahn zeigt sich stur. Ebenfalls hat sich das Ministerium für öffentliche Unternehmen nicht unbedingt mit entschlossenem Handeln hervorgetan.

Das schlimmste Zugunglück Südafrikas ereignete sich am 6. Februar 2002 in Charlotte´s Dale, als 22 Personen – darunter 16 Schulkinder – starben, nachdem ein Passagierzug in einen Güterzug hineinkrachte. Auch am 31. Januar 2013 krachten zwei Passagierzüge bei Pretoria ineinander. Über 300 Personen, darunter etliche Kinder, wurden teilweise schwerverletzt. Schlimmer fiel ein Unfall am 21. April 2010 aus, als ein Zug in Pretoria entgleiste und drei Todesopfer forderte. Der jüngste Zwischenfall bei Durban ging im Vergleich zu den bisherigen Unfällen glimpflich aus.

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