Rassistisch beschimpft, geschlagen und verletzt

Strafprozess in Halle (Saale): Südafrikanisches Opfer trifft auf rechtsextremistischen Täter

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 3. Januar 2013 berichtete die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ über einen mutmaßlichen Angriff mehrerer Rechtsextremisten auf einen 35-jährigen Südafrikaner, der sich am Neujahrstag in Halle (Saale) ereignete. Von der Presse blieb die Tat weitgehend unbeachtet. Am 24. Juli, rund eineinhalb Jahre später, beginnt nun der Prozess am dortigen Amtsgericht, wie die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt die Redaktion informierte.

Halle

© Am Neujahrstag 2013 ereignete sich in Halle an der Saale eine Gewalttat gegen einen Südafrikaner. Mehrere rechtsextreme Personen sollen den schwarzen Mitbürger fremdenfeindlich beleidigt, attackiert und verletzt haben. Am 24. Juli steht nun einer der mutmaßlichen Täter vor Gericht. (Quelle: flickr/gynti_46)

Vor dem Schöffengericht wird der dunkelhäutige Südafrikaner auf seinen mutmaßlichen Täter, einen 25-jährigen Hallenser, treffen. Die Staatsanwaltschaft Halle wirft dem bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getretenen und wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen vorbestraften Angeklagten gefährliche Körperverletzung vor. Konkret soll er den mittlerweile 36-Jährigen zunächst rassistisch beleidigt und später mit einer Bierflasche verletzt haben.

Daraufhin erlitt der Südafrikaner mehrere schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen. Zudem verlor er etliche seiner Zähne. Das Opfer konnte sich unter starker Blutung in das nächstgelegene Polizeirevier retten. Allerdings wollte die Polizei eine damalige Anfrage der Redaktion, ob es sich um eine rassistische Tat handelte, weder bestätigen noch dementieren. René Richter, Polizeisprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd, teilte mit, dass keine weiteren Details bekannt gegeben werden können, „da die polizeilichen Ermittlungen hierzu noch andauern“.

Erst nachdem das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt die Ermittlungen übernommen hatte, ist diese als politisch rechts motivierte Tat eingestuft worden. Das Opfer hatte gegenüber den Kripobeamten ausgesagt, dass er am Neujahrstag von mehreren Personen angegriffen wurde. Dennoch hat die zuständige Staatsanwaltschaft nur gegen eine Person Anklage erhoben, was zur Folge hat, dass sich dieser nicht wegen einer gemeinschaftlich begangenen Tat zu verantworten hat. Mit einem Urteil wird noch am Tag des Prozessauftakts gerechnet, so die Mobile Opferberatung.

Unterdessen ist der Redaktion mitgeteilt worden, dass auch am 23. Mai im Stadtpark und am 18. Juni 2012 auf der Peißnitzinsel ein südafrikanischer Staatsbürger von mehreren Rechtsextremen in Halle angegriffen worden sein soll. Die Hintergründe dieser Vorfälle gelten bisweilen als ungeklärt. Es erhärtet sich der Eindruck, dass die Stadt einer rechtsextremistischen Szene mit hohem Gewaltpotenzial ausgesetzt ist.

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