Waffenembargo gegen Israel gefordert

Südafrikas Intellektuelle fordern Sanktionen gegen jüdischen Staat. Zehntausende gehen auf die Straßen

(2010sdafrika-Redaktion)

In diesen Tagen erreicht das Image Israels in Südafrika einen neuen historischen Tiefstand. Während in Johannesburg und Kapstadt nach Angaben der Organisatoren rund 40.000 Menschen auf die Straße gingen, um ein Ende der israelischen Offensive in Gaza zu verlangen, melden sich nun auch die südafrikanischen Intellektuellen zu Wort. Sie fordern, dass die internationale Gemeinschaft ein Waffenembargo gegen den jüdischen Staat verhängen sollte. Die Persönlichkeiten sehen sich in der Tradition Nelson Mandelas.

Books Live

© In Südafrika hat sich seit Jahren eine erfolgreiche Pro-Palästina-Kampagne entwickelt, der zahlreiche Intellektuelle wie der Nobelpreisträger Desmond Tutu angehören. Bereits in den 1990er-Jahren hatte sich Nelson Mandela als Freund der Palästinenser bezeichnet und die Freiheit Südafrikas vom Schicksal der Araber abhängig gemacht. (Quelle: flickr/ Books Live)

Der Nobelpreisträger und ehemalige anglikanische Erzbischof Desmond Tutu, die Schriftstellerin Gillian Slovo, Südafrikas Ex-Botschafter in Israel Ismail Coovadia, das ehemalige Verfassungsgerichtsmitglied John Dugard, der Ex-Geheimdienstminister Ronnie Kasrils und der Gewerkschaftschef Zwelinzima Vavi unterzeichneten eine internationale Erklärung, die ein Waffenembargo gegen Israel fordert.

Es könne nicht sein, dass Israel auf seine militärischen Kapazitäten zurückgreife, um die in der Gefangenschaft lebende Bevölkerung Gazas zu attackieren, so die Kernaussage der Erklärung. „Wir rufen die Vereinten Nationen und die Regierungen auf der ganzen Welt dazu auf, unverzügliche Maßnahmen zu ergreifen, um ein umfassendes und rechtsverbindliches Militärembargo gegen Israel – ähnlich wie gegen das Südafrika der Apartheid – zu verhängen.

Zu den Unterzeichnern findet sich auch eine Vielzahl britischer Persönlichkeiten, nachdem sich Mitglieder des Parlaments in London in einer öffentlichen Sitzung vom 14. Juli für eine härtere Gangart gegenüber Tel Aviv aussprachen. Das Leid der palästinensischen Bevölkerung müsse unverzüglich gestoppt werden, war wiederholt aus dem britischen Unterhaus zu hören.

Britisches Parlament fordert Maßnahmen gegen Israel

Infolge der einstigen Kollaboration zwischen Israel und dem Apartheidregime steht der jüdische Staat am Kap bisweilen in der Kritik. Der israelische Botschafter in Südafrika, Arthur Lenk, muss sich immer wieder erklären, warum seine Regierung mit militärischen Mitteln gegen die Hamas und andere Organisationen vorgeht. Dabei wird Israel im südlichen Afrika längst als zweites Apartheidregime und Besatzungsmacht bezeichnet.

Erst vor wenigen Tagen verglich der ANC die aktuelle Gaza-Offensive Israels mit den „Gräueltaten von Nazi-Deutschland“. Die in Südafrika lebende jüdische Minderheit zeigte sich empört. Im November 2013 hielt Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane öffentlich fest, dass die Unabhängigkeit Palästinas zur Staatsräson in Pretoria erklärt wird. Im Vorfeld hatte sich Handelsminister Rob Davies dafür eingesetzt, dass Produkte aus den besetzten Gebieten mit einem diesbezüglichen Label versehen und nicht wie bisher mit „Made in Israel“ importiert werden sollen. Ferner meiden südafrikanische Regierungsmitglieder Staatsbesuche in Israel, solange die Palästinenser besetzt gehalten werden.

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Hingegen ist in den sozialen Medien immer wieder das bekannte Zitat Nelson Mandelas zu lesen, der im Jahr 1997 sagte: „Wir wissen nur zu gut, dass unsere Freiheit ohne die Freiheit der Palästinenser unvollständig ist.“ In den USA ist Mandela während eines Staatsbesuchs massiv kritisiert worden, nachdem er sich als Freund der Palästinenser zu erkennen gab und seine Kritik gegenüber Israel als richtig und wichtig bezeichnete.

4 Antworten zu “Waffenembargo gegen Israel gefordert

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  3. Ich möchte gern einmal wissen, wie Südafrikas Intellektuelle reagieren würden, wenn ein Nachbarstatt damit beginnt, hunderte von Raketen auf Südafrikanisches Terretorium zu schießen. Waffenembargo gegen Südafrika?

    • Das wird Südafrika nicht passieren, da man aus der Vergangenheit gelernt und keine Menschen aufgrund ihrer Rasse unterdrückt. Die von Ihnen erwähnten „hundert“ Raketen die Richtung Israel geschossen würde. stehen in keiner Relation zur Reaktion des Staates Israel, ohne diesem das Recht auf Selbstverteidigung vorenthalten zu wollen. Ihr Vergleich hinkt somit

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