Berlins Rocker und ihre Anziehungskraft

Enttäuschte, identitätssuchende und anerkennungsbedürftige Migranten* beim Hells Angels MC

(2010sdafrika-Redaktion)

– Hells Angels-Spezial –

Die Berliner Hells Angels mit einen Personenpotenzial von rund 450 Anhängern genießen in den von Migranten und Ausländern bewohnten Kiezen – in Reinickendorf, im Wedding und in Neukölln – bei etlichen jungen Menschen ein hohes Ansehen. In Cafés, Fitnessstudios und Händlergeschäften treffen Rocker und Jugendliche regelmäßig aufeinander. „Die Rocker geben uns ein gutes Gefühl“, bekräftigt ein Deutsch-Türke seine Sympathie zum Klub. Ebenso hat der Red Devils MC, eine Supportergruppierung der Höllengel, den Anteil seiner ausländischen Mitglieder erhöht, so eine Information aus dem Rockermilieu.

HA

© Der Hells Angels MC (HAMC) Berlin ist zurzeit in drei Charter organisiert. Der Supporterclub der Höllenengel, der Red Devils MC, unterhält dafür sieben Charter allein in der Hauptstadt. Beide Gruppierungen ziehen junge Menschen mit Migrationshintergrund an. Kadir Padir [rechts im Bild] und Ibrahim K. [links in Bild] führten die türkischstämmigen Rocker an. Beide öffneten den HAMC für Migranten. (Quelle: Privat)

Doch was treibt junge Menschen dazu, sich der Organisierten Kriminalität – wie die Behörden den Hells Angels MC einstufen – anzuschließen. Diese Frage kommt in der öffentlichen Diskussion immer wieder auf. Mehrere Gründe können hierbei aufgeführt werden. Eines der Hauptmotive ist die eigene Identitätssuche. Ehre, Respekt und Bruderschaft spielen in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle. Die Hauptstädter Hells Angels unter der Führung von Kadir Padir boten genau dieses Klima.

Wer sich von der deutschen Mehrheitsgesellschaft missachtet fühlt, der zeigt eine höhere Bereitschaft für das Rockermilieu. In der Extremismusforschung gilt die These als bestätigt, wonach gesellschaftlich ausgegrenzte Personen auf der Suche nach einer neuen sozialen Heimat sind und letztendlich in die falschen Kreise geraten können – dies ist im salafistischen Umfeld zu beobachten. Diese Erkenntnis lässt sich auf die Rockerszene analog anwenden. „Die Menschen fühlen sich nicht mehr wohl“, sagt ein aus Pakistan stammender junger Mann, der es satt hat, sich mit Vorurteilen auseinandersetzen zu müssen. „Ich werde mit scheiß Kanacke und scheiß Ausländer beschimpft“, so der Neuköllner mit deutlich erkennbarer Frustration weiter.

Zudem haftet am Rockerklub der Ruf, mit Stärke in der Öffentlichkeit aufzutreten und auf diese Weise Durchsetzungsstärke zu zeigen. Diese Herangehensweise der Interessensdurchsetzung wird vorbildhaft zur Kenntnis genommen. Ferner gibt es genug Einzelpersonen, die es geschafft haben, im Rahmen ihrer Rockermitgliedschaft zu schnellem Geld zu kommen. Und der ein oder andere Nachwuchs erhofft sich mit dem Image eines kapitalstarken Bad Boys eine höhere Erfolgsquote bei den Frauen.

Ibrahim K.

© Ibrahim K., besser bekannt als „Ibo“, zählte mit Kadir Padir zu den führenden türkischstämmigen Höllenengel in der deutschen Bundeshauptstadt. Während Padir in Untersuchungshaft sitzt, wird nach seinen Stellvertreter Ibrahim K. weiterhin gefahndet. Die Ermittler vermuten, dass er sich in der Türkei versteckt hält. Zudem kursiert die Information, dass er kürzlich angeblich in Berlin gesehen worden sein soll. (Quelle: Privat)

Allerdings schaffen es nur wenige Personen als Member in den MC aufgenommen zu werden und die begehrte Kutte tragen zu dürfen. Rocker und junge Migranten eint in vielen Fällen der Hass auf die Polizei, den deutschen Staat und teilweise auch auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Dementsprechend lässt sich die Zahl der tatsächlichen Höllenengel-Sympathisanten längst nicht mehr beziffern.

Aktuell sind die Hells Angels in die drei Vollcharter HAMC Berlin, HAMC East District und HAMC Nomad gegliedert. Sie verfügen über kein eigenes Clubhaus, sondern unterhalten lediglich Verkehrslokalitäten. Darüber hinaus hat der Hells Angels MC East Area mit Sitz in Potsdam seinen Wirkungskreis auch auf Berlin entfaltet, heißt es aus Polizeikreisen auf Anfrage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“.

Umso größer aufgestellt ist der Red Devils MC als Supportergruppierung der Höllengel, der derzeit über sieben Charter in Berlin verfügt. In zwei Clubhäusern – in Weißensee und Treptow-Köpenick – residieren sie, so die jüngste Beobachtung der Ermittler. Rockerexperten bei der Polizei spekulieren bereits, dass die verstärkte Aufnahme von jungen und älteren Migranten zu einer ernsten Zerreißprobe innerhalb des Hells Angels MC führen wird.

* Anmerkung der Redaktion: Mit dem Begriff „Migrant“sind die Deutschen mit Migrationshintergrund gemeint und keineswegs die Einwanderer. Zur besseren Lesbarkeit des Artikels ist bewusst dieser Terminus gewählt worden.

2 Antworten zu “Berlins Rocker und ihre Anziehungskraft

  1. Pingback: „Kassra Z. lieferte wertvolle Ermittlungsinhalte“ | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Alles Lumpen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s