„Wir schmeißen Israels Botschafter selbst raus!“

Julius Malema und Economic Freedom Fighters-Partei erklären ihre Unterstützung für Hamas

(2010sdafrika-Redaktion)

Je länger der Einsatz der Netanyahu-Regierung in Gaza andauert, abgesehen von der kurzen Waffenruhe, desto größer wird der südafrikanische Druck auf Israel. Immer mehr Menschen gehen auf die Straßen, um für ein Ende der „israelischen Aggression“ und für die „Freiheit von Palästina“ zu demonstrieren. Viele Bewohner von Pretoria, Johannesburg, Kapstadt und Durban tragen mittlerweile auch in ihrer Freizeit T-Shirts, die eine klare Solidarität mit den Palästinensern zum Ausdruck bringen. Dabei ist längst zu beobachten, dass der Anti-Israel-Protest an Radikalität und Intensität zugenommen hat.

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© Julius Malema und seine Partei „Economic Freedom Fighters“ erhöhen den Druck auf Israel. Sie fordern die Ausreise des israelischen Botschafters in Südafrika, erklären ihre Unterstützung für die Hamas und regen ein Boykott israelischer Güter durch die Verbraucher an. (Quelle: EFF)

Die israelische Botschaft in Pretoria kann nur durch ein großes Polizeiaufgebot geschützt werden. Immer wieder finden sich Menschen vor dem Gebäude am 428 King’s Highway im Stadtteil Lynnwood ein, um ihrer Wut kundzutun. In der Konsequenz hat die diplomatische Vertretung ihre Wirtschaftsabteilung aus Sicherheitsgründen schließen müssen, heißt es politischen Kreisen gegenüber der Redaktion.

Julius Malema, der Vorsitzende der Economic Freedom Fighters (EFF), erklärte am vergangenen Freitag im Vorfeld der Feier zum einjährigen Bestehen seiner Partei in Soweto, dass die EFF auf der Seite der Palästinenser und der Hamas als Freiheitsbewegung stehe. „Israel hat kein Selbstverteidigungsrecht“, sagte er einem Journalisten vor der Botschaft Israels. Im Gegensatz zur Demokratischen Allianz, so Malema weiter, würde die EFF nicht mit Geldern aus Israel finanziell gefördert werden.

Zusätzlich forderte er vor tausenden Zuhörern, dass der israelische Botschafter Arthur Lenk das Land verlassen müsse. „Die Welt kann niemals frei sein, solange die Palästinenser unterdrückt werden“, hielt der ehemalige ANC-Jugendligapräsident fest. Sollte der Botschafter dem Aufruf nicht folgen, „schmeißen wir ihn selbst raus“, erklärte der EFF-Vorsitzende unter großem Jubel. Gleichzeitig müssten israelische Güter durch den Verbraucher boykottiert werden.

Ähnliche Töne sind auch von ranghohen ANC-Politikern zu hören. Der Bürgermeister von Durban verurteilte Israel für das „Töten von Frauen und Kindern“. Darüber hinaus fordern Südafrikas Intellektuelle ein Waffenembargo gegen den jüdischen Staat und das Außenministerium bestellte Botschafter Lenk ein. Ferner verglich der ANC die aktuelle Gaza-Offensive Israels mit den „Gräueltaten von Nazi-Deutschland“.

4 Antworten zu “„Wir schmeißen Israels Botschafter selbst raus!“

  1. Pingback: Boykott-Aufrufe gegen Kette mit Israel-Waren | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Thorsten Scholz

    Sehr geehrter Herr Dipl.-Pol. Ghassan Abid,

    möglicherweise haben Sie ja aufgrund Ihrer interessanten Berichterstattung aus dem Rockerbandenmilieu nicht genügend Zeit, die weitere Entwicklung rund um den Palästinakonflikt zu verfolgen. Ich darf Sie daher darauf aufmerksam machen, dass sich am Sonntag rund 10.000 Menschen zu der pro-israelitischen Kundgebung im Huddle Park in Johannesburg zusammengefunden haben. Die Stimmung am Kap scheint also durchaus nicht so eindeutig pro-palästinensisch zu sein, wie Sie bislang geglaubt haben.

    Wenig erstaunlich fand ich, dass die Polizei bei der gleichzeitig stattgefundenen anti-israelitischen Gegendemonstration einen schwerbewaffneten Mann mit einem schussbereiten Gewehr festgenommen hat.

    Quelle: Eyewitness News
    http://ewn.co.za/2014/08/03/Thousands-gather-in-solidarity-with-Israel
    http://ewn.co.za/2014/08/04/Israeli-group-overwhelmed-with-support

    Man kann nur hoffen, dass die Gewalt, auch die verbale, bald ein Ende findet. In einem Krieg stirbt die Wahrheit leider immer zuerst.

    Viele Grüße
    Thorsten Scholz

  3. Hallo Thorsten Scholz,

    Ihren Kommentar habe ich mit großem Interesse gelesen, auf den ich wie folgt Stellung beziehen möchte:

    Wenn Sie die südafrikanische Berichterstattung verfolgen, dann merken Sie relativ schnell, dass Julius Malema einer von vielen Personen im Land ist, die sich auf die Seite der Palästinenser stellen. Der staatliche Rundfunk SABC beispielsweise greift vor allem die Positionen der Araber auf. Israels Botschafter und der Zentralrat der Juden in Südafrika verlieren zunehmend an Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Der Artikel ist so verfasst worden, dass er die Stimmung am Kap widerspiegelt. Dementsprechend sieht die Redaktion die journalistische Sorgfaltspflicht als erfüllt an.

    Viele Grüße zurück,

    Ghassan Abid
    – Chefredaktion –

  4. Thorsten Scholz

    Sehr geehrter Herr Dipl.-Pol. Ghassan Abid,

    das ist ein sehr einseitiger Artikel. Er erinnert mich an die Diktion der DDR-Presse. „Immer wieder finden sich Menschen […] ein, um ihrer Wut kundzutun.“ „Immer mehr Menschen gehen auf die Straßen…“

    Sie tun so, als würde die Meinung einer Minderheit – die EFF erzielte bei den letzten Parlamentswahlen gerade mal 6 Prozent Stimmen – von der Mehrheit der Südafrikaner getragen. Das wird sie nicht. Die meisten Menschen im Land, egal ob schwarz oder weiß, halten Malema für einen scheinheiligen Demagogen. Dass Sie seine israelfeindlichen Hetztiraden nicht hinterfragen, spricht nicht gerade für Ihre journalistische Sorgfaltspflicht.

    Viele Grüße
    Thorsten Scholz

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