Hells Angels in Südafrika in Falle gelockt

Mehrere niederländische Rocker werden infolge eines Machtkampfes über Kokaingeschäfte ermordet

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

– Hells Angels-Spezial –

Wenn sich die Hells Angels gegenseitig verbannen, untereinander bekämpfen oder sogar töten, dann muss viel passiert sein. Entweder einer der Rocker hat gegenüber den Behörden geplaudert, ist einem verfeindeten Klub beigetreten oder ein wichtiger Deal wurde vergeigt. Aber auch Habgier und Neid sind mögliche Gründe für interne Rivalitäten. Aus der Bruderschaft wird dann schnell eine Feindschaft. In Südafrika und in den Niederlanden rollten mehrere Köpfe beim Hells Angels MC. Die Ermittler beobachteten einen Machtkampf.

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© Die Hells Angels in den Niederlanden befanden sich in einem Machtkampf, nachdem der Nomads-Präsident Paul de Vries einen Drogendeal mit der kolumbianischen Mafia eigenständig abwickelte. Mehrere ihm nahestehende Rocker sind in Südafrika und Holland ermordet worden bzw. vom Erdboden verschwunden. (Quelle: flickr/ DutchPress)

Ecstasy-Pillen für Südafrika

Jeffrey Heusschen (33) war in der Vergangenheit in mehrere Drogengeschäfte für den Hells Angels MC in Belgien involviert. Konkret hat er als eine Art Leibwächter von Kurieren fungiert, heißt es aus Pressekreisen. So begleitete er beispielsweise Marco H., der für den Schmuggel von Ecstasy-Pillen für den europäischen Markt zuständig war. Doch beide flogen eines Tages beim Schmuggel des Rauschgifts auf. Die Justiz brachte sie in den Knast.

Nach der Haftentlassung Heusschens entschlossen sich führende Hells Angels in den Niederlanden, dass Ecstasy-Pillen nach Südafrika eingeführt und dort in den Nachtklubs verkauft werden sollten. Diese Droge wäre den Südafrikanern zum damaligen Zeitpunkt noch nicht geläufig gewesen, so die Einschätzung der Rocker. Man erwartete eine starke Nachfrage und damit verbunden Gewinne in Millionenhöhe. Vor allem die Jugendlichen hatte man ins Visier genommen.

Der begeisterte Motorradfan und überzeugte Höllenengel Heusschen, dem Ehre und Stolz stets wichtig waren, erhielt vom niederländischen Hells Angels Charter Limburg den Auftrag, den Drogendeal in Südafrika über die Bühne zu bringen. Unterstützen sollte ihn der rund zwei Meter große und 125 Kilo schwere Jan Nebbeling (44), der in Rockerkreisen als Mentor von Heusschen auftrat und als enger Vertrauter des Limburger Nomads-Präsidenten Paul de Vries (54) bekannt war.

In Johannesburg zur Strecke gebracht

Im Mai 2000 flog dann Heusschen gemeinsam mit Nebbeling nach Johannesburg. Sie wählten bewusst eine Unterkunft aus, die in keinem Reiseprospekt zu finden und unauffällig war. Im Germiston Hotel checkten die beiden Niederländer schließlich ein. Was danach genau passierte, darüber rätseln die Ermittler. Fest steht nur, dass der Rucksack Heusschens im besagten Hotel durch Polizeibeamte sichergestellt werden konnte.

Unmittelbar nach der Ankunft Heusschens in Südafrika gilt dieser als vermisst. Sein Mentor Nebbling, der fluchtartig in die Niederlande zurückkehrte, ist ebenfalls seit November 2000 nach einem Diskobesuch verschwunden. Ob beide Personen noch leben, davon geht niemand mehr aus. Der holländische Höllenengel Charles Rosielle (39), einer der Gründungspersonen des Hells Angels MC South Africa mit großem Einfluss auf die Rockerszene, war ebenfalls im Drogenhandel eingebunden. Im November 2002 ist Rosielle am Kap tot aufgefunden worden. Es schien so, als hätte jemand mit ihnen eine Rechnung offen gehabt.

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© Während die beiden Höllenengel Jeffrey Heusschen (33) [im Bild links] und Jan Nebbeling (44) [Mitte] seit Jahren vermisst werden, ist Charles Rosielle (39) tot aufgefunden worden. Die drei niederländischen Rocker sollten einen Drogendeal in Südafrika über die Bühne bringen. Allerdings standen die Hells Angels-Mitglieder auf einer Abschussliste. Auch in den Niederlanden kam es zum Dreifachmord.

Machtkampf innerhalb des Hells Angels MC Holland

Die Staatsanwaltschaft in den Niederlanden geht davon aus, so heißt es aus Ermittlerkreisen, dass der Diebstahl einer kolumbianischen Drogenlieferung zur Ermordung der drei Hells Angels geführt haben soll. Dementsprechend standen Heusschen, Nebbling und Rosielle auf der Abschussliste der eigenen Brüder. Die Täter konnten bisweilen nicht ermittelt werden, bedingt durch die Untätigkeit südafrikanischer Behörden.

Für die These des internen Machtkampfes spricht die Tatsache, dass auch in den Niederlanden mehrere führende Höllenengel getötet worden sind. Unter den Toten befinden sich der Nomads-Präsident Paul de Vries (54), Cor Pijnenburg (33) und Serge „Moon“ Wagener (34). De Vries führte sein Charter mit harter Hand und schaffte es zu unglaublichem Reichtum, wurde allerdings von vielen Rockern gehasst. Im Februar 2004 sind die zerstückelten und mit Schusslöchern durchsiebten Leichen unweit von Maastricht gefunden worden. Der Dreifachmord dominierte die Berichterstattung im Nachbarland Deutschlands.

Im März 2005 urteilte schließlich ein Amsterdamer Gericht, dass zwölf Hells Angels aus den Niederlanden wegen Beihilfe zum Totschlag für sechs Jahre ins Gefängnis müssen. Laut Auffassung der Richter sei es erwiesen, dass die Gruppe um Paul de Vries zumindest in einem Fall eigenständig einen Deal mit der kolumbianischen Drogenmafia über die Bühne bringen wollte, ohne dabei den Charter einzubinden. Somit hätten sich einzelne Mitglieder bereichern wollen, während die große Mehrheit der Rocker leer ausgegangen wäre. Letztendlich kam es zum tödlichen Streit.

Ausschnitte niederländisches TV zum Dreifachmord bei Maastricht

Drogengeschäfte gehen weiter, auch in Deutschland

Im Februar 2014 erfolgte eine große Razzia niederländischer und deutscher Behörden zur Bekämpfung des internationalen Rauschgifthandels durch die Hells Angels. Mehrere Charter, die arbeitsteilig vorgingen, wurden durchsucht. Die Ermittlungen dauern bisweilen an. Im Juni 2014 dann der nächste Zugriff durch das Landeskriminalamt Berlin und die Zollfahndung Berlin-Brandenburg. Weitere Höllenengel wurden festgenommen, die beschuldigt werden, Kokain aus Kolumbien über die Niederlande nach Berlin zu schmuggeln. Die Ermordung bzw. das Verschwindenlassen der sechs niederländischen Rocker haben dafür gesorgt, dass längst andere Personen die Drogengeschäfte übernommen haben.

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