Südafrika debattiert über Israel-Sanktionen

Eine Viertelmillion Pro-Palästina-Demonstranten in Kapstadt setzen Regierung unter Handlungsdruck

(2010sdafrika-Redaktion)

Am gestrigen Samstag demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund eine Viertelmillion Kapstädter für ein Ende der Offensive Israels in Gaza und gleichzeitig für die Unabhängigkeit Palästinas. Andere Quellen gehen von 100.000 bzw. 200.000 Demonstranten aus. Jedoch spielt für den gegenwärtigen Handlungsdruck der Regierung in Pretoria die Anzahl der Demo-Teilnehmer keine Rolle. Denn die Öffentlichkeit erwartet eine Reaktion von Präsident Jacob Zuma gegen Israel. Lange wird sich Zuma dem Appell seines Volkes nicht entziehen können.

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© Am 9. August demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund eine Viertelmillion Pro-Palästina-Demonstranten in Kapstadt. Präsident Jacob Zuma wird zum Handeln gegen den jüdischen Staat aufgefordert. Neben diplomatischen sollen auch wirtschaftliche Maßnahmen gegen Israel verhängt werden. (Quelle: Privat)

Die Straßen Kapstadts waren überfüllt mit Pro-Palästina-Demonstranten. Es ist der größte Aufmarsch in der Geschichte der kosmopolitischen Metropole am Westkap, urteilten Journalisten die jüngsten Entwicklungen. Sicherheitskräfte vor Ort waren sichtbar angespannt und das Parlament wurde streng bewacht. Die schwer bewaffnete Polizei behielt die wütende Menschenmasse im Auge. Doch es blieb alles friedlich.

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© Die Polizei war schwer bewaffnet. Etliche Demonstranten waren sehr wütend und aufgebracht. Man befürchtete mögliche Ausschreitungen. (Quelle: Privat)

Seit einigen Tagen steht Präsident Jacob Zuma unter starkem Handlungsdruck. Zunehmend mehr Journalisten am Kap berichten über die Geschehnisse in Gaza und über das Leid der arabischen Bevölkerung. Zivilgesellschaftliche Akteure mobilisieren für diverse Proteste. Der unverhältnismäßige Militäreinsatz der israelischen Regierung, so das vorherrschende Meinungsbild am Kap, hat die Sympathien vieler Südafrikaner gegenüber dem jüdischen Staat verspielt.

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Desmond Tutu und führende Gewerkschaftsbosse, aber auch hohe ANC-Politiker und Intellektuelle, fordern ihre Regierung auf, dem jüdischen Staat einen symbolischen Denkzettel zu verpassen. So wird zurzeit darüber diskutiert, den südafrikanischen Botschafter in Tel Aviv abzuziehen. Zudem soll die Politik einen Einfuhrstopp über israelische Waren verhängen. Ferner ermitteln die Behörden gegen mehrere südafrikanische Staatsbürger, die als „Machal“ freiwillig in der Armee Israels dienen. Ihnen droht bei einer Rückkehr in die Heimat eine Haftstrafe.

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© Unter den Demonstranten befanden sich unter anderem der Nobelpreisträger und ehemalige Erzbischof Desmond Tutu sowie ranghohe ANC-Politiker und Gewerkschaftsbosse. (Quelle: Privat)

Arthur Lenk, Israels Botschafter in Südafrika, kriegt den Gegenwind deutlich zu spüren. Auf seiner Facebook-Seite zeigt er sich kämpferisch und schiebt die Schuld für die jüngste Eskalation in Nahost ausschließlich der Hamas zu. Sie beschieße israelische Städte und habe angefangen, so der Diplomat. Auf die Kritikpunkte der südafrikanischen Bevölkerung, wonach beispielsweise die Palästinenser jahrzehntelang besetzt gehalten werden, geht er nicht ein.

2 Antworten zu “Südafrika debattiert über Israel-Sanktionen

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