Lichtblick-Kolumne: Initiativen ausm Township

Der Nemato Rowing Klub, ein beliebtes Entwicklungs- und Transformationsprojekt

(Autorin: Melanie Akerboom berichtet in ihrer Kolumne über innovative Projekte aus den Townships. Gegenwärtig ist sie als Fotografin tätig. Im Vorfeld studierte sie Social Entrepreneurship in London, verbunden mit Arbeitseinsätzen in Südafrika.)

Als ich 2009 zum ersten Mal nach Port Alfred kam, war mir die positive Auswirkung, die Sport auf benachteiligte Kinder und Jugendliche haben kann, noch nicht bewusst. Als ich dann ein halbes Jahr später ein Praktikum im Community Development (in der Gemeindeentwicklung) in der ortsansässigen Universität anfing, änderte sich dies zunehmend. Ich lernte immer mehr unterschiedliche Initiativen im Township, wie den Nemato Rowing Klub, kennen. Der Ruderklub im Nelson Mandela Township (Nemato) wurde 2005 von Jan Blom als Entwicklungs- und Transformationsprojekt gestartet.

Nemato Rowing Club

© Jan Blom gründete Ende 2005 im Nelson Mandela Township einen Ruderklub, der aktuell 75 Mitglieder hat. Inzwischen gibt es dort auch einen Handball-, Fecht- und Gymnastikklub. Lichtblick-Kolumnistin Melanie Akerboom schaute sich die Organisation „Nemato Change a Life“ an.

Wie auf der Webseite des Klubs beschrieben, gibt es im Township wenige Jobs und wenig Unterhaltung für die Einwohner, worunter besonders die Kinder und Jugendlichen leiden. Viele Menschen leben in Armut und haben wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dies führe oft zu Alkoholproblemen und Kriminalität, aber auch HIV/Aids ist ein ernstes Problem – so Jan Blom.

Jan Blom weiß wovon er spricht, denn er selbst lebt in Nemato, dem ehemaligen schwarzen Township. Dies ist als Weißer sehr ungewöhnlich, aber die Menschen vor Ort respektieren ihn, da er sich für das Wohl der Gemeinde einsetzt. Er selbst ist ehemaliger Ruderer und berichtet, dass das Rudern das Einzige war, was er vorzeigen konnte, als er damals nach Port Alfred kam. Dies war auch der Grund, als Coach zu arbeiten und später den Klub zu gründen. In seinen Augen gibt der Klub den jungen Menschen nicht nur einfach etwas zu tun, sondern lehrt ihnen wichtige Dinge fürs Leben, wie zum Beispiel Teamarbeit und Durchhaltevermögen.

Eines der besten Beispiele hierfür ist Athenkosi Hlekani (24). Er ist in Nemato aufgewachsen und einer der ersten Mitglieder des Klubs. Athi verriet mir, dass ihm anfangs gar nicht bewusst gewesen war, dass es eigentlich ums Rudern geht. Er hätte lediglich von Schwimmunterricht gehört, der angeboten wurde. Dennoch blieb er dabei und wurde zum Idol der jüngeren Mitglieder und zum vollen Stolz von Jan Blom.

Athenkosi Hlekani

© Athenkosi Hlekani ist 24 Jahre alt und absolvierte vor Kurzem seinen Bachelor of Commerce in Intrapreneurial Management an der Universität Johannesburg. Er ist ein Vorbild für viele junge Menschen im Township.

Der Grund: Athi hatte es geschafft ein Sportstipendium zu bekommen und konnte an der Universität in Johannesburg studieren. Inzwischen hat er seinen Bachelor of Commerce in Intrapreneurial Management erfolgreich abgeschlossen und ein weiteres Stipendium erhalten, um eine Qualifikation als Lehrer abzuschließen. Sein Ziel ist es an Schulen zu unterrichten. Er sieht den Lehrerberuf als Privileg an, da ihm dieser die Möglichkeit gibt, Kindern und Jugendlichen etwas beizubringen und einen guten Einfluss auf sie auszuüben. Zudem möchte er sein Wissen als Mentor weitergeben und anderen jungen Menschen helfen ihre Ziele zu erreichen.

Inzwischen trägt die Organisation den Namen „Nemato Change a Life“ und bietet neben dem Rudern auch die Sportarten Handball, Fechten und Gymnastik an. Kinder und Jugendliche im Alter von 7 und 14 Jahren können Mitglieder werden. Wenn Jan Blom von den „besten“ Mitgliedern spricht, bezieht er sich nicht auf die sportlich Besten, sondern die motiviertesten und engagiertesten Mitglieder.

Port Alfred_Kowie River

© Der Kowie River, der durch Port Alfred fließt, bietet sich ideal zum Rudern an.

Was die Organisation zudem besonders macht, ist auch die Unterstützung, die die Mitglieder in anderen Bereichen des Lebens bekommen. So wird Nachhilfe in Mathe angeboten, da dieses Fach Schülern ein großes Problem in der Schule bereitet. Die Mitglieder haben zudem die Möglichkeit, die Organisation mitzuführen und mitzugestalten. Jan Blom glaubt, dass die Mitglieder engagierter sind, wenn sie Teil einer Initiative sind.

Aus Neugierde fragte ich Athi, ob er sich jemals benachteiligt gefühlt hat, da er im Township aufgewachsen ist. In seinen Augen merkt man erst wie unterschiedlich die Lebensstandards im Land sind, wenn man das Township verlässt und andere Orte kennen lernt. Ihm kam der Gedanke, vielleicht etwas verpasst zu haben, erst nachdem er Port Alfred verlassen hatte. Dennoch habe  der Ruderklub ihm viele Türen geöffnet und dazu beigetragen, dass er sein Potential erkannt hat.

Port Alfred_Nemato

© „Nemato Change a Life“ ist eine registrierte Non-Profit und Public Benefit Organisation. Diese nimmt über ihren Nemato Ruderklub regelmäßig an Wettbewerben teil.

Er wurde zum Beispiel als Coach für eine Juniorenmannschaft ausgewählt und durfte das Team Anfang des Jahres nach Belgien begleiten. Ein anderes Beispiel ist seine Teilnahme an dem UNOSDP Youth Leadership Camp in Doha, bei dem er als einziger Südafrikaner teilgenommen hatte. Jan Blom berichtete ihm von dem Programm und motivierte ihn sich zu bewerben.

Zwar wurde er einmal abgelehnt, was ihn allerdings nicht davon abhielt es nochmal zu versuchen – mit Erfolg. Er erzählte mir, dass das Camp ihm gezeigt habe, dass man auch mit wenigen Ressourcen einen Beitrag zur Entwicklung leisten kann – wenn man ganz einfach ein gutes Vorbild ist. Sein Motto: „If you want to have something you have never had, then you have to do something you have never done.

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