„Das ist skandalös.“

Peter Scholl-Latour und seine Kritik am Verschweigen der Farmermorde in Südafrika durch die Medien

(Autor: Ghassan Abid)

Der renommierte Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour ist in Rhöndorf am Rhein im Alter von 90 Jahren gestorben. Den jüngeren TV-Zuschauern ist er für seine Analysen zum Nahen Osten in bleibender Erinnerung geblieben. Doch der ehemalige Afrika-Korrespondent äußerte sich in der Vergangenheit auch mehrfach zur „heiligen Kuh“, zum Verschweigen der Realität in Südafrika.

Preston Faide

© Peter Scholl-Latour starb im Alter von 90 Jahren. Zu Lebzeiten kritisierte er den Umgang der deutschen Medien mit den Farmermorden in Südafrika. Die Presse habe die Realität ausgeblendet, so der Publizist und Journalist. (Quelle: flickr/ Preston Faide)

Die Farmermorde in Südafrika sprach Scholl-Latour in diversen schriftlichen und mündlichen Erläuterungen wiederholt an. Er kritisierte, dass die Medien über diesen Missstand schweigen und diese Tatsache einfach ausblenden würden. In seinem im Jahr 2002 erschienenen Buch „Der Fluch des neuen Jahrtausends: Eine Bilanz“ wird er mit seinen Ausführungen konkreter.

Scholl-Latour hält darin fest: „Doch dass seit der Machtergreifung des ANC in Südafrika rund 1.400 weiße Farmer umgebracht worden sind, ist nirgendwo zu lesen, zu hören oder zu sehen. Das ist skandalös.“ In diesem Zusammenhang bemängelt er die political correctness, wonach mit dem Amtsantritt Nelson Mandelas die Entwicklungen am Kap als Erfolg verkauft werden würden. Diesen Prozess beschreibt er als „heilige Kuh“.

Ferner spricht der Journalist die mangelnde Sicherheitslage in Südafrika an. Weiße würden sich komplett von Schwarzen abschotten und Touristen könnten nur durch private Sicherheitskräfte beschützt werden. „Dass in Pretoria, dass in Johannesburg kein einziger Weißer mehr lebt, wissen die meisten überhaupt nicht“, führt Scholl-Latour im Buch fort.

Zuletzt äußerte sich der Journalist auf einer Veranstaltung im luxemburgischen Echternach vom Juni 2013 zu den Farmermorden im südlichen Afrika. „Doch in Südafrika ist so viel westliches Kapital investiert und das [Land] bringt auch so viel Profit, dass man einfach die Situation schön redet“. Die weißen Südafrikaner würden schon längst in einer Parallelgesellschaft leben, so der Podiumsgast. Letztendlich habe Mandela Schlimmeres – eine Auseinandersetzung zwischen den Rassen – verhindert.

Eine Antwort zu “„Das ist skandalös.“

  1. „Dass in Pretoria, dass in Johannesburg kein einziger Weißer mehr lebt, wissen die meisten überhaupt nicht.“
    Welcher Geist ihm diesen Unsinn geflüstert hat, werden wir nun nicht mehr erfahren.
    Ich kann euch beruhigen, es leben noch viele Weiße in Johannesburg und Pretoria. Ich bin einer von ihnen.
    Aber die Äußerung über die Parallelgesellschaft, in der die Weißen leben, da ist etwas dran. Diesen Zustand haben die meisten hellhäutigen Südafrikaner aus der Zeit des Kolonialismus/Apartheid rübergerettet in die Jetztzeit. Damit beziehe ich mich nicht auf die „gated communities“ mit ihren hohen Mauern und Elektrodraht. Ich meine damit insbesondere die mentale Haltung eines Großteils der weißen Bevölkerung, der sich mit unsichtbaren Mauern umgibt, um das „neue Südafrika“ nicht an sich heranzulassen. Der Traum von der „Regenbogennation“ bleibt einer, solange dieser Zustand anhält.

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