Kap-Kolumne: „Generations”

Arbeitskampf um TV-Soapie wird zur Staatsaffäre

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Am heutigen Montag hat Kulturminister Nathi Mthetwa zu einem „dringenden Treffen“ eingeladen. Er will die TV-Serie „Generations“ retten. Sechszehn Schauspieler und Schauspielerinnen der populären Seifenoper wurden in der vergangenen Woche von ihrem Arbeitgeber, der TV-Produktionsgesellschaft MMSV, fristlos gefeuert, weil sie in den Streik für höhere Gagen getreten sind. Dieser Arbeitskampf beschäftigt nun seit Tagen die Nation, von Musina bis Kapstadt.

generations

© Die Schauspieler der populären Seifenoper „Generations” wurden vergangenen Montag von ihrem Arbeitgeber fristlos gefeuert, weil sie höhere Gagen forderten. Nun hat sich die Politik in diesen Streit eingeschaltet.

Die sechszehn Streikenden bekleiden nahezu alle tragende Rollen in „Generations“. Inzwischen nennt sich die Gruppe „Generations Actors Guild”. Beide Seiten – MMSV und „Generations Actors Guild” – haben sich bislang keinen Millimeter aufeinander zubewegt. Nun trommelt der ehemalige Polizei- und jetzige Kulturminister Mthetwa zum großen Indaba.

Die Kontrahenten sollen sich an einen Tisch setzen und miteinander reden. Doch damit nicht genug. Zu seiner Verstärkung hat Mthetwa gleich drei Kabinettskolleginnen und -kollegen eingeladen: Faith Mathamba (Ministerin für Kommunikation), Rob Davies (Minister für Handel und Industrie) und Mildred Oliphant (Ministerin für Arbeit).

Die „Generations Actors Guild“ fordert eine wöchentliche Gage von 30.000 Rand (umgerechnet rund 2.120 Euro). Derzeit erhalten die Darsteller und Darstellerinnen der Soapie ca. 16.000 Rand die Woche. Angeblich sind das Spitzengagen im südafrikanischen TV.

Mthetwa war Polizeiminister während des Marikana-Massakers vom August 2012. Damals traten die so genannten Rockdriller für 12.500 Rand im Monat in einen wilden Streik. Dieser Arbeitskampf forderte 44 Tote, davon 34 Kumpel, die von der Polizei erschossen wurden. Die Untersuchung dieses Massakers dauert an, und das Trauma von Marikana wird die Nation noch lange beschäftigen.

Ob die Absetzung einer Soapie im Fernsehen auch ein nationales Trauma hervorrufen kann, mag jeder selbst beurteilen. Minister Mthetwa, so scheint es, will jetzt lieber auf Nummer sicher gehen und schon vorher eine Staatsaffäre daraus machen.

Eine Antwort zu “Kap-Kolumne: „Generations”

  1. Dies Erhöhung der Gagen um fast das Doppelte ist Ausdruck der allgemeinen Geldgeilheit in der südafrikanischen Gesellschaft. Die Forderungen sind aber obszön angesichts der Armut grosser Teile der Bevölkerung. Zusätzlich sind 14 000 ZAR für die Schauspieler nicht wirklich wichtig, da die meisten wesentlich höhere Nebeneinnahmen aufgrund ihrer Bekanntheit und Beziehungen haben. Ein Vergleich mit Gagen von US sitcoms (Big Bang Theory) ist unsinnig. Vermutlich ist die Motivation für die Forderung Eitelkeit und Selbstüberschätzung. Die Schauspieler sollten stattdessen ein Zeichen setzen gegen die Kultur des Plündern und Erpressens, die der Stil der Oberschicht sind. Nur weil sie populär sind müssen sie keinen Bentley fahren. Aber Queen kennt keine Bescheidenheit.

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