Geheimsache Nuklearenergie in Südafrika

Bauauftrag neuer Atomkraftwerke im Wert von 71,5 Milliarden Euro geht höchstwahrscheinlich an Russland

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrikas Behörden sind dafür bekannt, Anfragen der Presse schlichtweg zu ignorieren. Journalisten müssen immer wieder geduldig nachfragen, meist über Telefon oder auf einer Pressekonferenz, warum etwas wie beschlossen worden ist. In der Atompolitik jedoch schweigen die zuständigen Stellen gänzlich. Wichtige Fragen bleiben unbeantwortet. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ versucht seit über einem Jahr Informationen zum geplanten Ausbau der Nuklearenergie zu bekommen – bisher vergeblich.

Koeberg 05 - Photo by Bjorn Rudner (2)

© Bisher unterhält Südafrika das Atomkraftwerk Koeberg bei Kapstadt, das einzige AKW in Afrika überhaupt. Doch in den nächsten Jahren könnten weitere Kraftwerke folgen. Alles deutet darauf hin, dass Russland mehrere Atomkraftwerke am Kap bauen wird. Die Regierung in Pretoria schweigt zum Milliardendeal beharrlich. (Quelle: Eskom)

Kürzlich hielt sich Präsident Jacob Zuma völlig unerwartet in Russland auf, um mit seinem Amtskollegen Wladimir Putin über eine „Vertiefung der bilateralen Handelsbeziehungen“ zu sprechen. Inoffiziell wurde aber auch der Bau von Atomkraftwerken in Südafrika durch Russland erörtert, heißt es von einem Journalisten, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Nuklearenergie ist vielmehr eine Notwendigkeit als eine Option“, sagte die damalige Director General Nelisiwe Magubane auf einer Veranstaltung der Atomlobby NIASA, die im August vergangenen Jahres in Port Elizabeth stattfand. Bis 2022 müsste über die Energieversorgung des Landes entschieden werden, so der ranghohe Mitarbeiter des südafrikanischen Energieministeriums.

Seither kursiert der 9.600 MW-Richtwert an zusätzlicher Atomenergie, die durch neue Kraftwerke produziert werden solle, in der öffentlichen Diskussion. Bis zu einer Billion Rand, umgerechnet etwa 71,5 Milliarden Euro, könnte das Mammutprojekt kosten. Es wäre das teuerste Regierungsvorhaben in der Geschichte Südafrikas. Fest steht, dass der vom Kabinett beschlossene Energieplan „Integrated Energy Plan (IEP)“ den Ausbau der Atomkraft neben den Erneuerbaren Energien ausdrücklich empfiehlt.

Letztes Jahr hat die russische Atomenergiebehörde Rosatom erklärt, südafrikanische Ingenieure in der Nukleartechnik weiterbilden zu wollen. Mit der North West University, der einzigen Hochschule für Nukleartechnologie in Südafrika, ist eine Kooperationsabsicht unterzeichnet worden. Diese Übereinkunft hat höchstwahrscheinlich den Grundstein für den Bau russischer AKWs im südlichen Afrika gelegt. Im Vorfeld hatte Putin während eines Südafrika-Besuchs im März 2013 für die Modernisierung des südafrikanischen Kernenergiesektors durch die russische Wirtschaft geworben.

Letztendlich deutet alles darauf hin, dass Russland neue Kraftwerke in Südafrika bauen wird. Auf Anfrage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erklärt der staatliche Energiekonzern Eskom, dass man Fragen nach dem Ausbau der Atomenergie nicht beantworten könne, sondern stattdessen das Energieministerium befragt werden solle. Doch das Ministerium schweigt kontinuierlich weiter. E-Mails und Rückruf-Wünsche werden ignoriert.

Dabei wären Informationen zum Sachverhalt mehr als angebracht. Südafrikanische Medien haben in den letzten Monaten viel über das Ausmaß der Nuklearzusammenarbeit spekuliert. Ferner hat der in Moskau lebende US-Journalist John Helmer darüber berichtet, dass beim Atomprojekt hohe Korruptionsgelder geflossen worden sein sollen. Denn ein offizielles Ausschreibungsverfahren ist lokalen Berichten zufolge ausgeblieben.

Bisher unterhält Eskom in Koeberg ein in den 80er Jahren fertiggestelltes Atomkraftwerk, bestehend aus zwei Blöcken mit einer Leistung von jeweils 900 MW. Der Druckwasserreaktor bei Kapstadt ist das einzige Atomkraftwerk auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Umweltschützer kritisieren die Störfälle in Koeberg in den letzten Jahren. Doch auch in punkto Sicherheit heißt es von den zuständigen Stellen, alles sei einwandfrei. Der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer warnte in einem Interview mit der Redaktion vor den Folgen der Atomkraft in Südafrika.

6 Antworten zu “Geheimsache Nuklearenergie in Südafrika

  1. Pingback: Windenergie neben Atomkraft | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Pingback: Südafrikas Präsident in Berlin eingetroffen | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  3. Pingback: Zurück ins Mittelalter | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  4. Pingback: Licht ins Dunkel bringen | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  5. Pingback: Steinmeiers Arbeitsbesuch in Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  6. Pingback: Deutsch-südafrikanische Energiepartnerschaft | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s