Südafrika-Festival als Publikumsmagnet

Podiumsdiskussionen, Konzerte und Filme lockten Berliner an. Doku und Spielfilm werfen wichtige Fragen auf

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Veranstaltungsreihe „20 Jahre Demokratie in Südafrika“ vom 28. bis 31. August 2014, initiiert von der südafrikanischen Botschaft in Berlin, war ein voller Erfolg. Auf den verschiedenen Podiumsdiskussionen, Konzerten und Filmvorführungen war das Interesse des Berliner Publikums groß. Politische Bildung mit südafrikanischen Akademikern stand neben einem vielfältigen Kulturprogramm zur Verfügung. Höhepunkt des Festivals dürften zwei kritische Filme sein, die Fragen zur wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Zukunft Südafrikas aufwerfen.

CJ Glynn

© Die Veranstaltungsreihe „20 Jahre Demokratie in Südafrika“ im Haus der Kulturen der Welt in Berlin war ein voller Erfolg. Besonders zwei Filme haben sich hervorgetan. Während in der Doku „Miners Shot Down“ Kritik an der Polit-Elite und Wirtschaft Südafrikas geäußert wurde, ging es im Spielfilm „Skoonheid (Beauty)“ um gesellschaftliche Probleme. (Quelle: flickr/ CJ Glynn)

Der 86-minütige Dokumentarfilm „Miners Shot Down“ unter der Regie von Rehad Desai beleuchtete die tragischen Geschehnisse des Massakers von Marikana. 34 Minenarbeiter starben innerhalb weniger Minuten, nachdem Polizeikräfte das Feuer auf die Streikenden eröffneten. Dabei belegt die Doku, dass die Zuma-Regierung und der Bergbaukonzern Lonmin zu keinem Zeitpunkt an einer Deeskalation interessiert waren. Der friedliche Protest der Arbeiterschaft wurde von der Politik und Wirtschaft ignoriert.

Originalaufnahmen, Interview-Aussagen und die Sichtung von Akten stellen der südafrikanischen Regierung ein verheerendes Zeugnis aus. Die ANC-Politiker würden die Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerrechte missachten – des Profits wegen. In einem Dokument beispielsweise war die Rede davon, dass die Polizeiführung und Repräsentanten des Konzerns die „Tötung“ der Minenarbeiter besprachen. Am 16. August kam es dann zur Massenhinrichtung, die als Marikana-Massaker um die Welt ging und Erinnerungen an die Gräueltaten des Apartheidregimes weckte.

Im südafrikanischen TV würde man „Miners Shot Down“ nicht zeigen“, sagte Regisseur Desai mit fester Überzeugung zum Berliner Publikum. Zudem sah sich das für die Filmförderung zuständige Handelsministerium DTI nicht imstande, sich an der Finanzierung des kritisches Films zu beteiligen. Auf eine Frage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ schließt der Regisseur ähnliche Vorkommnisse in Südafrika aus, nachdem die Politik seither unter starkem öffentlichen Druck geraten ist.

Trailer „Miners Shot Down“

Um ein anderes wichtiges Thema ging es im 2011 erschienenen afrikaanssprachigen Spielfilm „Skoonheid (Beauty)“. Regisseur Oliver Hermanus hat mit seinem 105-minütigen Werk aus südafrikanisch-französischer Produktion gesellschaftliche Aspekte wie Konservatismus, Homosexualität und Gewalt aufgegriffen. Soziale Phänomene, die im heutigen Südafrika aktueller denn je und vielerorts anzutreffen sind.

François (gespielt von Deon Lotz) ist ein erfolgreicher weißer Mittelständler, der nach außen hin eine normale Ehe mit seiner Frau führt. Hinter den Kulissen jedoch sucht François die Nähe zu Homosexuellen. Er lebt seine Sexualität hinter verschlossenen Türen aus. Doch eines Tages trifft er auf den jungen Christian (gespielt von Charlie Keegan) und sein gesamtes Leben gerät aus den Fugen. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Der Kinozuschauer soll das „wahre Leben erzählt bekommen“, sagte Lotz in einem Interview. Dabei wird dieses Leben für ein Nachdenken und Entsetzen beim Betrachter sorgen. „Skoonheid (Beauty)“ ist auf dem Cannes-Filmfestival gezeigt und mit der Queer-Palme ausgezeichnet worden. Einziges Manko sind die überalterte Kameraführung und Schwächen in der Story. Empfehlenswert ist „Skoonheid (Beauty)“ genauso wie „Miners Shot Down“ allemal. Am 29. September ist die Doku in Anwesenheit des Regisseurs in Ulm zu sehen.

Trailer „Skoonheid (Beauty)“

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