Verzerrtes Afrika-Bild der ARD

Öffentlich-rechtliche Spielfilme zwischen Klischee-Erfüllung und Stereotypen-Bedienung

(Autor: Ghassan Abid)

Zur ersten Septemberhälfte 2014 sendete die ARD mehrere Afrika-Spielfilme. „Stürme in Afrika, „Für immer Afrika“ oder „Meine Heimat Afrika“ handeln typischerweise davon, dass deutsche Bürger im südlichen Afrika in einer Safari-Umgebung nach der großen Liebe suchen, eine familiäre Angelegenheit zu regeln haben oder der einheimischen Bevölkerung helfen wollen. Man kriegt stets den Eindruck vermittelt, als würde die ARD die Realität im Ausland bewusst ausblenden. Eine Medienkritik ist längst überfällig.

Radio Arabella München

© Die Schauspielerin Christine Neubauer ist besonders gefragt, wenn es darum geht, in Afrika-Spielfilmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mitzuspielen. Dabei bedient sich die ARD in ihren Produktionen gängigen Klischees und Stereotypen zum afrikanischen Kontinent. Eine Medienkritik ist längst überfällig. (Quelle: flickr/ Radio Arabella München)

Umher laufende Wildtiere, im Busch lebende Einheimische und fehlende Zivilisation prägen die Produktionen des Bayerischen Rundfunks, die in der Mediathek der ARD abrufbar sind. Während in „Stürme in Afrika“ die Protagonistin Eva Färber erfährt, dass ihr Vater in Südafrika schwer erkrankt ist, leitet in „Für immer Afrika“ die Ärztin Katrin Berger (gespielt von Christine Neubauer) ein Buschkrankenhaus in Namibia.

Doch werfen diese Filme in keinster Weise einen differenzierten Blick auf die tatsächliche Lage der Bevölkerung Namibias oder Südafrikas. Insoweit sind die Spielfilme des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks alles andere als realitätsnah. Doch warum bedienen sich die ARD und die Landesrundfunkanstalten den gängigen Klischees und Stereotypen zum afrikanischen Kontinent?

Auf Anfrage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ teilt ARD Degeto-Redaktionsleiter Sascha Schwingel – zuständig für die Spielfilm-Produktionen – mit, dass man die „Zuschauer unterhalten und mit emotional starken Geschichten bewegen“ möchte. Die Geschichten und Konflikte sollen nah an der Lebensrealität der Zuschauer erzählt werden. Allerdings gesteht sich die ARD ein, dass es nur in Ansätzen gelingen kann, den „Schauplätzen in ihrer Komplexität wie beispielsweise Afrika gerecht zu werden“.

In Filmen wie „Für immer Afrika“ stehen durchaus die Schönheit und Faszination Afrikas im Vordergrund, doch habe die ARD „bewusst vielschichtigere Geschichten, die ein differenzierteres, informativeres Bild der Wirklichkeit darstellen, realisiert.“ Schwingel verweist hierbei auf die Henning Mankells Verfilmung „Kennedys Hirn“, in welcher Sachverhalte wie die HIV-Problematik, soziale Probleme und kriminelle Machenschaften thematisiert werden. Letztendlich hoffe die ARD Degeto, mit solchen Produktionen, soweit es die fiktionale Erzählform erlaubt, auch andere Facetten afrikanischer Länder zu beleuchten – so der Redaktionsleiter abschließend.

3 Antworten zu “Verzerrtes Afrika-Bild der ARD

  1. Pingback: Medienkritik zur GZSZ-Rolle “Amar” | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Bin gespannt auf die Medienkritiken in diesem Portal.
    Leider, oder zum Glueck, komme ich nicht in den Genuss dieser Filme mit dem Praedikat „Heija Safari!“ – inklusive Gutmensch-Sein.

  3. Pingback: Verzerrtes Afrika-Bild der ARD | Afrika | Scoo...

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