Weiße Südafrikaner wollen Flüchtlingsschutz

Ehepaar darf in Kanada Asylanträge stellen. Bundesgericht erkennt Verfolgung wegen der Rasse

(2010sdafrika-Redaktion)

Menschen, die aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe ins Ausland flüchten, genießen nach geltendem internationalen Recht einen Flüchtlingsstatus. Als Asylberechtigte stehen sie dann unter dem Schutz des Empfängerlandes. Doch trifft diese Sachlage auch auf Südafrika zu? Denn zwei Südafrikaner bejahen diesen Zustand in ihrer Heimat. Ein kanadisches Bundesgericht gibt ihnen Recht, Asylanträge zu stellen.

Arisha Singh

© Das südafrikanische Ehepaar Charl und Naira Nel behauptet, in der eigenen Heimat wegen ihrer weißen Hautfarbe verfolgt zu werden. Deshalb wollen sie als Flüchtlinge in Kanada anerkannt werden. Ein Bundesgericht hat entschieden, dass die Familie entsprechende Asylanträge stellen darf. Somit stuft die Justiz Kanadas die Republik im südlichen Afrika als unsicheren Staat für Weiße ein. Eine diplomatische Krise könnte folgen. (Quelle: flickr/ Arisha Singh)

Charl und Naira Nel wollen nie wieder nach Südafrika zurückkehren. Sie befürchten nämlich, entweder vergewaltigt, verletzt oder getötet zu werden. Das politische Klima richte sich gegen die weißen Bürger, so das Ehepaar. Beide Südafrikaner haben aus diesem Grund für sich und ihre Kinder Asylanträge in Kanada gestellt, die nun von einem Bundesgericht zur weiteren Prüfung zugelassen worden sind. Allein die Zulassung dieser Verfahren offenbart eine Grundhaltung der kanadischen Justiz, wonach in Südafrika gezielt Weiße verfolgt werden würden. Überspitzt formuliert herrsche am Kap ein Genozid vor.

Nashira Davids berichtete für die südafrikanische Zeitung „Sunday Times“ als erste Journalistin über den höchst brisanten Fall, der nun zu einer ernsten diplomatischen Krise zwischen Kanada und Südafrika führen kann. Wenn Präsident Jacob Zuma den Song „Kill the Boer“ [zu Deutsch: Tötet die Buren] zum hundertjährigen Bestehen des ANC im Jahre 2012 sang, dann laufe im südlichen Afrika etwas schief. Ihren Erkenntnissen nach stellten von 2006 bis Juni 2014 bereits 151 Südafrikaner einen Asylantrag, von denen 23 positiv beschieden worden sein sollen. Nähere Informationen hierzu sind nicht bekannt.

Ebenso griff der in Kapstadt lebende deutsche Journalist Markus Schönherr die unglaubliche Geschichte von Charl und Naira Nel für das schweizerische Online-Medium „20 Minuten“ auf. Nicht nur einzelne Politiker des ANC machten Stimmung gegen die weiße Minderheit in Südafrika, sondern auch die neu gegründete Oppositionspartei „Economic Freedom Fighters (EFF)“ unter dem Vorsitz von Julius Malema schüre die Angst am Kap. Denn Malema wurde bereits von einem Gericht gerügt, gegen Weiße zu hetzen.

Präsident Jacob Zuma singt in der isiZulu-Sprache „Kill the Boer“

2 Antworten zu “Weiße Südafrikaner wollen Flüchtlingsschutz

  1. Ohne zu übertreiben wenn ich mir die armen Menschen und Kinder der sogenannten white squatter camps – Elendssiedlungen für weiße Menschen in Süd Afrika zu 100 Prozent vergleichbar mit den Slums/ Townships der schwarzen.
    Die Camps werden zum Schutz der weißen Bewohnern von der südafrikanischen Polizei lax geschützt. Vergewaltigung, Raub im Minuten Takt.
    Ja man sollte diesen armen Menschen ein Flüchtlingsstatus zuerkennen. Das ist ein wirkliches Trauerspiel was sich mit den Armen weißen abspielt.

  2. Über die Motive der Familie Nel steht mir kein Urteil zu. Aber eines darf ich feststellen: In Südafrika wird keiner und keine wegen seiner/ihrer Hautfarbe verfolgt.
    Dass es ein subjektives Unwohlsein bei einigen weißen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gibt, steht außer Frage. Der Verlust an Privilegien wird insbesonders dort schmerzlich empfunden, wo die Abschaffung der Apartheid mit finanziellen Einbußen für die vordem Bevorzugten einherging. Persönliche Ängste entwicklen sich auch dort stark, wo sich weiße Mitbürgerinnen und Mitbürger nach wie vor abschotten gegen alles „Schwarze“, bzw. was sie als solches empfinden.
    Wen’s interessiert: Die Schriftstellerin Antjie Krog hat sich intensiv auseinandergesetzt mit ihrem „Weißsein“ und dem „Schwarzsein“ in ihrem Land Südafrika – Antjie Krog, Begging to be Black, Random House Struik 2009

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