Bücher braucht das Land

Kulturministerium Südafrikas kündigt umfangreiche Investitionen im landesweiten Bibliothekenbau an

(2010sdafrika-Redaktion)

Als der südafrikanische Bücherrat SABDC, eine Nichtregierungsorganisation zur Förderung des Lesens, eine Studie herausgab, wonach lediglich 14 Prozent aller Südafrikaner aktive Bücherleser sind, nur 5 Prozent der Eltern ihren Kindern etwas vorlesen und 51 Prozent aller Haushalte über kein einziges Buch verfügen, war die Sprachlosigkeit der Lesenden besonders groß. Nun hat die Regierung umfangreiche Investitionen angekündigt. Die Menschen sollen Bücher lesen.

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© Südafrikas Bürger sollen nach dem Willen des Kulturministeriums öfters ein Buch in den Händen halten. Denn nur 14 Prozent aller Südafrikaner sind aktive Bücherleser. Der Bau mehrerer Bibliotheken in strukturschwachen Regionen soll zur Erhöhung der Leserquote beitragen. Rund 216 Millionen Euro stehen für dieses Regierungsprogramm zur Verfügung. (Quelle: flickr/ talkingdoguk)

Rund drei Milliarden Rand, umgerechnet etwa 216 Millionen Euro, werden in den nächsten drei Jahren in den Bau neuer Bibliotheken investiert. Gemeinden mit einem mangelnden Zugang zum Bildungssektor sollen von diesem Programm profitieren, kündigte Südafrikas Vizekulturministerin Rejoice Mabudafhasi während der diesjährigen „Nationalen Bücherwoche“ an.

Südafrika brauche eine Kultur des Lesens und Schreibens. Nicht die Bibliotheken haben zu den Bürgern zu kommen, sondern die Bürger zu den Bibliotheken, hieß es aus dem Kulturministerium. Es wird geschätzt, dass zurzeit etwa 230 Buchverlage in Südafrika – im Vergleich hierzu existieren 15.000 Verlage in Deutschland – aktiv sind. Mit einem Gesamtumsatz von rund 400 Millionen Euro im Jahr ist der Buchmarkt am Kap aus internationaler Sicht wenig bedeutend.

Südafrikas Bildungssystem ist geprägt von unzähligen Skandalen, unzureichend ausgebildeten Lehrkräften und systematischen Mängeln. Im Interview mit der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erklärte die Bildungsforscherin Bernadette Gräfin von Hardenberg, dass viele Schulabsolventen nicht richtig lesen und schreiben können. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen selbst für einfachste Positionen nur Personen einstellen, die mindestens das südafrikanische Gegenstück zum deutschen Abitur bestanden haben.„, so die Forscherin weiter.

Eine Antwort zu “Bücher braucht das Land

  1. Die „Bücherphobie“ oder Aversion gegen das Lesen ist in der Tat eine gesellschaftliche Erscheinung in Südafrika. Sie hat wahrscheinlich vielschichtige Ursachen.
    Zum einen pflegten die Völker im südlichen Afrika, vor dem konquistadorischen Eingriff europäischer Menschen, eine Tradition der mündlichen Literatur (oral literature), also des Weitererzählens von Geschichte in Geschichten. Schriftsprache war unbekannt.
    Die Siedler, Voortrekker, Boeren brachten im 19. Jahrhundert das Land im sprichwörtlichen Sinne mit „Bibel und Gewehr“ in ihren Besitz. Die Bibel, in Form des Produktes eines Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, war meist das einzige Buch im Haushalt, und wurde des Sonntags vom Patriarchen der Familie aufgeschlagen. Die Produkte der Gebrüder Wilhlem und Peter-Paul Mauser hingegen waren meist mehrfach vorhanden und erfreuten sich regen täglichen Gebrauchs, bei der Jagd, im Krieg gegen die Einheimischen.
    Bis zum heutigen Tag wird das Lesen von Büchern, insbesondere Belletristik, von vielen Südafrikanern als etwas nutzloses, sinnloses betrachtet. Bestenfalls wird es als femininer Luxus gesehen, dem sich ein Junge bzw. Mann nicht widmet. Letzterer hat seine männliche Nützlichkeit beim Rugby oder Fußball zu beweisen oder eben bei der Jagd, wie die Altvorderen.
    Diese Haltung zu Büchern trifft man hierzulande sehr häufig, und zwar quer durch die Bevölkerung.

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