Senzo Meyiwas-Tod wirft Fragen auf

Südafrika zwischen brutaler Lebensrealität und politischer Inkompetenz. Ein Kommentar

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Musikerin und Schauspielerin Kelly Khumalo lebte vor einigen Jahren in einer Beziehung, die von häuslicher Gewalt geprägt war. Sie brauchte Zeit, um sich vom schlagenden Partner zu trennen. Seither engagiert sie sich gegen Gewalt an Frauen. Mit dem Nationaltorwart Senzo Meyiwa lernte sie endlich einen Mann kennen, der sie respektierte und am vergangenen Sonntag beschützen wollte. Dafür musste er mit seinem Leben bezahlen.

The Presidency of the Republic of South Africa

© Der gewaltsame Tod des Nationaltorwarts Senzo Meyiwa belegt, dass Südafrika große Probleme mit der Kriminalitätsbekämpfung hat. Allerdings stellt die Inkompetenz der politischen Elite am Kap die größere Herausforderung dar. Habgier und Egoismus schaden der Wohlstandsentwicklung der jungen Demokratie im südlichen Afrika. Im Bild ist Präsident Jacob Zuma zu sehen, der in etliche Korruptionsfälle verstrickt ist. (flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Drei Einbrecher suchten das Haus von Khumalo auf, das in einem Township bei Johannesburg liegt. Während zwei Personen sich ins Innere begaben, wachte ein Dritter vor dem Anwesen. Mehrere Angehörige Khumalos waren im Haus, unter anderem ihr Partner Meyiwa. Sie wurden beraubt. Als einer der Einbrecher eine bei sich tragende Schusswaffe auf Khumalo und das gemeinsame Baby richtete, so berichten es südafrikanische Journalisten, leistete Meyiwa Widerstand. Der Nationaltorwart wurde angeschossen.

Auf dem Weg ins Krankenhaus starb der 27-Jährige an den Folgen seiner Schussverletzung. Eine ganze Nation ist geschockt und Khumalo erlebt erneut, dass die Gewalt in ihr Leben zurückgekehrt ist. Südafrika zeigt zum wiederholten Male sein hässliches Gesicht. Erst vor Kurzem ist ein Diplomat Marokkos in Pretoria ermordet worden. Dazu das Mordverfahren gegen Oscar Pistorius, das die ausufernde Waffenproblematik am Kap sichtbar gemacht hat.

Senzo Meyiwa überzeugte bei den letzten Qualifikationsspielen zum Afrika Cup 2015 und als Keeper des Erstligisten Orlando Pirates. Der aus Durban stammende Sportler war für den südafrikanischen Fußball eine treibende Kraft, auf die nun Bafana Bafana verzichten muss. Sportler aus dem In- und Ausland sind sprachlos. Welchen Wert hat das Leben in Südafrika überhaupt noch, fragen sich in diesen Tagen viele Bürger. Einige sehen sich bestätigt, dass vom Erbe Mandelas kaum etwas zurückgeblieben ist. Angst und Misstrauen kommen auf, insbesondere bei der weißen Bevölkerungsminderheit.

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat in seiner Online-Datenbank „The World Factbook“ ein düsteres Bild von der Sicherheitslage in Südafrika gezeichnet. Längst habe sich das Land zum internationalen Drogenumschlagplatz entwickelt. Die Organisierte Kriminalität habe die Republik fest im Griff. Der eigene Glauben, dass mit der Armutsreduzierung die Kriminalität abnehme, schwindet mit jedem weiteren Korruptionsskandal. Die politische Elite in Südafrika hat eindeutig versagt.

Was die fragile Demokratie im südlichen Afrika in erster Linie braucht, sind verantwortungsbewusste, ehrliche und mit Idealen behaftete Politiker. Ebenso müssten in den Behörden etliche Beamte ausgetauscht werden, die davon überzeugt sind, sie stünden über den Bürgern. Allen voran die Polizei ist reformbedürftig. Es besteht eine gravierende Schieflage im Verhältnis zwischen Staat und Volk. Jedoch bleiben strukturelle Veränderungen nach wie vor aus. Das Hamburger Forschungsinstitut GIGA schlug in einer Analyse erst kürzlich Alarm: „Südafrika befindet sich in einem Grenzbereich zwischen einer leicht defekten und einer sich konsolidierenden Demokratie.

Zwar erhielt Jacob Zuma bei den diesjährigen Wahlen die erneute Legitimität zum Regieren. Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) konnte sich wieder als stärkste politische Kraft etablieren. Doch geht die Fortführung der Amtsgeschäfte durch den ANC mit dem Verlust von Moralität und Vertrauen einher. In diesem Zusammenhang soll auf ein Zitat des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre hingewiesen werden, der zum Ausdruck brachte: „Mit der Hoffnungslosigkeit beginnt der wahre Optimismus.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s