Kap-Kolumne: Sieg einer Puppe

Gerichtserfolg für Bauchredner Conrad Koch und sein Alter Ego Chester Missing

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Südafrikas bekannteste und populärste Handpuppe wehrt sich erfolgreich vor Gericht gegen einen Maulkorberlass. Am vergangenen Donnerstag wies ein Gericht die Klage auf Unterlassung gegen Chester Missing zurück. Die Kosten des Verfahrens trägt der Kläger, der Sänger Steve Hofmeyr.

Dies ist kein Theaterstück.

Chester Missing

© Der Afrikaans-Sänger Steve Hofmeyr [rechts im Bild] klagte gegen die Handpuppe Chester Missing [links im Bild] auf Unterlassung. Der Bauchredner Conrad Koch habe ihn mit seiner Puppe als Rassist verunglimpft, so der Musiker. Doch das Gericht folgte der Ansicht Hofmeyrs nicht und wies dessen Klage zurück. (Quelle: Twitter/ Chester Missing)

Die handelnden Personen:

  • Chester Missing, Handpuppe, Alter Ego des Conrad Koch, seines Zeichens Anthropologe, Bauchredner, Satiriker und Kabarettist
  • Steve Hofmeyr, afrikaanser Sänger und Apartheidapologet
  • Dan Roodt, Literat und ebenfalls Apartheidapologet, vertritt Steve Hofmeyr vor Gericht
  • Die Twitter-Gemeinde

Ort: Das Gericht von Randburg, einem Vorort von Johannesburg.

Das Vorspiel: Dan Roodt, für Steve Hofmeyr, beantragt Ende Oktober eine einstweilige Verfügung gegen Chester Missing. Die satirische Puppe möge ihr verbales „Mobbing“ (harassment) gegen den Sänger Hofmeyr unterlassen. Dieser fühle sich in seinem Leben bedroht.

Der Schauplatz des „Cyber-Krieges“ ist Twitter – auch twar (twitter war) genannt.

Steve Hofmeyr eröffnete den Schlagabtausch mit einem Tweet, in dem er die Schwarzen Südafrikas als „die Architekten der Apartheid“ bezeichnete.

Chester Missing konterte, wir hätten es hier wohl mit einer rassistischen Ausgabe des Lord Voldemont aus Harry Potter zu tun.

Nun fühlte sich der Sänger als „Rassist“ diffamiert. Er verhält sich fürderhin wie die beleidigte Leberwurst, die man auf ihre wurstige Natur anspricht.

Hofmeyr macht in der Tat aus seiner Apartheidapologetik keinen Hehl. Zu seinen Helden zählen nicht nur Buren-Generäle wie Koos de la Rey, sondern auch deren tragisch-elenden Abziehbilder wie Eugene Terre’blanche, ehemaliger Führer der terroristischen AWB.

Hofmeyr: „Gegen Apartheid zu sein, ist wie für mehr Vergewaltigungen von weißen Frauen zu sein.

Mit derartigen provokativen Abstrusitäten versucht Hofmeyr immer wieder Aufmerksamkeit für sich zu erregen.

Tatsächlich geht es aber ums liebe Geld. Das Gezwitscher auf Twitter ist nur die Begleitmusik zur Unterlassungsklage gegen Chester Missing. Wegen der breiten Unterstützung der Twitter-Gemeinde für die populäre Puppe sieht Hofmeyr seine Sponsoren entschwinden. Der „Twitter-Krieg“ kam so richtig in Fahrt als es um ein von Land Rover und der Supermarktkette Pick’n’Pay gesponsortes Konzert ging, auf dem der Barde von der traurigen Gestalt auftreten sollte.

Das Thema Rassismus ist in Südafrika bekanntlich ein sehr empfindliches. Für das Image einer Nobelmarke wie Land Rover sowie des Ackerman-Konzerns (Pick’n’Pay) ist eine Verbindung mit bekennenden Rassisten kaum förderlich.

Der Gerichtsgang des Roodt/Hofmeyr-Gespanns war eindeutig ein Schlag ins Wasser. Nach der Urteilsverkündung konnte Roodt auch kaum seine Wut verbergen. Als Chester Missing ihn beim Verlassen des Gerichtssaals ansprach, langte Roodt zu. Die Puppe nahm’s gelassen. Ob sie nun ihrerseits den Roodt wegen Körperverletzung anzeigt, bleibt abzuwarten.

Wie sagte doch Kurt Tucholsky so richtig: „Was darf Satire? Alles.

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