Pfarrer Kerkhoff und das Versagen der Kirche

Landgericht Krefeld verhandelt ab 9. Januar Kindesmissbrauchsfall gegen 56-jährigen Geistlichen

(2010sdafrika-Redaktion)

Georg Kerkhoff ist ein schlanker Mann, 56 Jahre alt, trägt eine Brille und ist stets am lächeln. Der Pfarrer des Bistums Aachen muss sich ab dem 9. Januar 2015 vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Krefeld dafür verantworten, in 26 Fällen Kinder missbraucht zu haben. Vom einstigen Lächeln dürfte nicht mehr viel übrig geblieben sein. Diese Angelegenheit belegt das grundsätzliche Versagen der katholischen Kirche, Missbrauchsvorwürfen in den eigenen Reihen entschlossen nachzugehen. Denn Konsequenzen blieben aus.

trier51

© Über Jahre hinweg ignorierte das Bistum Aachen das auffällige Verhalten eines ihrer Pfarrer. Georg Kerkhoffs merkwürdiger Umgang mit Kindern blieb ohne Konsequenzen. Stattdessen ist er nach Südafrika versetzt worden. Auch dort fiel der Pfarrer auf. Im Januar 2015 wird gegen den Geistlichen in 26 Missbrauchsfällen am Landgericht Krefeld verhandelt. (Quelle: flickr/ trier51)

Pfarrer Kerkhoff betreute von 1994 bis 2006 verschiedene Gemeinden am Niederrhein. Von 2001 bis 2006 leitete er die Gemeinde in Nettetal, die im Einflussbereich des Bistums Aachen liegt. Allerdings erhielt die Kirche bereits seit 2003 Hinweise darüber, dass mit dem Geistlichen etwas nicht stimme. Es war die Rede von auffälligen Sauna-Besuchen, die Kerkhoff regelmäßig mit Kindern unternahm. Entsprechende Warnungen an das Bistum stießen auf taube Ohren.

Stattdessen ist der Pfarrer mit einer mutmaßlichen Vorliebe für Schutzbefohlene auf eigenen Wunsch hin 2007 in die Auslandsseelsorge in Südafrika versetzt worden. Jedoch mehrten sich auch in der Umgebung von Johannesburg Missbrauchsvorwürfe gegen den aus Willich stammenden Würdenträger. Kerkhoff soll erneut mehrere Kinder sexuell belästigt und sie dazu gedrängt haben, mit ihm in einem Bett zu schlafen. Im Mai 2008 wurde der Pfarrer von sämtlichen Aufgaben entbunden – ganze fünf Jahre nach den ersten Missbrauchsvorwürfen.

Im Anschluss folgte die Einleitung eines Strafverfahrens gegen Kerkhoff durch die südafrikanischen Behörden. Vier Jungen im Alter von neun und zehn Jahren belasteten ihn. Allerdings stellte das Gericht das Verfahren gegen Kerkhoff ein und lieferte diesen im Sommer 2014 an Deutschland aus. Auf dem Heimatflug begleiteten deutsche Polizisten den Angeklagten, der seither in Untersuchungshaft sitzt und auf seinen Prozess wartet.

Kerkhoff

© Pfarrer Georg Kerkhoff ist angeklagt worden, in 26 Fällen Kinder missbraucht zu haben. Am 9. Januar 2015 beginnt vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Krefeld das Verfahren gegen den Würdenträger des Bistums Aachen. (Quelle: Privat)

Kerkhoff, der sich im Mai 2010 bei der Staatsanwaltschaft Krefeld selbst anzeigte und die Vorwürfe gegen ihn bestätigte, hielt in einem an die Strafverfolgung gerichteten Schreiben fest, dass ihm die ganze Sache und der den Opfern zugefügte Schmerz leid tue. Der Pfarrer verweilte über Jahre hinweg am Kap, bis dieser nach der dortigen Verfahrenseinstellung ausgeliefert werden konnte. Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff wurde mehrfach kritisiert, dass sein Bistum zu lange untätig blieb und eine Mitschuld bei den neueren Missbrauchsfällen trage. Das Bistum rechtfertigte seine Untätigkeit mit der Wahrung der Unschuldsvermutung Kerkhoffs.

Bischof Mussinghoff stand der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ für ein Interview nicht zur Verfügung. Bereits in der Vergangenheit sorgten eigene Recherchen zu Tebartz-van Elsts Eskapaden in Südafrika für ein gewaltiges Medienecho. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte mehrfache Anfragen inhaltlich nicht kommentieren. Dem Autor des Exklusiv-Artikels, dem Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, wurde das bewusste Verbreiten von Fehlinformationen und Rufschädigung vorgeworfen. Eine Prüfung der Vorwürfe ist bis zum heutigen Tag nicht erfolgt.

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