Jugend forscht

Mit Mannschaftsgeist, sportlicher Leistung und Patriotismus startet Bafana Bafana in den Afrika-Cup

(Autor: Johannes Woywodt)

Dass Südafrikas Fußballnationaltrainer Ephraim „Shakes“ Mashaba die Fans und Medien mit seinen Entscheidungen zu überraschen vermag, ist nicht ungewöhnlich. Seine Neueste ist die Nominierung des 23 Spieler umfassenden Mannschaftskaders für den am heutigen Samstag beginnenden Afrika-Cup in Äquatorialguinea. Egal ob gerade in Südafrika oder in anderen fußballverrückten Ländern, über nichts lässt sich leidenschaftlicher diskutieren als über die Spielerauswahl vor einem großem Turnier. Ein in der Regel zweijährlich wiederkehrendes Schauspiel, das von den Medien meisterlich verwendet wird, um in den Lob- oder Abgesang auf die eigene Mannschaft einzusteigen.

Diski Media

© Am heutigen Samstag beginnt der Afrika-Cup 2015 in Äquatorialguinea. Südafrikas Fußballcoach Ephraim „Shakes“ Mashaba hat ein junges und vor allem unerfahrenes Team aufgestellt, das gegen starke Gegner wie Algerien, Ghana und dem Senegal antreten wird. Mit Spannung werden die Vorrundenspiele erwartet. Am 19. Januar geht es gegen die Wüstenfüchse los. (Quelle: flickr/ Diski Media)

In Johannesburg wiederholte sich dieses Prozedere zum Jahreswechsel, als Mashaba jene 23 Namen bekannt gab, die sein Vertrauen genießen. In einer mehr als 30-minütigen Erklärung vor Medienvertretern dozierte der Coach über seine Auswahlkriterien. Dabei hob er insbesondere drei Aspekte hervor: Die mannschaftsdienliche Einstellung, das momentane sportliche Abschneiden in den Vereinen sowie das patriotische Gefühl für Südafrika spielen zu wollen. Umso überraschender fiel Mashabas Entscheidung aus, Thulani Serero nicht zu berufen, obwohl der offensive Mittelfeldspieler von Ajax Amsterdam eine entscheidende Schlüsselrolle bei der Qualifikation gespielt hatte. Über die Motive lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist, dass der Coach Serero für sein Fehlen in den Trainingslagern Ende Dezember aus der Mannschaft warf.

Im Weiteren blieb Mashaba seiner bisherigen Linie treu und nominierte junge Spieler, die mit ihm aber erfolgreich die Qualifikation bestritten. Für viele ist es das erste große internationale Turnier. Mit durchschnittlich 25,35 Jahren gehört Bafana Bafana zu den jüngeren, aber auch zu den unerfahrenen Teams, da allein elf Spieler weniger als zehn Länderspiele an Erfahrung aufweisen. Zudem wurde die südafrikanische Mannschaft mit Algerien, Ghana und Senegal in eine der schwersten Vorrundengruppen gelost. Daher wird es für ein gutes Abschneiden vor allem auf die erfahrenen Spieler Bernard Parker, Reneilwe Letsholonyane (beide beim Erstligisten Kaizer Chiefs) sowie auf die fünf Legionäre Darren Keet, Anele Ngongca, Andile Jali, Dean Furman und Tokelo Rantie (spielen in Belgien und England) ankommen.

Auch für „Shakes“ Mashaba wird die 30. Austragung des Afrika-Cups eine Premiere sein. 2004, als er sich schon einmal mit Bafana Bafana für das Turnier in Tunesien qualifizieren konnte, entließ ihn der südafrikanische Fußballverband kurz vor dem Turnierstart wegen seiner Spielerauswahl. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der Nationaltrainer den Turnierbeginn herbeisehnt, um sich mit anderen Trainern messen zu können. Angst vor der sogenannten „Todesgruppe“ habe er nicht. Er fahre nach Äquatorialguinea „nicht um zu sterben“ sondern um sich „sportlich erfolgreich zu beweisen“, so der 64-jährige bei der Teampräsentation.

Dass es durchaus zur großen Überraschung kommen könnte, zeigte nicht nur die erfolgreiche Qualifikation, sondern auch die letzten Testspiele. Gegen Sambia, dem Afrikameister von 2012, gelang am 4. Januar ein 1:0-Sieg. Am letzten Samstag erkämpfte sich Bafana Bafana in Gabuns Hauptstadt Librevile ein 1:1-Unentschieden gegen den vierfachen Afrika-Champion und Turnierfavoriten Kamerun. Am gestrigen Mittwoch bestätigte die südafrikanische Mannschaft abermals ihre gute Verfassung und besiegte den Cup-Teilnehmer Mali im letzten Testspiel mit 3:0. Mit dem Sieg blieb die Mannschaft unter Mashaba im zehnten Spiel in Folge ohne Niederlage – 6 Siege, 4 Unentschieden und 16:4 Tore. Diese letzten Spiele sollten der Mannschaft den nötigen Mut für die kommenden Aufgaben geben, bevor es am Montag, den 19. Januar, in Mongomo gegen Algerien ernst wird.

Wie gut oder schlecht das Turnier verlaufen wird, wird sich zeigen. Sollten Verletzungen ausbleiben und die äußeren Rahmenbedingungen stimmen, könnte ein Sprung ins Viertelfinale möglich sein. Zuletzt gab es vermehrt Kritik und Zweifel an der kurzfristig vergebenen Turniervergabe nach Äquatorialguinea. Nicht nur ob das kleine Land in kurzer Vorbereitungszeit fähig ist, die nötige Infrastruktur zu schaffen, sondern ebenso an der Auswahl selbst.

Seit seiner Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1968 bis heute wird das formal republikanische Äquatorialguinea diktatorisch, gewaltsam und korrupt von Mitgliedern des Familienclans Nguema Obiang regiert. Menschenrechtsorganisationen weisen darauf hin, dass der seit 1979 amtierende Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo die Austragung des Afrika-Cups vor allem zur Selbstdarstellung und Ablenkung von den Menschenrechtsverletzungen nutzen wird. Rein sportlich betrachtet werden dem Gastgeber trotz des Heimvorteils und der Begeisterung seiner Fans keine großen Chancen eingeräumt. Wer am Ende neuer Afrikameister wird, lässt sich im Fernsehen verfolgen. Die Sender Eurosport und Eurosport 2 werden live den Afrika-Cup übertragen.

Überblick über die Spieltermine in der Gruppe C:

19. Januar 2015: Südafrika – Algerien (in Mongomo)

23. Januar 2015: Senegal – Südafrika (in Mongomo)

27. Januar 2015: Ghana – Südafrika (in Mongomo)

Die weiteren Begegnungen:

Gruppe A: Äquatorialguinea, Burkina Faso, Gabun, Kongo

Gruppe B: Sambia, Tunesien, Kapverdische Inseln, DR Kongo

Gruppe D: Elfenbeinküste, Kamerun, Mali, Guinea

Eine Antwort zu “Jugend forscht

  1. Pingback: Heißer Herbst für Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

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